Das Dinner


Graf Verdrängenstein und Gräfin Verdrängenstein, geborene Jammershausen sitzen einander am langen, kantigen Tisch gegenüber.

Von Verdrängenstein sitzt am südlichen Ende, die Geborene Jammershausen am nördlichen Ende.

Der Graf löffelt die Suppe der falschen Ideale, würzt sie mit dem Salz der Mittelmäßigkeit, verdaut sie zu Wichtigtuerei und Großmannssucht.

Die Gräfin findet die Vorspeise der falschen Illusionen auf ihrem Teller. Ahnung beschleicht sie, dass Lachs und Kaviar vergiftet sind. Doch mit der Mayonnaise der Bequemlichkeit und um der schönen Aufmachung willen schluckt sie die scheußlich schmeckenden Delikatessen, die sich zu Enttäuschung und Minderwertigkeitsgefühl wandeln.

Der Graf isst das Filet der Gewalt und Unfreiheit. Von klein auf wurde er damit gefüttert. Dazu nimmt er die Soße der Geldgier.

Tücke, Kriechertum, Korruption sind die Endprodukte!

Die Gräfin teilt den Fisch der Lieblosigkeit, der schon kalt zu werden droht in kleine, mundgerechte Bissen und schluckt diese mitsamt den feinen Gräten der Gehässigkeit. Schwer muss die Gräfin nach Atem ringen, denn die vielen spitzen Gräten haben sich im Hals verspießt und es würgt sie. Mit dem sauren Wein der Resignation spült sie diese schließlich hinunter.

Der Graf wartet das Dessert des Grauens und den schwarzen Kaffee des gähnenden Abgrundes nicht ab und erschießt sich mit den Kugeln der Lüge.

Zurück bleiben zwei Desserts und die Gräfin Verdrängenstein, geborene Jammershausen!