Herr Fröhlich – fröhlich!

Herr Fröhlich sitzt im Abteil des Zuges, der über St. Pölten, Linz – nach Salzburg fährt. Herr Fröhlich ist nicht fröhlich! Er denkt an die vielen, mehr oder minder gutmütigen Wortspiele und Witzeleien mit seinem Namen, die er sich schon seit seiner Schulzeit anhören musste. Er blickt auf die Schuhspitzen seiner schon etwas ausgelatschten Schuhe. Hätte er die Schuhe putzen sollen? Zu einem Vorstellungsgespräch gehört sich das!

Seit 8 Monaten ist Herr Fröhlich arbeitslos. Die Drogeriekette, bei der er Geschäftsführer war ist pleite gegangen. Abfertigung laut Gesetz, ein warmer Händedruck „es tut uns wirklich sehr leid!“ Basta! Herr Fröhlich war zunächst einmal froh gewesen die verhasste und auch gefürchtete Arbeit los zu sein. Froh nicht mehr die andauernden Anweisungen sowie Umsatzwünsche d.h.angeordnete Umsatzsteigerungen der Konzernbosse im Nacken zu haben. Froh, das andauernde Antreiben-Müssen der Angestellten und ihren mühsam unterdrückten Unwillen und ihr Murren los zu sein.

Zwei Wochen war er mit seiner Frau aufs Land gefahren und hatte sich vom Stress der Arbeit erholt. Dann aber wurde  ihm bewusst, dass er sich um eine andere Arbeit umsehen musste. Er rief bei Firmen an, verfasste Bewerbungsschreiben, ging zu Vorstellungsgesprächen. Erfahrung in der Branche hatte er genug, schließlich hatte er 35 Jahre Praxis aufzuweisen. Zu Beginn seiner Karriere hatte er seine eigene Drogerie geführt. Das war seine glücklichste Zeit! Das Geschäft war sehr gut gegangen. Er konnte selbständig planen, neue Produkte ausprobieren vor allem war er sein eigener Herr gewesen. Aber dann kamen die großen Selbstbedienungsmärkte und es war aus  mit der Selbständigkeit . Er musste als Angestellter arbeiten. 

Mindestens 70 Bewerbungsschreiben hatte er verfasst. Viele Vorstellungsgespräche absolviert. Bald wurde ihm klar und es wurde ihm auch klar gemacht, dass er mit seinen 55 Jahren zu alt für eine Stelle war.

Und nun sitzt er hier im Abteil und fährt nach Linz um sich bei einem Schweizer Konzert für Wellness-Produkte als Vertreter vorzustellen. Das ist ein großer Abstieg für ihn und deprimiert ihn. Aber was sollte er machen?

Der Zug fährt los. Penzing. Hütteldorf, Purkersdorf, die Orte gleiten an ihm vorbei. In St. Pölten steigt ein etwas fülliger, älterer Herr mit seinem Dackel zu. Er sieht sich um, lächelt und setzt sich 
zu Herrn Fröhlich ins  Abteil. Der kastanienbraune Dackel blickt ihn mit seien blanken Äuglein an, gibt einen kurzen Beller von sich und wedelt mit dem Schwanz.

Sein Herrchen blickt auf. „Sei still Wasti!  Oh das ist eine große Ehre für Sie!“ Die große Ehre ist Herrn Fröhlich nicht ganz klar. Im anderen Fall; hätte der Hund ihn möglicherweise gebissen? Verständnislos blickt Herr Fröhlich drein.

„Sie sind ihm sympathisch! Er mag Sie! Er spricht sehr selten von sich aus fremde Menschen an!“

Was soll das! Denkt Herr Fröhlich. Ist der Mann plem plem? Seit wann sprechen Dackel jemanden an! Ist ja toll, dass das Herrl sich so mit seinem Hund identifiziert, das kommt schon vor aber ein Hund der einen Mann anspricht!

„Sie werden sich denken: der Alte ist nicht ganz bei Trost! Aber der Hund spricht tatsächlich! Er spricht natürlich nicht die menschliche Sprache aber ich kenne seine Sprache und er kennt meine Sprache. Er versteht mich ganz genau und er spricht, so wie eben, manchmal jemanden, der ihm sympathisch ist an!“

„Aha“! Sagt Herr Fröhlich Verständnis heuchelnd, nimmt eine Zeitung aus seiner Lab-top-Tasche und beginnt zu lesen. 

Aus den Augenwinkel beobachtet er die seltsamen Mitreisenden. Sie scheinen sich tatsächlich zu unterhalten. Es  wirkt tatsächlich wie ein Zwiegespräch.  Das Herrchen fragt etwas und der Dackel antwortet mit einem kurzen Jaulen oder leichtem Knurren. Dann jault oder knurrt der Hund etwas und das Herrchen antwortet ihm. Herr Fröhlich hält das nicht für möglich, es amüsiert ihn aber ungemein, er legt die Zeitung weg und beobachtet das Paar.

„Sehen Sie! Wir unterhalten uns köstlich! Vor allem sprechen wir über das Essen bzw. das Futter,  zum Beispiel ob es uns geschmeckt hat oder nicht. Wir sprechen auch über Leute, die wir kennen, nette aber

auch unangenehme. Alles mögliche besprechen wir. Über Politik nicht, das interessiert kein Schwein und
schon gar nicht  einen Dackel. Übrigens! Glück ist mein Name!“ Stellt sich der Hundeflüsterer vor.

„Sehr erfreut, Fröhlich! „Sagt Herr Fröhlich und nickt Herrn Glück zu.
Beide Herren lachen und Wasti der Dackel lacht auch. Tatsächlich! Der Hund lacht auch! Denkt Herr
Fröhlich. Er fühlt sich auf einmal leichter, heiterer! Er bemerkt wie die Landschaft an ihm vorbei fliegt.
Das „taktak, taktak“ des Zuges dringt in sein Bewusstsein. Vorher hat er es nicht wahrgenommen.
Herr Fröhlich beugt sich hinunter zum Dackel und streichelt sein braunes Fell. Er fühlt auch die
seidige Glätte und die Wärme, die vom Körper des Tieres ausgeht.

Der Dackel legt den Kopf schief und blickt  Herrn Fröhlich mit seinen blanken Äuglein lange an. „Ich glaube der Wasti fühlt, dass Sie etwas bedrückt.  Wenn einer gut drauf ist aber auch wenn jemand Sorgen hat, der Hund bemerkt das sofort. Ich könnte ihnen Geschichten erzählen!

Lassen Sie das sein was sie vorhaben!“

„Wieso wissen Sie!“  Herr Fröhlich  ist erstaunt.  „Ich weiß nicht aber ich vermute!“ Sagt Herr Glück“ Es ist nicht gut wenn man sich zu etwas zwingt, das einem nur unglücklich macht! Warten Sie ab! Warten Sie ab!, und.... seien Sie fröhlich, Herr Fröhlich!“ Wieder lachen  beide, Hund und Herrchen.

Der Zug fährt gerade in den Bahnhof Linz ein. „ So Wasti! Jetzt aber flott! Unser „Engerl“  wartet auf uns!“ Mit unheimlicher Geschwindigkeit verlässt Herr Glück und Wasti das Abteil und schon sind sie dahin.

Herr Fröhlich will den beiden nach, sich bedanken aber er kann sie nicht mehr sehen, sie sind wie vom Erdboden verschluckt.

Das Wohlgefühl von vorhin hat sich bei Herrn Fröhlich noch verstärkt. Eine Woge der Leichtigkeit und des Wohlgefühls geht durch seinen Körper  Ja, denkt er, ich werde nicht Sohlen abtreten, von Tür zu Tür  und Klinken putzen!  Außerdem – wer sagt ob der „Human Resources-Mensch“ ihn anstellen würde. Ich muss Herrn Glück und dem Wasti dankbar sein. Möglicherweise haben sie mich vor dem Untergang bewahrt. Ich werde abwarten, so wie Herr Glück  mir geraten hat. Vielleicht habe ich Glück!

Herr Fröhlich sagt das Vorstellungsgespräch bei der Firma für Wellness-Produkte ab, macht sich einen schönen Tag in Linz und bemerkt dass diese Stadt ein eigenes Flair hat. Er nimmt den Zug um sechs Uhr zurück nach Wien. Er fühlt sich leicht und frei und..... Herr Fröhlich ist fröhlich!.