Ich – Kater-Felix – der Glückliche



„Der Kater ist für die Katz!“ Frauchen blickt mich geringschätzig an. Ich blicke von meinem Futternapf zu ihr aus den Augenwinkeln auf und genieße seelenruhig meine „Knabberlies“.

Ich glaube, ich muss jetzt einiges erklären. Darf ich mich vorstellen? Mein Name ist Felix, der Glückliche. Der Name kommt aus dem Lateinischen und heißt eben – der Glückliche. Ich bin wirklich ein glücklicher Kater. Meine Wohnung ist warm und kuschelig und wenn ich nicht gerade fresse oder mit Herrchen spiele liege ich zusammengerollt auf dem Sofa und schlafe. Außer fressen und spielen ist schlafen meine Lieblingsbeschäftigung.

Noch etwas muss ich aufklären: Die beiden Zweibeiner – sie nennen sich Frauchen und Herrchen und als friedfertiger Kater lasse ich sie dabei – also die beiden sind in Wahrheit meine Bediensteten. Herrchen ist bei mir als Kammerdiener und Frauchen als Kammerzofe angestellt. Ich, der Kater Felix habe sie von Anfang an, als ich als kleines, miauendes Bündel bei ihnen aufgetaucht bin für meine persönlichen Bedürfnisse abgerichtet. Zum Beispiel habe ich von vornherein nicht geduldet, dass irgendeine Tür zu ist. Schließlich muss ich als Herr des Hauses immer meinen Inspektionsgang machen.

Noch viele andere Unarten habe ich meinen beiden Zweibeinern sofort abgewöhnt. Jetzt sind sie perfekt für meine Bedürfnisse dressiert. Herrchen ist für Kloputzen und meine Mahlzeiten, die ich natürlich pünktlich einnehmen möchte, zuständig. Frauchen ist für meine tägliche Toilette, sprich Bürsten meines seidigen, graugestreiften Felles zuständig. Das muss spätestens täglich um 8 Uhr früh geschehen, sonst werde ich ungemütlich. Wie sich das äußert? Ich beginne über das Bett des unbotmäßigen Frauchens zu springen. Dabei miaue ich zuerst ganz sanft, nützt das nichts so erinnere ich mich an meinen großen und gefährliche Verwandten, den Tiger und lasse ein gefährliches tiefes Grollen ertönen.  Spätestens dann springt Frauchen auf und tut ihre Pflicht.

Wenn Frauchen mich dann bürstet schnurre ich zufrieden und rekle mich von einer Seite auf die andere damit ich überall gebürstet werden kann. Wenn ich vom Bürsten genug habe stoppe ich Frauchen mit meiner rechten Pfote und springe vom Waschtisch herunter. Frauchen sagt dann immer „Bitte sehr, Eure graue Eminenz!“  aber ich bin dann schon dabei Herrchen an seine Pflicht als Buttler zu erinnern, nämlich das Frühstück zu servieren.

Die warme Jahreszeit verbringe ich ich in meiner Sommerresidenz sprich im Landhaus von Herrchen. In der Nähe dieses Hauses wurde ich auch geboren. Da ich
ja  noch ein Baby war kann ich mich nicht mehr genau erinnern was in meiner ersten Lebenszeit passiert ist. Möglicherweise wurde ich mit einigen meiner Geschwister einfach ausgesetzt. Nicht sehr nett von den Zweibeinern bei denen meine Mutter lebte aber meine Mutter, an die ich mich nur sehr vage erinnere dürfte mehrmals im Jahr Junge bekommen haben und das war den Leuten einfach zu viel.

Was mit meinen Geschwistern passiert ist weiß ich leider nicht. Ich für meine Person habe mich auf den Weg gemacht und bin Schnur stracks auf das Haus meiner jetzigen Bediensteten losmarschiert. Ich habe dort im Garten jämmerlich geschrien, ich hatte ja wirklich großen Hunger. Eine liebe alte Frau, die Oma hat mir in Milch aufgeweichte Semmeln gegeben und ich habe das Fressen gierig hinunter geschluckt. Was so ein Hunger bewirkt! Heute würde Herrchen es nicht wagen mir so einen Fraß vorzusetzen. Aber damals! Oma, die liebe alte Frau, die leider schon verstorben ist hat mich so lieb gewonnen, dass sie mich dauerhaft in ihr Haus gelassen hat. Herrchen hat mir ein Klo gebastelt und ich habe sofort begriffen, dass ich da mein Geschäft verrichten muss. Meistens aber bin ich im Garten  unter der Thujen-Hecke aufs  Klo gegangen und habe meine Verdauungsreste brav vergraben.

Einige Jahre habe ich mit Oma in ihrem Landhaus gelebt. Die Oma hat sehr viel auf Reinlichkeit und Körperpflege geschaut und hat mich regelmäßig gebürstet. Leider war sie etwas schwerhörig und hat mein Miauen morgens nicht immer gehört. Ich habe es nicht bös gemeint aber manchmal musste ich energisch werden und so habe ich sie ein bisschen gebissen damit sie auf mich aufmerksam wird. Ich konnte ja nicht wissen, dass Oma so stark bluten würde – sie war eben schon sehr krank und musste eine Menge Medikamente nehmen.

Als Oma dann ins Spital musste bin ich zu Herrchen gekommen. Oma ist, wie gesagt leider verstorben und so lebe ich seither mit Herrchen – meinem Butler und mit Frauchen, das öfter zu Herrchen kommt. Im Winter in Herrchens Wohnung, im Sommer – wie schon erwähnt – in Herrchens Landhaus, sprich meiner Sommerresidenz.

Der Sommer ist die Schönste Zeit für mich. Ich fühle mich wie im Katzenparadies. Ich liebe Pünktlichkeit und natürlich tun meine Bediensteten morgens  und abends ihre Pflicht. Dann lasse ich ihnen aber  Freizeit, denn nach dem Frühstück mache ich meinen Rundgang und rolle mich anschließend in einem warmen, sonnigen Winkel zusammen. Am Abend aber und in der Nacht werde ich aktiv. Da entfaltet sich meine wahre Bestimmung und ich gehe auf die Jagt. Zwei bis drei Mäuse jage ich und verzehre sie mit Putz und Stingl unter lustvollem Miauen im Schlafzimmer von Herrchen und Frauchen. Frauchen schaudert es, wenn sie die Geräusche von knackenden Mäuseknochen  mitten in der Nacht hört aber Herrchen ist entzückt und lobt mich als braven und tapferen Mäusejäger.

Nun komme ich aber wieder an den Anfang meines Berichtes. Also Frauchen straft mich derzeit mit Verachtung und das kam so:

Derzeit ist Winter. Es herrscht kaltes und unfreundliches Wetter und ich bin froh, dass ich in Herrchens warmer Wohnung bin. Herrchen aber fährt einmal in der Woche ins Landhaus um nach dem Rechten zu sehen. Letztens ist Frauchen mitgefahren und hat Herrchen, der etwas im Haus gearbeitet hat ein Mittagessen bereitet. Frauchen sieht auch schon etwas schlecht und da dürfte, als sie den Mist entsorgt hat und die Tür offen gelassen hat eine Maus ins Haus gehuscht sein. Beim Mittagessen in der Küche hat Frauchen plötzlich aufgeschrien und zu Quietschen begonnen. „Eine Maus, eine Maus, oh Gott!“ Ich weiß nicht warum weibliche Zweibeiner sich derart vor Mäusen fürchten! Das konnte sich Herrchen auch nicht erklären, der die Situation viel ruhiger aufnahm. „Es ist ja nur eine kleine Maus! die tut dir ja nichts!“  „Ja aber   vielleicht ist sie trächtig und sie kann sich ein Nest in den Betten zurecht machen. Dann kannst du alle Kissen und Decken wegwerfen!  Der Felix muss her! Gleich morgen fährst du wieder heraus und nimmst den Kater mit!“ der wird die Maus schon finden und fangen!“

Ich  wusste nichts von meinem Glück, denn ich habe die Begebenheit nur nachträglich aus Gesprächen von Herrchen und Frauchen erfahren.

Igitt igitt! Als ich es mitbekam war ich überhaupt nicht begeistert, das könnt ihr euch denken. Jetzt mitten im Winter meinen geregelten Tagesverlauf zu ändern nur um vielleicht eine Maus zu erwischen? Vielleicht überlegte Herrchen es sich noch. Wir beide hatten ja noch Zeit bis zum nächsten Vormittag.  Im Übrigen: Herrchen verschiebt unangenehme Dinge gern, das weiß ich!

Aber am nächsten Morgen war es klar,  Herrchen machte diesmal ernst!  Und – da stand  außerdem dieser grässliche Gitterkäfig auf dem Tisch, der Transportkäfig! Mit diesem Käfig transportiert mich Herrchen aber nicht nur in die Sommerresidenz, nein! Mit diesem Käfig trägt er mich  auch manches mal - ich weiß nicht warum - zu einer ekelhaften und hinterlistigen Zweibeinerin im weißen Kittel.

Dieses Ungeheuer hat mir, als ich noch ganz jung war, irgendetwas weggeschnitten. Ich weiß nicht was es war. Als ich aus tiefem Schlaf aufwachte ging es mir damals sehr schlecht. Herrchen, Frauchen und Oma waren damals sehr lieb zu mir und fütterten mich mit Leckerbissen, sodass ich alles schnell vergaß. Die Teufelin im weißen Kittel habe ich aber nicht vergessen, denn Herrchen bringt mich leider einmal im Jahr zu ihr. Sie versucht mich dann zu kraulen und säuselt mir etwas sanft ins Ohr aber mich kann sie nicht täuschen! Sofort fahre ich meine Krallen aus und fauche so laut ich kann. Es nützt mir aber nichts, die Hexe sticht mich durch das Gitter hindurch. Für ein paar Stunden danach bin ich sehr beleidigt und will nichts wissen von Herrchen. Ich bin aber nicht nachtragend und, wenn Herrchen mir genügend Leckerlis gibt und mich umschmeichelt verzeihe ich ihm gnädig.

                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                           
                                                                        
Als ich also den Drahtkäfig auf dem Tisch stehen sah gab es kein Halten mehr. Flugs verschwand ich unter dem Bett. Dort in der Mitte kann mich keiner hervorholen. Herrchen weiß das! Da hilft kein Zureden oder Abwarten. Da ist nichts zu machen!

Herrchen musste ohne mich losfahren. ......

Am  späten Nachmittag kommt Herrchen ziemlich müde und abgespannt zurück. Ich verlasse mein Versteck – jetzt droht ja keine Gefahr mehr – und begrüße ihn mit freudigem Miauen. Obwohl Herrchen offensichtlich „geschafft“ ist beugt er sich zu mir herunter und krault mich hinter den Ohren. Ich  erinnere ihn durch ein bestimmtes eindringliches Murren, dass meine Jause fällig ist. Sofort versteht  Herrchen  und holt ein Päckchen Katzenfutter aus dem Kühlschrank. Es läutet und ich verdrücke mich sicherheitshalber aber es ist Frauchen meine Kammerzofe, die mein Fell so gut und gründlich bürstet.

Sie begrüßt Herrchen und fragt dann:“ Na, hat Felix die Maus gefangen?“ Felix nicht aber ich!“ sagt Herrchen und erzählt die ganze Geschichte meiner Flucht. „ Ich habe  der Maus, als ich gesehen habe, dass sie hinter dem Wohnzimmerschrank verschwunden ist aufgelauert. Das hat Stunden gedauert und ich bin nicht einmal zum Essen gekommen. Letztendlich ist sie hinter dem Schrank hervor gehuscht, ich habe blitzschnell die Eingangstüre aufgemacht und sie mit dem Besen hinausgetrieben!“ Erschöpft aber zufrieden berichtet Herrchen.

„Der Kater ist für die Katz!“ Sagt Frauchen nochmals und blickt mich, wie gesagt geringschätzig an, ich tu so als würde mir das nichts ausmachen und putze mich. Aber es trifft mich schon! Wahrscheinlich entfällt heute das angenehme Bürsten.

Frauchen geht in die Küche und bereitet Essen für das arme, hungrige Herrchen vor. Ich muss sie versöhnen! denke ich. Schließlich ist es sehr schwer gutes Personal zu bekommen. Schnurrend und schmeichelnd streiche ich um Frauchens Füße. Meine Beharrlichkeit hat Erfolg!

„Na du fauler Drückeberger!“ sagt Frauchen schließlich, beugt sich zu mir, streichelt mich und alles ist wieder gut!

Bin ich nicht ein glücklicher Kater Felix?