Immer das Falsche!



Meine Freundin Traudi hat ein Problem. Ganz egal wie viele Möglichkeiten sie hat sie sucht sich immer die falsche oder die verkehrte Möglichkeit aus. Morgens hat sie  es – so wie wir alle – immer eilig. Sie zieht sich das T-shirt oder den Pulli garantiert verkehrt über. Das hat zur Folge, dass das Etikett sie den ganzen Tag an der Kehle reibt und unangenehm ist. Abends wenn sie sich auszieht bemerkt sie, dass sie am Hals einen, vom Etikett rot geriebenen Fleck hat, der etwas brennt.
Am nächsten Tag zieht sie ein T-Shirt an, das einen Rückenausschnitt hätte. Sie aber wählt die verkehrte Seite, sodass der Ausschnitt nunmehr den roten Fleck von gestern prominent zur Schau stellt. Die Kollegen grinsen hämisch! Hätten sie nicht gedacht, dass eine Frau im mittleren – eher schon ins ältere Alter gleitend – einen Zutzelfleck aufweist. Ein paar Bemerkungen diesbezüglich sind nicht zu vermeiden und Traudi - rot im Gesicht - bemüht sich die Sache klar zu stellen.
Wenn Traudi shopping geht sucht sie sich unweigerlich die Hose mit der falschen Farbe aus. Im Geschäft hat sie fest geglaubt, dass das grün der Hose zu ihren roten, pink usw. – T-shirts passt. Aber sie passt mit nichten!
Sie spendet einer Tierschutz-Organisation, die ihr per Post herzzerreißende Bilder von gequälten Tieren schickt und, damit es gleich richtig ist erteilt sie der Bank einen Dauerauftrag. Nach einiger Zeit erfährt sie aus den Medien, dass diese Organisation nur am Papier besteht und dass Gauner und Betrüger am Werk sind.
Traudi fährt gerne ans Meer und bucht aus den vielen viel versprechenden Angeboten zielsicher das falsche Angebot. Aus ihrem Fenster hat sie die Aussicht auf eine graue Feuermauer, das Meer und der Strand sind dreckig – ebenso der Swiming-pool.  Das pauschalierte Essen ist ein Fraß, am Schlimmsten der Kaffee – Abwaschwasser! Und weit und breit keine Espressobar, denn das Hotel liegt in der Pampa.
Natürlich sucht sie sich immer wieder den falschen Mann aus. Er braucht ihr nur vorzusäuseln, dass er Musik so wahnsinnig liebt und auch sonst jede Art von Kunst und – schon ist sie dahin! Spätestens nach einem halben Jahr wird ihr klar, dass sie der Typ nur ausgenützt hat, in ihrer Wohnung herumgelungert ist und sich zig Flaschen Bier eingezogen hat. Mit Müh und Not bringt sie den Kerl wieder aus der Wohnung aber – da kommt schon der nächste Kandidat!
Sie werden sagen: geschieht der Frau ganz recht! Warum ist sie so fahrig und oberflächlich? Und warum hinterfragt sie nicht ihre Entscheidungen?
Vom sachlichen und pragmatischen Standpunkt aus haben Sie vollkommen recht! Aber – ich habe noch eine andere Freundin, die Betty. Die hat es morgens genauso eilig und sie ist genauso schusselig aber sie zieht sich immer richtig an. Sie tätigt ebenso spontane Einkäufe wie Traudi aber sie kauft immer das Richtige und preiswert obendrein. Sie verbringt immer wunderbare Urlaube am Meer, in schönen Hotels mit gutem Essen und gutem Ambiene und, sie sucht sich immer den richtigen tollen Typ aus, der sie anbetet und den sie ausnützt. Wenn Traudi instinktiv in die Scheiße greift liegt Betty instinktiv Gold richtig! 

Gibt es vom Schicksal vorprogrammierte permanente Missgriffe und ebensolche Glückstreffer? Warum macht der eine immer das Falsche und der andere, der nicht schöner, nicht charmanter und schon gar nicht  klüger ist immer das Richtige? Ich weiß keine Antwort, wissen Sie eine?