Eifersüchtig auf UTE!


 „Die Susi ist leider gestorben!“ sagt Hilmar wehmütig und ein wenig traurig. Susi, das ist kein Mädchen oder eine Dame, die wir gut kennen und die plötzlich verschieden ist. Nein! Susi ist die sanfte Stimme unseres Navigerätes, die uns ungefähr zehn Jahre bei allen unseren Reisen begleitet hat und uns sanft und  souverän durch das Straßengewirr von Paris, Berlin und vielen anderen Metropolen bis zu unseren jeweiligen Hotels geführt hat. Aber auch zu Zielen in Österreich, die entlegen waren  hat uns „Susi“ den Weg gewiesen. Ihr Meisterstück war als sie uns sicher in ein Dorf mit fünf Häusern am Fuße der Pyrenäen, das in keiner Landkarte verzeichnet war geleitet hat.    

Die sanfte weibliche
Navi-Stimme, die wir aus den vielen Angeboten ausgewählt hatten weil sie uns so gut gefiel stellte sich zu Beginn ihres Programmes mit „Susi“ vor und so nannten wir den Satellitenempfänger „Susi“ Aber, wie gesagt; unsere Susi war tot! (Sollbruchstelle?)

Nachdem wir uns eine Woche lang im Internet wegen eines neuen
Navigerätes  schlau gemacht hatten (Qualität, Zuverlässigkeit, Erfahrungen anderer Benützer, Preis etc), entscheiden wir uns für ein, für uns geeignetes Gerät und machen spontan eine Spritztour auf den Kahlenberg um unser neues Navi auszuprobieren.

Die neue weibliche
Navi-Stimme ist ganz anders als die unserer verblichenen Susi. Sie klingt eher dunkel, forsch und hat unverkennbar eine norddeutsche Färbung. Sie sagt die Straßennamen, Kreuzungen mit den entsprechenden Namen und vieles mehr  an. Da sie das Österreichische nicht perfekt beherrscht mutet die Aussprache der Namen etwas drollig an.

„Wie gefällt dir unsere neue Susi? “ fragt Hilmar. „Susi? Nein Susi nicht! Das ist Ute!“ der Name ist mir spontan eingefallen. „Also gut, Ute!“ sagt Hilmar

Nun sind wir schon eine Weile mit Ute unterwegs. Sie führt uns zuverlässig zu den angegebenen Zielen und informiert uns außerdem über wichtige Örtlichkeiten auf unserer Wegstrecke. Hilmar ist immer ganz Ohr wenn Ute ihn den Weg weist und ihn über verschiedenes  informiert.

„Du hör mal! Ich wollte dich da etwas fragen!“ Setze ich zu sprechen an. „Warte! Ich muss jetzt aufpassen, Ute sagt gerade etwas!“ kommt es zurück.
Anderntags will ich etwas dringendes mit meinem Partner besprechen. Es muss gleich sein, sonst vergesse ich es und es ist wichtig! „Jetzt nicht, Ute sagt mir gerade die nächste Abbiegung an!“

Eine Weile mache ich gute Miene zum bösen Spiel aber dann reicht es mir und ich explodiere. „ Ich habe genug von der Quatschtante! Sie redet ja ununterbrochen und man kann kein privates Gespräch führen immer mischt sie sich ein. Das ist Störung der Privatsphäre! Das lasse ich mir nicht länger gefallen!“ Ute informiert uns gerade über die nächstgelegene Hundeschuranstalt und teilt uns mit, dass sich in fünfzig Metern Entfernung ein In-Lokal befindet, das hauptsächlich Wildspezialitäten anbietet. „Gibt es nicht noch eine andere Stimme in diesem Gerät?“ Hilmar versteht meine Erregung nicht und teilt mir mit, dass es bei diesem
Navigerätes  nur eine weibliche und eine männliche Stimme zum Aussuchen gibt. „Dann  lade eben die männliche Stimme herunter!“ ersuche ich ihn etwas unwirsch.

Der männliche
Navi-Sprecher redet zwar auch viel aber die Stimme gehört sicher einem jungen, smarten Mann, Typ George Clooney und ich finde sie sexy.

Eine Woche fahren wir mit George Clooney aber jetzt ist es Hilmar, der aufbegehrt. „Ich habe es satt mir von diesem jungen Schnösel Marke Bodybilder vorschreiben zu lassen wie ich fahren soll. Ich will wieder Ute haben!“
„Na, wenns  nicht anders geht!“ sage ich spitz. Da kommt doch der „Macho“ zum Vorschein, denke ich.

Bis zum Semmering sage ich kein Wort während Hilmar Utes Stimme andächtig lauscht.

„Bist du vielleicht eifersüchtig auf Ute?“ Hilmar schaut mich belustigt von der Seite an. „Du spinnst ja! Eifersüchtig auf eine
Navi-Stimme?“ sage ich empört. Aber vielleicht ist im Innersten doch etwas dran! gestehe ich mir ein. Bin ich vielleicht ein Fall für den Psychiater?

Hilmar hat sich durchgesetzt! Tag aus Tag ein beglückt uns Utes Stimme und so führen wir eine „menage a trois“ im Auto.