„Opernball“
Übertragung mit Störungen


Heute findet in Wien der Opernball statt. Das ist der Höhepunkt des Wiener Faschings. Er ist auch der offizielle Ball der Republik Österreich. Außer den gerade in der Regierung befindlichen Spitzenpolitikern wie Bundespräsident, Bundeskanzler und diverse Minister steigen die Feststiege auch die Prominenz aus Wirtschaft und Industrie mit internationalen Gästen sowie natürlich der Direktor der Staatsoper samt den Sängern und anderen Musik betreibenden Größen empor.

Natürlich darf die internationale  und heimische Schickeria nicht fehlen. Ein, mittlerweile schon zum Opernball-Inventar gehöriger umtriebiger Baumeister lädt jedes Jahr mehr oder minder interessante Persönlichkeiten ein. Meistens sind es zickige Society-Tussis. Heuer aber ist eine sehr gute Holywood-Schauspielerin sein Gast.

Ich möchte, so wie jedes Jahr die Übertragung des Fernsehens sehen. Warum? Mir gefällt die immer sehr feierliche Eröffnung mit Ballett usw. Auch die meist geschmackvollen Ballroben sowie der Tratsch und Klatsch am Opernball interessiert mich irgendwie.

Wie jedes Jahr habe ich belegte Brötchen, meine Spezialität gemacht und eine Flasche Sekt steht im Kühler bereit. Ich warte auf die Übertragung.  

„Ich habe einen neuen Receiver mit Festplatte gekauft. Tolle Sache sage ich dir! Jede Menge Speicherplatz! Ich muss aber einen Suchlauf machen und die Sender neu ordnen. Das kann leider bis zu einer Stunde dauern!“ Teilt mir Hilmar mein Freund und Lebenspartner mit. „Aber bitte nicht jetzt! Gleich beginnt die Übertragung des Opernballes!“ sage ich.

„Ach so!“ Hilmar ist sichtlich frustriert. Er war schon ganz gierig darauf das neue „Gerätl“ anzuschließen, einzustellen etc. Er hat mir schon gestern erzählt was der neue Receiver alles kann, womit er verbunden ist, sogar über Blue Tooth mit dem Computer und was weiß ich. Ich muss zugeben, dass mich das Ganze nicht interessiert, konnte seine Begeisterung nicht teilen und habe daher nur halb oder gar nicht zugehört.

Nun ist die Übertragung voll im Gange. Feierlich schreiten die Debütanten und Debütantinnen in den riesigen, in einen Ballsaal umfunktionierten Opernparterre.

Dass die Ballkarten und das ganze Drum und Dran sehr kostenintensiv sind und sich den Auftritt nur Kinder betuchter Leute leisten können das verdränge ich jetzt. (Schließlich werden angeblich lukrative Geschäfte angebahnt und das ist wieder gut für die Wirtschaft!) Ich lasse einfach den Glanz, den Blumenschmuck und allgemein: das Schöne und Harmonische auf mich wirken.

Nun kommt das Staatsopernballett mit einer, wie fast jedes Jahr fulminanten Choreografie zum Einsatz.

„Nur ganz kurz!“ sagt Hilmar und schaltet zu einem anderen Sender, warum auch immer. Da wird gerade von einem launigen Koch ein kompliziertes Rindfleisch Gericht zubereitet. „Schalte doch wieder zum Opernball!“ sage ich etwas ungehalten. Hilmar schaltet wieder zum Opernball. Inzwischen ist zu meinem Ärger das Ballett vorbei. Nun Kommt mein Lieblings-Tenor. Er singt nicht nur wunderbar, er ist auch ein sogenannter „Feschak“ und ich bin ganz Ohr und lausche der Arie.

„Nur einen kleinen Augenblick! Ich muss da was anstecken!“ Himar schaltet auf einen anderen Sender, warum auch immer. Diesmal ist ein Fußballmatch im Gange.

Herrjeh, ist das möglich? Rapid gegen Salzburg! Es steht zwei zu Null für die Salzburger! Unglaublich“ „Schalte wieder zurück !“ mein Ton wird etwas schärfer und ohne „bitte“.“ Mach ich!“ Mein Lieblingssänger ist gerade dabei, die Arie zu beenden. Tosender Applaus folgt. Ich ärgere mich, sage  aber nichts. Jetzt kommt das Kommando: „Alles Walzer“! Die Debütanten tanzen wunderbar Linkswalzer. Die jungen Damen mit ihren funkelnden Strasskrönchen sehen wunderschön aus. Nun mischen sich die übrigen Walzertänzer dazwischen und tun ihr bestes.

Aber nicht mehr lange, denn es kommt von Hilmar wieder: „Entschuldige, das klappt nicht so ganz! Ich muss nochmals umstecken!“ und Hilmar macht sich an seinem Kabelsalat zu schaffen. Diesmal hat er einen deutschen Sender erwischt. Irgendeine Diskussion ist im Gange. Ich glaube es geht um die bessere Verwaltung und Reinigung der öffentlichen Toiletten. „Ja, das funktioniert so!“ sagt Hilmar und schaltet wieder auf Opernball. Jetzt interviewen die Moderatoren gerade einige Ballschönheiten, Tratsch und Klatsch ist auch angesagt und ich möchte gerade meinen Kommentar zu dem einen oder anderen Interview geben da! Wieder! Hilmar ist nicht ganz zufrieden mit dem An- und Umstecken und schaltet auf „Rapid gegen Salzburg“. „Na endlich ! War aber auch schon fällig!“ Rapid hat ein Tor geschossen. Die Umsteckerei der diversen Kabel dauert etwas lang und ich habe das Gefühl Hilmar blickt vor allem auf den Bildschirm. „Gott sei dank! Der Ausgleich! Jetzt „zarts“ an Burschen!“ Ich blicke Himar nur giftig an und er weiß, er muss wieder umschalten, zum Opernball.

Was soll ich sagen! Im laufe des Abends wird aus technischen Gründen und um den Empfang zu testen zig mal gezappt. Es erscheint der Koch mit einem anderen Gericht, die Toilettendiskussion und vor allem „Rapid gegen Salzburg!“

„Tor, Tor Tor! Drei zu zwei! Ich hab`s gewusst! Rapid siegt, siegt siegt! „Hilmar ist begeistert, klopft sich auf die Schenkel, hüpft auf dem Sofa, das bedenklich wackelt, „frisst“ voller Begeisterung die letzten Brötchen auf und trinkt die Flasche Sekt leer.

Wutschnaubend springe ich auf, gehe ins Vorzimmer und ziehe mir den Mantel an. „Ich gehe an die frische Luft, sonst geschieht ein Mord!“ zische ich zwischen den gefletschten Zähnen hervor.

„Du bist manchmal schon sehr launenhaft! Ich opfere mich und schaue mir mit dir den blöden Opernball an und das ist jetzt auch wieder nicht recht! Hilmar ist gekränkt.