Der Sub-Sub Agent des Super CIA-Agenten


Darf ich mich vorstellen? Und damit Sie sich ein Bild von mir machen!
Es ist jetzt fünf Monate her - ich saß gerade bei einem Krügel Bier in meiner Stammkneipe. Wie immer und trotz des gesetzlichen Rauchverbotes schwebten dicke Rauchwolken durch das chronisch geselchte Lokal und man konnte durch den Rauch die an der Bar Sitzenden nicht unterscheiden. Also, wie gesagt: ich saß bei meinem Bier und sinniere, da setzte sich auf den Nebenhocker ein Typ, den ich noch nie hier gesehen hatte. Ganz in schwarz gekleidet, mit schwarzer Basketball-Mütze tief ins Gesicht gezogen. Er zog sein Whisky-Glas zu sich. Whisky wird in dieser Kaschemme kaum konsumiert.

„I need you!“ sagte er und bohrte seinen spitzen Zeigefinger in meine Brustrippen.

„Wieso?“ Sagte ich etwas dämlich und erschrocken. Der spitze Zeigefinger bohrte weiter in mein Brustbein. Irgend ein Psychopath! dachte ich und drückte seinen Zeigefinger weg.

„No, really! Ich brauche dich!“ sagte der Kerl jetzt auf deutsch mit amerikanischem Akzent. „ I offer  you a very good job!  Lets go to the table over there!“ jetzt wieder englisch.

Der Typ erklärte mir, dass er der Sub-Agent eines Super CIA-Agenten sei. Name des Agenten ist natürlich streng geheim. Er ist  sein Sub-Agent für ganz Österreich und er sucht seinen Sub-Sub-Agenten für Wien. Er wusste alles über mich! Kein Wunder, Google is watching you! Er wusste auch, dass ich Spezialist für Verschlüsselungstechnik bin, dass mein Unternehmen den Standort gewechselt hat und zwar nach Bumbay und dass ich aus diesem Grunde abgebaut wurde und derzeit arbeitslos bin.

Ich muss doch ein wenig ausholen: Ja, tatsächlich! Ich wurde von einem Tag auf den anderen auf die Straße gesetzt. „Hire and fire“, amerikanischer Import! Das war auch der Grund warum ich an der Bar saß und über unsere Zukunft sinnierte. Über uns das heißt über uns Betroffene, meine Frau Flora und mich und über die Zukunft unserer mit Kredit finanzierten Eigentumswohnung. Auch natürlich über die derzeit nicht mögliche Familiengründung.



Flora, meine liebe Frau ist die Frohnatur und der geballte Optimismus in Person. Sie liebt – nomen est omen -  Pflanzen und Blumen und Kinder. Sie ist Volksschul-Lehrerin mit Herz und Seele und mit vollem Einsatz und, natürlich wünschte sie sich möglichst bald ein eigenes Kind.

Als ich ihr von meiner Kündigung erzählte sagte sie nur:“ Mach dir keine Sorgen Schatz! Du wirst schon bald wieder etwas finden! Bei deiner Genialität! Außerdem, ich verdiene doch auch etwas!“

Ich fühlte mich natürlich geschmeichelt, dass sie von meiner Genialität überzeugt war. Ich weiß natürlich, dass von Genialität bei mir keine Rede ist, sagte aber nichts. Wie wir aber die monatlichen Raten für die Eigentumswohnung zurückzahlen sollten darüber hatte Flora sich keine Gedanken gemacht, aber ich!

Also zurück zur Bar und zurück zu dem Typen! Kurz und gut! Er schlug mir vor alle Handy-Telefonate in ganz Wien zu überwachen. Wenn verdächtige Äußerungen aus denen man terroristische Bedrohungen schließen könnte, verdächtige Worte wie zum Beispiel: Terror, Dschihad, IS etc. zu hören wären sollte ich sofort eine Meldung an ihn, den Sub-Agenten machen. Natürlich mit Hilfe von speziellen Verschlüsselungs-Computern, die auf den  neuesten Stand der Kryptologie programmiert sind.

„Das ist doch Spionage und nicht mit den Menschenrechten zu vereinbaren !“ Warf ich ein. Der Typ machte nur eine wegwerfende Bewegung.“Human rights? Who cares? CIA never cared!“

Da hatte er allerdings recht. CIA und die USA im allgemeinen hatte sich doch beim Spionieren nie um Privatsphäre gekümmert. Ich schläferte mein Gewissen als aufrechter Staatsbürger ein, dachte an die mehr als großzügige Gage, dachte auch an die Bezahlung der Raten für die Wohnung und willigte in das Geschäft ein. Schaun`wir fürs erste einmal!

Schon Tags darauf parkte vor meinem Wohnhaus  ein schwarzer Van. Zwei ebenfalls schwarz gekleideten Männer mit schwarzer Schirmkappe läuteten bei mir. Sie schleppten jede Menge Kabel und Computer in mein Hobbyzimmer, das später einmal ein Kinderzimmer werden sollte. Meine liebe Frau Flora war in der Schule. Das war mir sehr recht denn so ersparte ich mir eine Erklärung. Flugs verstärkten die beiden Typen meine Leitung und installierten ebenso rasch vier Spionage-Computer mit etlichen Lämpchen bzw. Ampeln.



Die beiden Männer waren äußerst wortkarg, denn als sie in ca. ein ein halb Stunden mit der Installation der Geräte fertig waren und ich sie fragte wie das Zeug zu handhaben sei sagten sie nur:“look at the instruction in internet!“ und verschwanden so diskret wie sie gekommen waren.

Die Bedienung der Knöpfe war tatsächlich äußerst simpel. Es gab, wie bei einer Verkehrsampel drei Ampeln. Grün war für harmlos, gelb für möglicherweise suspekt und rot natürlich für suspekt. Dann gab es noch eine dunkelrote, große Ampel. Wenn diese aufleuchtete war höchste Terrorgefahr im Verzug und die Meldung an den Sub-Agenten erfolgte automatisch.

Übrigens: der Deckname meines CIA-Subagenten ist „piggy bank“ also Sparschwein und meiner ist – warum auch immer – „wart hog“ also Warzenschwein. Dies teilte mir piggy bank in einem verschlüsselten Mail mit. Auch sollte ich ihn nur im äußersten Fall kontaktieren. Piggy bank würde sich bei Bedarf immer von sich aus melden.

Ich befürchtete meine Frau würde entsetzt sein, wenn sie von der Schule nach Hause kommen und die vielen Computer samt Kabelsalat sehen würde. Aber meine Angst war unbegründet.

„Ach! Du bist gerade dabei ein ganz knack sicheres Verschlüsselungssystem zu entwickeln. Wie gut dass du jetzt, da du keinen Job hast Zeit dafür hast. Also wenn du die Sache entwickelt und zum Patent angemeldet hast werden wir genug Geld haben um uns ein Häuschen mit Garten, Hund und eins, zwei, sogar drei Kinder leisten zu können. Schatz Ich wusste ja immer! du bist ein Genie!“ und schon verschwand meine liebliche Flora mit strahlenden Augen im Abstellkammerl, das ich ihr als kleines Büro zum Verbessern der Schulhefte eingerichtet hatte.

Ich setzte die Kopfhörer auf und war zum Donner gerührt! Meine armen Ohren wurden aus dem Äther mit Millionen von Gesprächen zugedröhnt. Anfangs wollte ich sofort meine Mission zurücklegen und das dem verdammten“piggy bank“ mitteilen. Dann aber kam ich dahinter, dass es nicht nötig war, die Kopfhörer anzulassen. Die diversen Computer mit den Kontrolllämpchen prüften vorab die Gespräche und erledigten weitgehend meine Arbeit. Meistens leuchteten die Lämpchen grün, das hieß keine Terrorgefahr. Nur wenn die gelben Lämpchen flackerten musste ich mich kurz einschalten und irgend ein verdächtiges Gespräch mithören.


Meistens war das Geplapper harmlos und ich konnte auf die grüne Ampel zurückschalten.

Es stellte sich heraus, dass die meisten  verdächtigen Handy-Gespräche zwischen 18 Uhr und Mitternacht geführt wurden. Ich entwickelte eine App die ich auf meinen Smart-Phone installierte, sodass ich, wenn ich nicht zu hause war  eventuelle Terrorwarnungen durch akustische Signale  mitbekam.

Ich konnte also ein oder zwei Stunden getrost am Wochenende mit Flora spazieren gehen, Eis essen etc. Dass mein Smart-Phone  ab und zu tiefe oder höhere Töne von sich gab war sie schon gewöhnt. Ja ich richtete mich so ein, dass ich sogar nebenbei an meiner Doktorarbeit schreiben konnte.

Zugegeben: unsere sozialen Kontakte wurden durch meine Terror-Spionage-Tätigkeit ziemlich eingeschränkt. Ich vertröstete Flora aber damit, dass meine kryptische „Erfindung“ bald fertig sein würde.

Pünktlich alle vierzehn Tage traf eine beträchtliche Summe auf meinem Konto ein. Ich konnte also zufrieden sein. 

...Und nun mache ich schon fünf Monate lang diesen Handy-Spionage Job für den Subagenten „piggy bank“ des CIA.

Keine besonderen terroristischen Machenschaften konnte ich feststellen. Wenn das rote Lämpchen blinkt schalte ich mich in das Gespräch ein. Meist sind es Vorwürfe, Streitereien zwischen Eheleuten, Schwiegermüttern etc. die des Terrors etc. beschuldigt werden und ich schalte wieder auf „grün“.

Zweimal allerdings war ich machtlos und konnte die Harmlosigkeit des Gespräches gar nicht festmachen. Einmal rief eine Freundin eine andere mit aufgeregter Stimme an:“Du! Es gibt Bomben im Supermarkt XY. Schwedenbomben!“ Die tiefrote Ampel blinkte und schnarrte  und der Computer gab die Meldung automatisch an „piggy bank“ durch.

In der nächsten Stunde meldeten die Medien Bombenalarm im Supermarkt XY.

Der Supermarkt wurde weiträumig von der VEGA abgesperrt. Bombe wurde natürlich keine gefunden.




Ein anderes Mal, ungefähr um Mitternacht blinkte die tiefrote Ampel und schnarrte aufgeregt: Ich schaltete auf das Gespräch. Zwei Teenies spielten ein blödsinniges IS-Terrorspiel und kommentierten ihre Spielzüge aufgeregt am Handy.

Auch da war ich machtlos!

Am nächsten Tag brachten die Nachrichten, dass nach Mitternacht des vergangenen Tages ein Antiterror-Einsatz in zwei Wohnungen in Ottakring und Hernals stattgefunden hatte und um zwei Uhr ergebnislos abgebrochen wurde.

Heute habe ich eine verschlüsselte Nachricht von „piggy bank „an „wart hog,“ also an Warzenschwein erhalten. Ich möge morgen um 14 Uhr im besagten Pub erscheinen.

Also jetzt schmeißt mich mein Sub-Agent, „piggy bank“ raus. Na wird auch schon Zeit! Ich kann mich nicht beklagen! Ich habe einen schönen Batzen Geld auf der Seite und kann mir in Ruhe eine neue Stellung suchen.

Aber... als ich die Bar betrete sichtet mich „piggy bank“ sofort von der Theke aus, winkt mich strahlend zu sich und schiebt mir einen „Whysky on the rocks“
zu. „Wart hog! You are great! You are a great fellow! You did a great job!“

Na, soviel „great „ ist das möglich?

„Wart hog! you are promoted! Du bist befördert worden.  I must go back to the centre in New York! Now you are appointed as sub-agent for whole Austria. Du bist zum Sub-Agenten für ganz Österreich ernannt worden. Of course you get the double money! Du bekommst den doppelten Gehalt! Congratulations wart hog!“ Und „piggy bank“ haut mir mit seiner Pranke auf den Rücken, sodass ich eingehe!

Und......  was mache ich jetzt? grunz, grunz!