Arrogante Birne


Du warst die schönste Birne auf unserem Birnbaum. Jedes Mal wenn ich durch den Garten ging um zu gießen stach mir deine vollkommene, klassische Birnenfigur ins Auge.

Du wuchst am Ende eines Zweiges und deine schöne – eben vollkommene Birnen-Gestalt war nicht zu übersehen. Deine Schwestern waren alle vor dir reif geworden – nur ein wenig Rütteln des Baumes und viele von ihnen fielen reif und gelb vom Baum. Keine von ihnen war so schön geformt wie du! Die meisten hatten unschöne Wülste und kleine schwarze Flecken – Einstiche von Insekten. Aber dennoch schmeckten sie herrlich. Nur du wolltest nicht reifen und hieltst dich überheblich und resistent mit deinem Stiel am Ast fest. So als wolltest du sagen:“ ich bin die Schönste und ihr anderen könnt mir nicht das Wasser reichen!“

Die Saison der Birnen ging vorbei. Einige Tage war ich nicht im Garten gewesen - es gab noch etliches anderes zu tun. Dann aber ging ich wieder beim nunmehr abgeernteten Birnbaum vorbei und da sah ich dich! Oh Schreck! Deine so vollkommene obere Hälfte war verfault. Vermutlich war einer Wespe deine Schönheit egal gewesen und sie hatte dich angestochen. Dennoch – ich vermute aus Arroganz hingst du fest am Ast.

Nun aber ergriff mich ein gewisser Zorn! Ich riss dich vom Ast und, da nicht viel Verwertbares von dir übrig war – schmiss ich dich – Vollkommenheit hin oder her – auf den Kompost.