USA Reise 2016

Von San Francisco bis New York: 8500 km mit dem Bus

11, u.12. 5.

Anreise über Amsterdam nach San Francisco
Insgesamt 12 Stunden: ca. 3 Stunden Wien Amsterdam und 9 Stunden von Amsterdam nach San Francisco.

12.5. San Francisco

Nach ausgiebigen Ausschlafen in einem alten vornehmen Hotel in San Francisco machen wir vormittags eine Stadtrundfahrt durch San Francisco. Golden Gate Bridge, Fisherman´s Wharf und Union Square. San Francisco ist eine faszinierende Stadt, sehr oft im Nebel des Pazifiks gehüllt und daher eher kühl. 1906 war das große Erdbeben. S.Fr. wurde daher einigermaßen im Schachbrett-Muster wieder aufgebaut. Unter anderem fahren wir an Zeilen viktorianischer Häuser vorbei und natürlich zur Golden Gate- Bridge, Spannweite: 1280 m. Fantastischer Ausblick auf die Stadt. Nachmittags machen wir eine Bootsfahrt entlang und rundherum um den Hafen und sehen auch die ehemalige Gefangeneninsel ALCATRAZ.

Die ersten die die Bucht von San Francisco entdeckten und besetzten waren die Spanier, aber auch Russen von Alaska aus. 1776 wurde San Francisco Missionsstation. 776 000 Menschen (im Großraum 4,4 Mio.). Unzählige Einwanderer aus aller Welt  - vor allem Chinesen aber auch Zuzügler aus anderen Regionen Amerikas leben hier. Chinatown ist die größte chinesische Siedlung Amerikas.

Großer Sprung: In den 80igern war San Francisco Mittelpunkt der Hippies und der Schwulenbewegung.

Nach Stilllegung der Insel Alcatraz als Gefangenenlager reklamierten Indianerstämme die Insel für sich. Der Staat prozessierte gegen die Indianer und gewann.

Am Nob Hill kann man die Paläste der Millionäre, die durch den Bau der Eisenbahn etc. reich geworden sind „bewundern“.
San Francisco ist nach Manhattan das teuerste Pflaster der USA.

Ein Nachtrag zum teuren  und reichen San Fancisco:
Am Vortag nach unserer Ankunft und nach gründlichem Schlaf wollten wir, hungrig wie wir waren etwas essen. Wir wagten aber nicht in eines der Schnell-Imbiss-Stores zu gehen, denn vor den Eingängen von Mc. Donalds & Co lungerten schwarze junge Leute herum, die offensichtlich Drogen konsumiert hatten.

Keiner von ihnen belästigte uns in irgendeiner Weise aber wir empfanden die Situation etwas bedrohlich und gingen diesen Abend hungrig zu Bett.

Am nächsten Tag während der Stadtrundfahrt fragten einige Gäste die
Fremdenführerin wegen  der finsteren Gestalten (Auch ihnen waren die herum stehenden Leute aufgefallen).  Sie wurde plötzlich ernst und sagte uns, dass die Leute, meist junge Schwarze während der Krise 2008 ihren Job, ihre Wohnung, wahrscheinlich ihren Partner verloren haben und nun auf der Straße sind und auf die Wohltätigkeit der diversen Kirchen und karitativen Institutionen angewiesen sind. Der Staat Kalifornien tut nichts für sie.

Da lobe ich mir doch unser Sozialsystem und unser Land. Wir werden in Zukunft nicht gleich raunzen und kritisieren wenn etwas nicht nach unserem Sinn läuft.

13.5. Monterrey/Carmel und Santa Maria an der kalifornischen Küste

Monterrey ist berühmt für die Sardinen-Fabriken und auch für den Autor John Steinbeck, Cannery Row,  einer seiner Romane (die Straße der Ölsardinen). Heute gibt es keine Sardinen-Fabriken, denn es gibt wegen der Überfischung keine Sardinen und das kleine Städtchen ist ein riesen Touristenort geworden.

Überhaupt: Es ist erstaunlich, wie die Amerikaner auch aus der unerfreulichen kommerziellen und auch sozialen Situation dieser Stadt (schließlich haben ja viele Fabriks-Arbeiter ihren Job verloren) Kapital schlagen und den Ort Monterrey in einen florierenden Fremdenverkehrsort verwandelt haben.

Dieser Umstand wird uns auch in Memphis Tennessee (Attentat auf Martin Luther King) und in Dallas (Attentat auf J.F. Kennedy) auffallen.

Mir fällt kein Ort des Schreckens in Europa ein, der derart touristisch vermarktet wird wie dunklen Ereignisse der amerikanischen Geschichte. (Vielleicht das KZ- Auschwitz. Aber dieser schreckliche Ort ist eher als Mahnmal zu verstehen).

Wir besuchen um teures Geld das Aquarium, das und als Attraktion empfohlen wurde sind aber enttäuscht. Das Programm ist eher Disney-artig konzipiert.

Wir fahren weiter entlang der Küste und halten an besonderen Aussichtspunkten. Nach Carmel fahren wir wieder am Camino Real entlang. Weite Felder mit Wein und Gemüse und in gewissen Abständen die alten  Pilgerglocken.

Das Hotel in Santa Maria ist ein bekanntes altes Hotel indem viele Celebrities abgestiegen sind. Die Liste der Berühmtheiten ist ziemlich lang: John Wayne, Marilyn Monroe etc. Wir essen zu Abend gegenüber dem Hotel in einem chinesischen Restaurant.
Mit Wehmut werden wir während unserer Reise an dieses chinesische Restaurant zurückdenken, denn in Zukunft hatten wir – da unsere Hotels meist in der „Pampas“ lagen nur die Wahl zwischen Mc Donalds und Burger-King.
Die da angebotene Kost war in beiden Lokalitäten kaum genießbar...

14.5. Santa Barbara, Los Angeles

Zunächst fahren wir bei einer ehemaligen Mission vorbei, San Antonio, die heute noch immer von Mönchen betrieben wird. Man hat eine Vorstellung der damaligen Missionen, die es in der Gegend gab.

Santa Barbara ist eine kleine nette Stadt, nicht ganz billig. Wir hören von unserem Guide, dass sich nur reiche Leute die schicken Bungalows leisten können. Auch eine Universität hat Sta. Barbara, die ein wichtiger Arbeitgeber für die arbeitenden Einwohner ist. Rund herum gibt es Schutzgebiete. Tiere: Braunbären, die sehr scheu sind und auch Hirsche.

Los Angeles:

Auch eine Missionsgründung der Spanier. 1850 explodierte die Mission durch den Goldrausch. Heute ist Los Angeles die zweitgrößte Stadt der USA. Eine sehr reiche Stadt. Wurde 1876 durch die South Pacific Railway erschlossen. Auch Besiedlung durch Chinesen, die Wäschereien, Restaurants etc... betrieben.

Seit 1923 kommt 45% der Ölproduktion der Welt aus diesem Gebiet. Auch von Hollywood und allem Drum und Dran lebt Los Angeles sehr gut. 1000 Theater-Produktionen, Galerien und ein wichtiger Containerhafen trägt zum Wohlstand bei. Wir fahren an Beverly Hills und den teuren Wohnsitzen der Stars vorbei. Das Haus mit der Fahne war der zeitweilige Wohnsitz von Marilyn Monroe.

Bei Hollywood, Sunset strip etc. fällt mir das Lied: „It never rains in Southern California“ ein. Dieses Lied erzählt vom Traum eines Jugendlichen und von  seinem Scheitern. Erfolg und Scheitern sind natürlich auch heute rund um Hollywood eng beisammen!

Das Hotel ist in Pasadena, einer bedeutenden Universitätsstadt. Aber rund herum gibt es nichts zu essen! Doch wir haben vorgesorgt und uns im alten mexikanischen „Los Angeles“, das noch seinen mexikanischen Charakter bewahrt hat mit Germkuchen eingedeckt.

15. - 16. 5. Las Vegas

Zunächst fahren wir durch die Mojave Wüste, ein sehr trockenes Wüstengebiet, das für uns Mitteleuropäer sehr reizvoll ist, denken wir doch – so wie anschließend in Arizona - an die Kulissen für diverse Wild-West Filme.

Wie gesagt: eine sehr trockene heiße Gegend bewohnt von Klapperschlangen, Coyoten und Skorpionen. Da diese Tierchen nicht unbedingt friedlich sind ist es angebracht bei jedem Schritt aufzupassen wohin man steigt. Einige Male machen wir halt um die Gegend auf uns wirken zu lassen. Besonders fällt uns ein Kactus ähnlicher Baum auf, der uns seine Zweige wie ausgebreitete Arme entgegen streckt. Die Mormonen, die als erste Siedler durch diese Gegend zogen nannten den Strauch Joshua-Baum.

Unser Bus muss aufgetankt werden und so halten wir ca. 2 Stunden in einem Outlet-Center in Barstow. Hilmar und ich finden nichts besonderes dort und sind froh die Reise wieder fortzusetzen.

Vielleicht eine kurze Zusammenfassung der Besiedlung des Westens:

Go-West war das Schlagwort für Trapper, Fallensteller und Siedler. Der Goldrausch in Kalifornien trug vor allem auch zur Besiedlung und damit verbundener Versorgung der Goldsuchenden bei.

8000 km Eisenbahnschienen wurden gebaut, die nach Kalifornien führten. Großinvestoren wie Astor, Rockefeller etc. verdienten ein Vermögen und wurden unermesslich reich.

Vor dem Eisenbahnbau gab es aber schon die Trails der Siedler – vor allem der Mormonen zu den Salzseen von Utah. Viele Goldsuchenden und auch Siedler starben an den Strapazen und an Krankheiten und erreichten nicht ihr Ziel.
Johann August Sutter – ein Schweizer Abenteurer fand angeblich zum ersten Mal Gold. (Verfilmt mit Luis Trenker). Auch gnadenlose Wucherer waren am Werk. So kostete ein Liter Wasser in dieser Zeit 50 Dollar.

Anfänglich waren die Indianer den Ankömmlingen freundlich gesinnt und zeigten ihnen den Weg über die Rocky-Mountains. Als aber die Siedler und Goldgräber anfingen die Bisons abzuschießen begann der Aufstand der Indianer, der blutig niedergeschlagen wurde. Ab 1846 kontrollierte die US-Army das Gebiet.

Am Weg nach Las Vegas sehen wir schon die ersten Spielcasinos. Eines ist besonders witzig, da neben dem glamourösen Casino sich das Gefängnis befindet. Sicher landen dort ab und zu Pleite gegangene Spieler, die renitent wurden.

Wir erreichen Las Vegas, mitten in der Wüste ein Dorado für Spieler. Wenn man zum ersten Mal am Las Vegas Boulevard, den „Strip“ fährt ist man förmlich erschlagen durch die Pracht der diversen Casino-Hotels. Und erst bei Nacht! Ein Zauber aus Wasserspielen und zugleich Feuerfontänen. Lichtspiele und überall Menschentrauben. Es fällt schwer, alle Hotels und ihre Attraktionen zu erwähnen.

Dennoch! Einige der prachtvollsten Hotels: das Cesars Palace, das „Venetian“ im  venezianischem Stil, das „Paris“ samt Eiffel-Turm, das cool-moderne „Planet-Hollywood“ Casino, das „Bellagio“ mit großartiger Wassershow, das „New York-New-York“ mit Freiheitsstatue und das wie eine ägyptische Pyramide erbaute „Luxor“.

So hat man alle Weltwunder, die antiken und die aktuellen auf dem „Strip“ versammelt und die Amerikaner ersparen sich eine teure Europareise.

Auch heiraten kann man express in Las Vegas und natürlich, wenn das Liebesglück verflogen ist, sich scheiden lassen. Zahlreiche „wedding-chapels“ laden dazu ein.

Unsere Gruppe wohnt im „Golden Nugget“ einem der ältesten Hotels in Downtown mit den obligaten Spielhallen, die Tag und Nacht geöffnet sind und meist akustisch von ohrenbetäubender Popmusik durchflutet sind. Hilmar und ich wir nehmen uns ein Taxi und fahren zum „Strip“ um Las Vegas by night zu erleben. Es ist großartig und umwerfend aber nach zwei Stunden sind wir von den diversen Lichtspielen so überreizt, dass wir uns ein Taxi retour nehmen. (Fahrpreis eine Fahrt 25 Dollar + entsprechendem Trinkgeld).

Einer der Taxichauffeure ist Philippine. Er erzählt uns, dass er hier arbeitet um seine Familie auf den Philippinen zu ernähren. Er hat bereits vier Kinder, die ihm Gott geschenkt hat, sagt er. Wir sind natürlich anderer Meinung bezüglich des „Gottesgeschenkes“ sagen es aber natürlich nicht.

Las Vegas ist natürlich auch ein Ort aller menschlichen Laster und Perversitäten (Prostitution etc...).

Die meisten der Gruppe machen am kommenden Tag eine Tour ins Dead Valley. Wir aber, Hilmar und ich wir beschließen einen Tag Ruhe einzulegen und machen es uns am Swimmingpool bequem. Dieser Swimmingpool ist eine tolle Sache: In der Mitte ist ein großes Aquarium eingebaut mit Haien und anderen großen Fischen. Wenn man beim Schwimmen auf die Unterseite blickt sieht man den Rachen und die Zähne der Haifische. Ist zum Glück überhaupt nicht gefährlich aber ein eigenes unbekanntes Gefühl.

Die Sonne brennt unheimlich stark auf uns und unsere Liegen und daher fliehen wir aufs kühle Zimmer auf ein Mittagsschläfchen. Am späten Nachmittag machen wir einen Streifzug durch Downtown, mit den verschiedenen Shows und Lichtspielen. (Elvis Presley Imitator inbegriffen). Abends gehen wir gut und preiswert im Hotelrestaurant und Buffet essen. Der Wein aus Kalifornien ist allerdings sündteuer und so bleibt es bei einem Viertel.

Einige Daten zu Las Vegas:

1905 wurde Las Vegas in der Wüste gegründet und seit Legalisierung des Glücksspieles 1931 lebt Las Vegas sehr gut von den Einnahmen der Casino-Hotels.

Auch den „Trump-Tower“ bekommen wir von weitem zu sehen. Möglicherweise der nächste Präsident der Vereinigten Staaten? Brrr! Gott oder die Amerikaner selbst mögen das verhindern!

17.5. Grand Canyon und weiter nach Flagstaff

Zunächst fahren wir beim Hoover-Damm vorbei, benannt nach Präsident Hoover. Er wurde früher fertig als geplant und versorgt derzeit Las Vegas und auch einen Teil Südkaliforniens mit Strom.

Wir kommen in den Staat Arizona. Ist der sechst-größte Bundesstaat der USA.
Indianerreservate befinden sich auf dem Gebiet von Arizona, vorwiegend Apachen-Stämme (lässt in uns Erinnerungen an Karl Mai aufkommen). Ist ebenfalls ein sehr reicher Staat trotz der unfruchtbaren Steinwüsten und Canyons. Arizona besitzt reiche Kupfervorkommen (CCCC: cotton, coper, cattle, citrus). Durch heiße Sommer und milde Winter ist Arizona ein beliebter Staat für die sogenannten „Zugvögel“. Das sind meist Pensionisten aus dem Norden, die mit ihren Wohnmobilen in den milden Süden ziehen und dort vor allem den Winter verbringen. Ein deutsches Kriegsgefangenenlager befand sich in der Nähe von Phoenix. Vielleicht ist es darauf zurückzuführen, dass 16% der Einwohner deutsch-stämmig sind.

Und nun stehen wir vor einem der Höhepunkte unserer USA-Reise: der Grand Canyon.
1600 m stürzen die roten und ockerfarbenen Steilwände hinab zum Colorado-River, der den Canyon innerhalb der 2 bis 5 Millionen Jahre schuf. Fast 450 km lang ist die Schlucht und bis zu 30 km breit. Das Alter der freigelegten Gesteinsschichten reicht aber bis zu 2 Mrd. Jahre zurück. Der South Rim ist ganzjährig geöffnet und da sind auch die meisten Aussichtspunkte. Also der Grand Canyon ist die größte Schlucht der Welt.

Der Ausblick ist überwältigend! Je nach dem Durchzug der Wolken- Formationen oder auch in unserem Fall durch kurze sonnige Abschnitte verändern sich die Farben von ocker, rot, violett und hellgelb. Fasziniert stehen wir bei den diversen Aussichtspunkten und Hilmar, wie immer, schießt Mengen von Fotos. Auf Warnungs-Tafeln wird ersucht die possierlichen grauen Hörnchen nicht zu füttern. Sie sind nämlich sehr bissig und können Infektionen verursachen. Wir befinden uns 2100 m über dem Meeresspiegel und daher ist die Vegetation entsprechend karg. Wildziegen, Wölfe und vereinzelt auch Wildkatzen finden aber genügend Nahrung.
Leider trübt sich das Wetter etwas ein, es wird kalt und windig. Der Massentourismus – überall auch auf den gefährlichsten Graden krabbeln Touristen haufenweise herum. Nun – auch wir sind Kurzzeittouristen und müssen weiter.

18.5. Petrified-Forest Nationalpark mit versteinerten Fossilien und das Indianerreservat Chinle

Heute geht es in den Petrified-Forrest Nationalpark der eine Fülle von Fossilien birgt und natürlich auch mit seinen, zu Onyx versteinerten Bäumen aus urdenklicher Zeit. Auch das Indianerreservat Chinle werden wir heute erreichen.

Leider ist das Wetter miserabel! Es regnet in Strömen und auch der Wind ist ziemlich heftig und kalt. So bleibt uns leider nur von einem Aussichtspunkt zum nächsten zu fahren. Zum Glück gibt es überall kleine Museen, die uns ausgiebig informieren. Ein paar mal wagen wir uns trotz strömenden Regen hinaus, denn Armin unser Tour-Guide macht uns auf indianische Zeichnungen aufmerksam, die vor Millionen von Jahren in den Felsen geritzt wurden. Sie zeigen vor allem Jagdszenen und Tiere.

Es regnet leider den ganzen Tag in Strömen. Armin sagt, dass die Bevölkerung hier glücklich und erleichtert über den Regen ist – es hat ja über ein halbes Jahr keinen Tropfen geregnet. Aber muss es gerade jetzt regnen? Denken wir Egoisten.

Da das Wetter nicht besser wird fahren wir früher als geplant zum Hotel und stehen dafür am nächsten Tag früher auf um den Chinle Canyon zu besichtigen.

19.5. Navajo und Hopi-Indianer Reservate und weiter auf der Route 66 nach Albuquerque und Santa Fe

Es hat sich gelohnt abzuwarten denn heute ist das herrlichste Wetter und die Sonne taucht die verschiedenen Canyons in undenklich viele Farben. Wir fahren von einem Aussichtspunkt zum nächsten und die Fotografen in der Gruppe – so wie auch Hilmar wissen nicht wohin sie zuerst ihre Linse richten sollen. Die bizarrsten Formen der Felsen kann man sehen und plötzlich! Da steht er vor uns der berühmte „Spider Rock“ und seine kleinere Großmutter, die in der Morgensonne erstrahlen.

Unten am Fuße des Canyons sehen wir Wildpferde, die frei herumlaufen und ein Gefühl der Ruhe und Naturverbundenheit überwältigt uns. Wir möchten noch verweilen aber die Zeit drängt denn es ist noch ein weiter Weg nach Albuquerque und Santa Fe.

Kurz noch über die im Reservat ansässigen Navajos und Hopi:

Innerhalb des Navajo-Reservates befindet sich das kleinere Hopi-Reservat.
Den meisten Indianern geht es gut in den Reservaten (na wenigstens etwas nachdem man ihnen alles Land weggenommen hat). Sie führen ein geruhsames Leben fern von der übrigen amerikanischen Hektik. Sie leben vom Tourismus und fertigen Türkis-Schmuck und andere Kunstgegenstände an, die sie den Touristen verkaufen. In einigen Orten betreiben die Indianer Spielkasinos –  für die sie natürlich die Lizenz haben. Und das bringt ihnen zum Teil erheblichen Wohlstand. Die Spielhöllen sind natürlich für die Weißen da!

Und noch etwas: im ganzen Indianergebiet ist strengstes Alkoholverbot. Das haben sich die Indianer selbst auferlegt, nachdem sie vor langem schon zu der Erkenntnis gelangt sind dass sie keinen Alkohol, auch nicht in kleinen Mengen vertragen. Also im letzten Hotel, das von Indianern betrieben wird war nichts mit einem Bierchen für Hilmar!

Im Bus dösen wir ein bisschen und  fahren ein Stück auf der alten, legendären „Route 66“.

Da stehen verrottete Restaurants, aufgelassene Imbissketten, verlassene Tankstellen, alte Karren, die nur mehr der Rost zusammenhält.

Die Route 66, die von Chicago bis L.A. Führt war seinerzeit ein Pionier-Projekt und an der Route 66 florierte das Geschäft. Durch die große Kapazität und die riesen Trucks wurde die Route 66 zu schmal und man baute die Neue breitere und daher  komfortablere. Mit einem Schlag war es aus mit dem guten Geschäft. Die Leute verließen ihre Häuser, Geschäfte und Restaurants und es entstanden Geisterstädte. Nur ein schlauer Friseur hatte den Einfall aus dem kleinen Ort „Seligman“ eine Touristen-Attraktion auf der  alten Route 66 zu machen. Seine Nachkommen bewirtschaften noch heute etliche Pubs und Andenkengeschäfte. Kein Tourist der auf der alten Route 66 fährt versäumt es in Seligman eine Pause einzulegen und auch wir schwelgen in Nostalgie, essen etwas und schauen uns in dem kleinen Ort um. So hat der pfiffige Friseur, seinen Namen habe ich vergessen – durch diese Idee das Einkommen für sich und seine Familie gesichert.

Heute sehen wir auch zum ersten Mal Scharen von Bikern, meist mit ihren „Harley Davidson“ unterwegs. Was ist der Grund? Sie kommen aus allen Staaten der USA und fahren nach Washington zum Memorial day. So wie alle Amerikaner sind sie große Patrioten, haben immer die US-Fahne und die Fahne ihres Staates auf der Rückseite ihrer Motorräder aufgepflanzt. Einige Herren unserer Gruppe können sich an den Maschinen nicht satt sehen, fragen dies und das und lassen sich vor der Maschine fotografieren. Die Biker sind sichtlich angetan von der Bewunderung ihrer Maschinen und erzählen stolz Details. Die verschiedenen Biker-Konvoys werden uns, da wir ja auch am Weg nach Washington sind immer wieder begegnen und wir werden uns jedes Mal  gegenseitig freundlich grüßen.

Und schon haben wir Albuquerque erreicht. Albuquerque ist die größte Stadt New Mexicos, etwa 905.000 Einwohner und zieht sich mit seinen Vorstädten entlang am Fuß der Sandia-Mountains hin. Albuquerque war ein Handelsposten der Spanier am Rio Grande. Berühmt ist Albuquerque für sein hightech-labor der Airforce space und hat eine bedeutende Universität.

Übrigens: der Bundesstaat New Mexico ist fast so groß wie Deutschland und hat nur 2 Millionen Einwohner. Alamo Gordo ist weltweit als Geburtsstätte des Atomzeitalters bekannt.

Unser letztes Ziel für heute ist Santa Fe.

Zunächst checken wir in unser Hotel ein, das eines der Besten – wenn nicht das Beste der ganzen Reise ist. Anschließend machen wir einen Rundgang in Santa  Fe.

Santa Fe wurde 1609 von den Spaniern gegründet und gilt als die älteste Hauptstadt der USA. Zunächst war Santa Fe Zentrum der spanischen Kolonialmacht. Später wurde die Stadt Handelszentrum am Ende des Santa Fe Trails, das in vielen Westernfilmen vorkommt.

Wir hatten auch Westernfilm Atmosphäre erwartet. Wie erstaunt waren wir als es sich herausstellte, dass Santa Fe eine elegante Kunst-beflissene Stadt mit vielen Galerien, modernen Kunstwerken etc... ist. Nach New York ist Santa Fe das bedeutendste Kunstzentrum der USA.

Charakteristisch sind die im indianisch-mexikanischen Adobestil erbauten Häuser (Lehmziegel-Architektur).

Nach dem Rundgang erwartet uns in unserem Hotel eine angenehme
Überraschung, nämlich: nach 19 Uhr gratis Cocktail und gratis Buffet-Dinner!
Ich lasse mir zweimal einen Sun-shine-Cocktail mit viel Orangensaft Wodka und Eis mixen und Hilmar trinkt als drittes Getränk einen Whisky on the rocks.

Zum Glück haben wir eine gute Unterlage durch das Buffet-Dinner, sodass wir beschwingt und zufrieden in unseren breiten Betten einschlafen.

Übrigens: in jedem Hotelzimmer gibt es zwei große Betten, sodass vier Personen übernachten könnten.

Und...ein paar Worte über unsere Reisegesellschaft: wir sind 31 Personen. Die meisten kommen aus den Bundesländern, sind fast alle weit gereist und daher ziemlich selbständig. Einige Paare haben gemeinsame Interessen und schließen sich zusammen. Auch zwei Junge Paare aus Kärnten und Oberösterreich sind dabei. Es stellt sich heraus das das Kärntner Paar Geschwister sind, die eben mit einander diese Reise machen. Wir beide haben nicht das Bedürfnis uns zum Abendessen irgendwem anzuschließen und das ist in Ordnung so. Eines stört mich allerdings: bei einem Paar sichert sich der Mann Vorteile. (Er muss im Bus vorne sitzen, weil ihm angeblich so schlecht wird). Der gleiche Typ bucht aber einen Flug über den Grand Canyon und das verträgt er, komischerweise. Mein Gerechtigkeitssinn bäumt sich auf, ich ärgere mich leider und am Ende der Reise sage ich ihm auch meine Meinung.

20.5. Weiterfahrt auf der Route 66 nach Texas und Amarillo

Heute  haben wir eine lange Strecke vor uns. Eben „It is a long way to Amarillo“. Wir müssen eine halbe Stunde früher aufstehen, Frühstück, Koffer in den Bus und um halb acht Uhr früh geht es los. Schön langsam gewöhnen wir uns an die Prozedur und sie wird zur Routine.

Habe ich es schon erwähnt?  Eine tolle Chauffeuse chauffiert uns die ganze Reise. Sie ist die Herrin des Busses und wuchtet jeden Tag beim Einsteigen die Koffer in den Kofferraum. Dadurch hat sie die Kontrolle ob alle Koffer im Kofferraum sind. (Es klingt unwahrscheinlich aber sie hat sich von Anfang an gemerkt wie viele Gepäcksstücke im Kofferraum sein müssen).Unsere „Lori“ ist einfach ein Schatz! Immer gut aufgelegt aber - wie schon erwähnt-sie ist die Regentin des Busses.

Die Gegend ist etwas öde und bevor wir einnicken erzählt uns Armin unser Guide etwas über die Transportwege und die Transport-Gesellschaften im 19. Jahrhundert:

Berühmt war unter vielen anderen der sogenannte Pony-Express. Dieses System mit den schnellen kleinen Pferden ermöglichte es, Post – zu meist wichtige Papiere – auf dem schnellsten Wege von Ost nach West zu transportieren und wurde 1858 gegründet. Es wurden Pferde gekauft, 120 Reiter angestellt und Wechselstationen (Relaisstationen) eingerichtet. Ungefähr alle 16 km befand sich eine Relaisstation, wo man gegebenenfalls die Pferde wechseln konnte. Ein Reiter hatte in seiner Satteltasche 30 kg zu transportieren, nebst Wasserflasche, Revolver und Gewehr und legte durchschnittlich 100 km am Tage zurück.
Mit dem Bau der Eisenbahn war es mit dem Pony-Express vorbei. Übrigens: der berühmte Buffalo Bill, der in ganz Europa Wild West Shows veranstaltete war davor ein Kurier des Pony-Express gewesen. Buffalo Bill, der als Show-Direktor zum ersten Mal Indianer in Europa zur Schau stellte und so zur Western-Romantik und Sehnsucht vieler Auswanderungs-Willige beitrug.

Vielleicht an dieser Stelle einige berühmte Namen, die mit der Erschließung des Westens im Guten und im Bösen verbunden sind:

Es ist  eine sehr blutige Geschichte der Eroberung des sogenannten „Wilden Westens“. Die Indianer, die zunächst dem weißen Mann freundlich gesinnt waren mussten erfahren, dass der weiße Mann sich ihr Gebiet um jeden Preis aneignen wollte.  Es begannen grausame und blutige Kämpfe, bei denen die Indianer unterlagen, da sie gegen die Feuerwaffen der Weißen kaum etwas ausrichten konnten.

Einige Häuptlinge der Indianer: Häuptling Cochise, Apachen-Häuptling Crasy Horse, Häuptling der Sioux, Dakota Häuptling Sitting Bull (Schlacht Little Big Horn). Häuptling Jeronimo 1909 gefallen, der sein Volk bis zuletzt verteidigte, Apachen-Häuptling Charles Goodnight, der sehr erfolgreich war.

Und nun vielleicht einige Namen von Pionieren und Erfindern:
Sam Houston 1836 – erster Präsident von Texas ( die Stadt Houston ist nach ihm benannt), Susan Shelley Mc. Goffen – erste weiße Frau die nach Westen zog, Isaak Parker ein sehr gestrenger Richter, BrighamYoung – Mormonenführer, führte die Mormonen nach Utah. Noch viele andere unerschrockene Männer und Frauen wären zu nennen.

Erfinder:
Oliver Winchester, der das Winchester Gewehr erfand, John Stetson – Erfinder des Cowboyhutes, der seinen Namen trägt. Übrigens diese „Stetsons“ gibt es in allen Preisklassen von ganz billig bis ganz teuer. Einige Gäste aus der Gruppe kaufen sich billigere Stetsons, die man leider nicht zusammenfalten kann. Armin unser erfahrener Reiseleiter besitzt einen Stetson, den man total zusammenknüllen kann, der aber, wenn man ihn auseinander faltet seine alte Form hat. Frage nicht, was dieser Hut gekostet hat?
In dieser Art gäbe es noch viele kluge Köpfe zu erwähnen.

Und ehe wir es uns versehen sind wir im „Lone Star State- Texas“ unterwegs.

Die endlosen Prärien breiten sich vor uns aus.“Hier ist alles größer !“ sagen die Texaner und wirklich: die Hüte, die breitschultrigen Farmer, die Autos und die Anfahrwege sind länger, denn die Prärien sind enorm groß. Nach der Entdeckung von Ölvorkommen in Texas ist dieser Staat einer der reichsten Staaten der USA geworden. Unwillkürlich fällt mit der Film „Giganten“ mit Liz Taylor und James Dean ein. Der Lone Star State also der „Staat des einsamen Sternes“ , immerhin zweimal so groß wie Deutschland kocht  im Verband der anderen gern sein eigenes Süppchen. Texas ist tief republikanisch und hier ist das Misstrauen gegenüber Washington besonders groß.

Im Allgemeinen und im besonderen im Westen und Süden ist der US-Amerikaner dem Gesetz ziemlich fern. Er legt es aus nach dem Trial and Error-Prinzip: Ich tu was ich will bis mir einer auf die Nase haut!

Wir fahren vorbei bei einer Weide, die, zum Unterschied von allen anderen eingezäunt ist. Kein bisschen Grün ist auf dieser Weide zu sehen und ein penetranter Gestank nach Rinderkot macht sich im Bus breit. Armin klärt uns auf, dass hier die Mc Donalds-Rinder gezüchtet werden, die vor allem Hormonfutter bekommen. Wir bedauern die „armen Schweine“, sprich: armen Rinder und unsere Abneigung gegen Mc Donalds bestätigt sich und wir nehmen uns vor, wenn geht nicht Mc Donalds zu frequentieren.

Wir erreichen Amarillo:
Noch vor 150 Jahren mussten sich die Siedler und Trapper mit den Comanchen herumschlagen. Heute ist Amarillo (250 000 Einwohner) die wichtigste Stadt des Panhandle (nord-westlicher Teil von Texas, der die Form eines Pfannenstiels hat), Zentrum der Ölindustrie und außerdem sitzt die Stadt auf 90 Prozent des Helium-Vorkommens weltweit. Natürlich  ist Amarillo auch ein Zentrum des Viehhandels.

Hier bekommen wir eine Idee der schier endlosen Ebene – des von Trappern und Siedlern gefürchteten Llano Estacado, wo noch vor 150 Jahren die Komanchen herrschten.

Vor Amarillo machen wir Station beim „Cadillac-Monument“. Ungefähr 10 Cadillacs, die in allen Farben kunstvoll besprüht sind stecken im Boden und sind wirklich eine Attraktion. Der Farmer, dem das Feld gehört und gerade umackert lässt geflissentlich den Weg zu den Cadillacs frei. Einige von uns finden eine noch zu gebrauchende Sprühdose und sprühen mit Mühe und Not „Austria“ auf einen überbunten Cadillac.

Unser Hotel befindet sich tatsächlich in der Prärie. Außer eine „Wiener-Schnitzel-Kette (so heißt sie wirklich und hat eine furchtbare Kritik), und einem Mc Donalds ist scheinbar nichts aufzuspüren. Hilmar findet bei seiner Suche nach Restaurants in der näheren Umgebung dann schließlich doch ein kleines mexikanisches Restaurant. Wir sprechen dort spanisch, bestellen irgendetwas mit Bohnenmus und Eiern auf einem Teller, also typisch mexikanisch und lassen es uns einigermaßen schmecken. In einer Ecke des Restaurants bemerken wir die typischen Figuren für Kindergeburtstage (cumpleanos). Prinzessinen für die Mädchen und Autos für die Knaben. Alle aus Pappmasche  und gefüllt mit Bonbons. Bei den diversen Feiern wird dann auf die Figur mit einem Stock geschlagen und heraus fallen eben jede Mengen von Bonbons. An der Wand hängt ein schon sehr vergilbtes Foto eines Mannes mit einem ungehäuren Schnauzbart. Wir ahnen schon wer der Mann ist fragen aber trotzdem. „Es nuestro liberador: Pancho Villa!“ klärt uns der Wirt auf. Wir möchten noch erforschen was der Mexikaner vom Präsidentschaftskandidaten Trump hält. Der Mann zuckt die Schulter und lächelt gelassen. So wie viele andere lässt er die Sache auf sich zukommen.

21.5. Dallas und Fort Worth

Wir sind unterwegs zunächst nach Fort Worth, der alten Cowboy-Stadt, einstige Verladestation von Rindern. Hier hat man das Gefühl noch im Wilden Westen zu sein.

Die Dallas-Serie -Musik erklingt im Bus und wir wissen, wir sind in Dallas.

Der Ölboom der 1930-iger Jahre hat Dallas und Fort Worth zu finanzkräftigen Metropolen gemacht. Hier gibt es mehr Millionäre als sonst wo in den USA (6,5 Mio. Einwohner). Interessante moderne und teure Architektur sowie dazwischen schöne Jugendstil-Häuser. Ein gewaltiger Wolken-Kratzer-Turm neben dem anderen.

Hier „ riecht“ es förmlich nach Geld, denn auch die Banken sind überall präsent. Hier lässt es sich, wie in der Serie „Dallas“ gezeigt schön Intrigieren. Am besten gefallen mir die Bronze-Skulpturen von 20 bis 30 lebensgroßen Rindern und Cow-Boys, die wir in einem Park (Pioneer Plaza) bewundern können. Der Schöpfer dieser Skulpturen ist wahrlich ein Meister: man kann das Fell der Rinder und die Struktur des Felles förmlich sehen. Ich bin begeistert und streiche immer wieder über die bronzenen Köpfe der Rinder.

Auch die in Bronze gegossenen Cow-Boys mit ihren Winchestern an der Seite und den beweglichen Sporen sind einfach ein phantastisches Meisterwerk. Wer ist dieser geniale Künstler, der dieses Meisterwerk geschaffen hat? Nach längerem Forschen und „guggeln“ bringe ich in Erfahrung: Es ist der Texaner Robert Summers.

Und noch etwas: Präsident John F. Kennedy wurde 1963 in Dallas ermordet. Ein schlichtes, geschmackvolles Denkmal an der Kreuzung Main St./Market St. erinnert daran.  Die Hintergründe des Mordes sind bis heute nicht geklärt oder sollen nicht geklärt werden. Viele Vermutungen gehen dahin, dass die allmächtige Mafia da im Spiel war.

Noch ein Nachtrag zu Dallas: Dallas scheint irgendwie tragische Ereignisse anzuziehen, denn nur zwei Monate nach Ende unserer Reise geschieht wieder in Dallas ein Attentat: Neun Polizisten werden während einer friedlichen Demonstration von einem Heckenschützen ermordet.

Noch etwas Grundsätzliches zu den lockeren Waffengesetzen:
Wir möchten von unserem Guide wissen, wieso  in den USA und ganz besonders in Texas das Tragen von Waffen und der Waffenbesitz im Allgemeinen so großzügig gehandhabt wird. Armin klärt uns auf: das Tragen von Waffen geht natürlich auf die Pionierzeit der USA zurück und ganz besonders auf die Besiedelung des „wilden Westens“. Der war tatsächlich wild! Da gab es die Indianer, denen man das Land mit Waffengewalt wegnahm und die sich wegen dieser Ungerechtigkeit zur Wehr setzten und ihrerseits die Siedler umbrachten. Der US-Amerikaner ist ein freier Mann und hat das Recht sich gegen Feinde und wilde Tiere zu verteidigen.
In Europa ist das System ein anderes: Wir vertrauen, dass der Staat durch seine Gesetze uns als Bürger gegen allfällige Verbrechen verteidigt. Der Amerikaner sieht sich als einzelnes Individuum und muss sich daher, nach seiner Ansicht  selbst verteidigen.

Ausnahmsweise ist unser Hotel nicht weit vom Zentrum entfernt und es existiert ein Shuttle-Service in die Stadt. Wir möchten uns heute ein Steak-Dinner gönnen und etliche Mitreisende schließen sich uns an. Wir werden zu einem Steak-House chauffiert, das moderate Preise hat.

Das Steak ist sehr gut und auch die Beilagen sind in Ordnung. Das Steak wird von  einer Dame serviert, die die Sechzig bereits überschritten hat. Sie nimmt an wir wären wohlhabende Leute und ist sehr erstaunt als sie erfährt, dass wir fast alle Pensionisten sind. Die Amerikaner, die ja bisher keine Pensionsversicherung hatten (heute ist Obama-Care eingeführt) müssen bis ins hohe Alter arbeiten, da sie ja bis dato keine Pension eingezahlt haben. Wieder einmal sind wir froh in einem Land zu wohnen, das eine funktionierende Pensions- und Sozialversicherung hat. Hoffentlich lange noch!

22.5. Hot Springs Nationalpark, Little Rock und Memphis

Heute verlassen wir Texas und fahren in den nächsten Bundesstaat Arkansas
Fläche: 137 732 km², 3 Mill. Einwohner.
Hauptstadt ist Little Rock. Berühmt berüchtigt wurde Little Rock wegen des sogenannten „Little Rock Nine“. Am 24. September 1957 entsandte Präsident Eisenhower 1000 Soldaten eines Luftstützpunktes um neun schwarzen Schülern das Betreten der Schule zu ermöglichen. Dieses Ereignis wurde als „Little Rock Nine“ berühmt.
Wichtig: Bill Clinton ist in Little Rock geboren. Bekannt ist das Clinton Presidential Center in Little Rock.

Bevor wir aber über Little Rock nach Memphis kommen machen wir einen Abstecher ins alte Kurbad „Hot Springs“ Man sieht es dem Städtchen an, dass man  sich hier inmitten von heißen Quellen erholen kann.

Wir werden durch das Kurbad geführt und machen Bekanntschaft mit allen möglichen Kuren über Dampfbäder zu Moorbäder wie wir sie auch bei uns haben. Außerdem bekommen wir einen Einblick in das Leben der Mondänen und Reichen des neunzehnten und beginnenden zwanzigsten Jahrhunderts.

Bemerkenswert und interessant: auch die allgemein bekannten Ganoven Billy the kid und Al Capone waren zur Kur hier. Wahrscheinlich mussten sie sich von  ihren kriminellen Aktivitäten, die ja zum Teil lebensgefährlich waren erholen. Also wieder einmal: Wurscht welcher Gauner zur Kur kommt, Hauptsache die cash stimmt!

1861 begann der Bürgerkrieg zwischen Nord- und Südstaaten und endete 1865.
Nach dem Sieg des Nordens über den Süden wurde formell die Sklaverei abgeschafft. Der Weg nach Memphis Tennessee ist ein langer und so erzählt uns Armin einiges über die diversen Religionsgemeinschaften in den USA und den

Thanksgiving-Day:

Der Thanksgiving-Day wird am vierten Donnerstag im November gefeiert und ist nach Weihnachten das größte Familienfest der Amerikaner. Der Tag erinnert an das erste Erntedankfest der Pilgerväter und wird mit gefülltem Truthahn begangen. Die Sage erzählt: Truthahn-Essen deshalb weil einige Pilgerväter zum Zeitpunkt des Erntedankes einige wilde Truthähne erlegt haben. Zu diesem Termin – nämlich um den vierten Donnerstag im November ist ganz USA auf den Beinen sprich: begibt sich meist per Flugzeug zu ihren angestammten Familien um dieses große Fest gemeinsam zu feiern.

Noch kurz zu Familienfeiern und allgemein zur amerikanischen Familie: Die Familienangehörigen kommen meist vollzählig zu Weihnachten und am Thanksgiving day zusammen. Das sind aber auch die einzigen Termine wo die Familie, Vater, Mutter und erwachsene Kinder einander sehen. Die amerikanischen Familien sind noch wesentlich zersplitterter als unsere in Europa. Die High-school kann ja noch mit Glück im Ort besucht werden in dem die Familie wohnt. Wenn aber der Sprößling auf eine der Unis – oder gar auf eine Elite-Universität wechselt wird es schwierig für die Familien. Meist lernt er oder sie in seiner neuen Umgebung einen Partner/Partnerin kennen die ihrerseits von ganz woanders stammt. Das Paar lässt sich dann auch wiederum seinerseits ganz wo anders nieder. Der Ort oder die Stadt woher sie stammen ist es meist nicht. Wenn auch noch Scheidungen der Eltern und daher Wohnsitzwechsel dazukommen ist es mit Familienzugehörigkeit meist vorbei. Bedauerlich und man weiß nicht wohin das führen wird.

Nun zu den unzähligen Religionsgemeinschaften, die es in Nordamerika gibt:

Amerika war das Land jenseits des Atlantiks das praktisch alle in Europa verfolgten und geächteten Gläubigen aller Religionsgemeinschaften aufnahm. Außer den Katholiken und viel später auch den anerkannten Protestanten verfolgte Europa ja alle sogenannten Sekten. Daher wird  in der „Neuen Welt“ ausdrücklich Wert auf das Recht der Religionsfreiheit  gelegt.

Hier zähle ich einige der Religionsgemeinschaften auf:

Methodisten, Baptisten, Church of Christ, Zeugen Jehovas, Pentacostal Church Pfingstbewegung, Anglikanische Kirche, Puritaner, Episcopal Church, Griechisch Orthodoxe Kirche, Quäker, eine der Friedenskirchen gegründet von George Fox, Der berühmteste Quäker war William Penn, der Pennsylvania mit der Hauptstadt Philadelphia gründete. (Von Philadelphia werde ich noch separat berichten.) Mormonen, Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage, Zentrum ist die Stadt Salt Lake City Bundesstaat Utah (2002 olympische Spiele). Nach mormonischer Überlieferung hatte Joseph Smith jr eine Vision: Das Buch Mormon, in dem  auf goldenen Platten die Grundgesetze der Mormonen eingraviert waren.

Zentrum und der größte „Tempel“ ist der Tempel in Salt Lake City. Der „Zehente“ des Einkommens wird gespendet. Daher ist die Kirche der Mormonen die zweitreichste Kirche nach der katholischen Kirche. Die Mormonen versuchen noch heute in Europa zu missionieren, Vielweiberei ist bei den Mormonen gestattet.

Natürlich ist auch auch die katholische Kirche  vertreten.

Scientology ist eine religiöse Bewegung, deren Lehre auf Schriften des US-amerikanischen Schriftstellers L.Ron Hubbard  beruhen.
Sehr umstrittene Bewegung, da sie ihre Mitglieder willenlos und daher abhängig macht. Tom Cruise ist einer der prominenten Mitglieder.

Eine der eigenartigsten Glaubensgemeinschaften sind die Amish.

Sie kommen ursprünglich aus der Schweiz und dem  Elsass und sind eine täuferische/protestantische Glaubensgemeinschaft. Sie wanderten wegen massiver Verfolgung im 18. Jh. in die USA und Kanada ein. Zuerst ließen sie sich in Pennsylvania nieder, heute leben sie in 28 Staaten der USA.

Die Gemeinschaft lebt stark abgegrenzt von den anderen Bürgern und wie im 19 Jh. das heißt: keine technischen Errungenschaften sind erlaubt, keine Autos etc.  Nur Fuhrwerke. Pferde werden in der Landwirtschaft eingesetzt. Kein Telefon. Strenges religiös motiviertes Leben. Getrennte Geschlechteraufgaben. Männer tragen Hüte und Vollbärte, Frauen dunkle Kleidung mit weißer Schürze und Häubchen. Keine Rentenversicherung!

Da alle Amish von einigen wenigen Schweiz/elsässischen Familien abstammen kommt es zu Degeneration, daher vorsichtige Öffnung für Mischehen. Eine wichtige Einnahmequelle ist der Tourismus.

In New York und an der gesamten Ostküste sind die Juden, oft reiche Juden vorherrschend sowie auch in Florida.

Der sogenannte „Bibelgürtel“ mit Kirchen an jeder Ecke zieht sich von Arkansas bis hinauf nach Westvirginia und Pennsylvania . Die Religionsgemeinschaften sind Auffangnetz bei Sozialfällen. Eine staatliche Versorgung gibt es nicht!

Jeder Religionsgründer bzw. Prediger muss trachten seine Thesen sozusagen „an den Mann oder an die Frau“ zu bringen, denn er ist abhängig von deren Spendenfreudigkeit. Gelingt ihm das nicht muss er damit rechnen, dass die Gläubigen sich eine andere Religionsgemeinschaft aussuchen.

Nach diesem Exkurs über die vielen Religionsgemeinschaften, die sich in den USA wegen der religiösen Toleranz niedergelassen haben sind wir bereits in Memphis/Tennessee angelangt.

23.5. Memphis

Memphis in Tennessee am Mississipi! Was verbindet man nicht alles mit dieser Stadt ! Heimat vom „King of Rock `n Roll, Elvis Presley aber natürlich auch: der Mississipi! Wer hat nicht Mark Twain, Tom Sawyer und Huckleberry Finn gelesen! Da fällt uns allen der Mississipi ein.

Zunächst aber Memphis!

Memphis ist eine moderne Großstadt aber wie überall im Süden ein Mix aus Vergangenheit und Gegenwart. In Memphis befindet sich der der weltgrößte Handelsmarkt für Baumwolle und zugleich ist Memphis auch ein Wahrzeichen der Bürgerrechtsbewegung – wurde doch hier Martin Luther King ermordet. Das Martin Luther King-Memorial ist unsere erste Anlaufstelle.

Hier wird an Martin Luther King und seine Bewegung gedacht.
Nicht weit vom Eingang zum Museum demonstriert eine junge schwarze Frau eben gegen dieses Museum. Als wir sie fragen warum erklärt sie uns, dass das Museum von der Stadt Memphis vermarktet wird und dass die Situation der Schwarzen sich um kein bisschen gebessert hat. Das ist natürlich bedauerlich!

Wir machen eine kurze Stadtrundfahrt, sehen von weitem die Pyramide – Wahrzeichen von Memphis und enden an der berühmten Beale-Street, sehr touristisch doch hört man tatsächlich aus allen Bars Blues-Musik.

Auch die schönen ehemaligen Südstaaten Villen, die natürlich den reichen Baumwoll-Tycoons und Sklavenhaltern gehörten beeindrucken uns sehr. Eine schöner als die andere!

Nachmittags Pflichtbesuch in Graceland. Hier hat der „King“ gewohnt und wie! Eine Pilgerstätte aller Elvis-Fans! Und hier ist auch sein Mausoleum. Sündteuer ausgestattete Räume und Säle, teure Autos und Flugzeuge, goldene Schallplatten en masse, Glitzerkostüme, ein Gestüt des „King“. Alles wird natürlich touristisch vermarktet! Auch von seinem frühen Tod wird mittels Audioguide berichtet. Unerwähnt aber bleibt seine Medikamenten- und Alkoholsucht. Und unerwähnt bleibt wo seine vielen Freunde blieben als er starb. Auch unerwähnt bleibt, dass seine Ehefrau Priscilla ihn damals verließ. Das passt natürlich in das glorreiche Leben des „King“ nicht! Nach den vielen Souvenir-Geschäften mit jeder Menge Kitsch sind wir eigentlich froh, Graceland wieder zu verlassen.

Am Abend machen wir einen Spaziergang an der Promenade des Mississipi. Wie enttäuscht bin ich aber, dass ich kein einziges Shuffle-boat sehe. Warum das so ist kann ich nicht in Erfahrung bringen.

In der Beale-Street essen wir eine, so wie immer fast-food Kleinigkeit und trinken, so wie überall Bier aus Plastikbechern. Unangenehm ist in dem sonst netten Gastgarten die auf höchste Lautstärke aufgedrehte Country-Music.

24.5. Nashville und Sigtseeing-tour

Heute geht es weiter zur nächsten berühmten Musikstadt Tennessees, Nashville.

Der Staat Tennessee ist vorwiegend Agrarland. Viehzucht, Baumwollanbau aber auch Autoindustrie herrschen hier vor.  Die Bevölkerung besteht aus 30% Weißen und 70% Schwarzen. 81%  der Bevölkerung sind Christen verschiedener Richtungen. Tennessee wählt immer republikanisch und war 1862 bei den Konföderierten.

Unterwegs und damit es nicht zu monoton wird informiert uns unser Guide Armin über die erst kürzlich eingeführte Pflichtkranken- und Pensionsversicherung.

Der hämische Spottnahme, den die Gegner dieser Versicherung verpasst haben lautet „Obama-care“ ist aber mittlerweile zu einem Markenzeichen Obamas geworden und wird in die Geschichte eingehen. Obama hat diese Versicherung eingeführt. Sie gilt aber nur wenn man arbeitet.

Manche Firmen boten ihren Mitarbeitern eine Firmen-bezogene Versicherung an. Wenn man aber gekündigt wurde oder den Arbeitsplatz wechselte war es mit der Krankenversicherung vorbei. Sich privat zu versichern war sehr teuer und nur die wenigsten konnten sich eine Privatversicherung leisten.
Die Republikaner als Schutzmacht der Unternehmer sind bestrebt die Pflicht-Krankenversicherung zu kippen, da die Firmen bei der Sozialversicherung mit zahlen müssen.

Da die Pensionsversicherung erst kürzlich eingeführt und daher erst seit kurzer Zeit eingezahlt wurde wirkt sie derzeit noch überhaupt nicht und die Arbeitnehmer müssen buchstäblich bis ins hohe Alter arbeiten. Wir haben auf unserer Reise in diversen Restaurant ältere Damen, so um die sechzig oder darüber angetroffen, die serviert oder auch sonst wie  beschäftigt waren. Unsere Gruppe, meist aus Pensionisten bestehend haben diese Frauen für reiche Europäer gehalten.

Und schon sind wir in Nashville angekommen!

Nashville liegt in den Bergen Tennessees und ist, so wie Memphis eine große und berühmte Musikstadt. Sie wird auch „Athen des Südens“ genannt wegen ihrer zahlreichen klassizistischen und viktorianischen Gebäude aus der Kolonialzeit. Nashville ist aber vor allem die „Music City“ der USA. Vor allem Country- und Westernmusik kommt von Nashville. Vor allem ihrem berühmtesten Sohn, Johnny Cash ist ein eigenes Museum gewidmet. Nashville ist aber auch die heimliche Hauptstadt der Autoindustrie und der Versicherungen. Also die Stadt ist nicht ganz „mittellos“!

Wir machen eine Fahrt entlang der prächtigen Villen und gehen dann durch die Innenstadt wo wir die berühmten Aufnahmestudios natürlich nur von Außen sehen. Wir machen Pause vor der „Country Music Hall of Fame“. Dort erfahren wir alles über die Geschichte der Country Music.

Ende der Führung und Mittagspause ist die berühmte „Honky tonk“-Street. Da geht es wirklich laut und wild zu! Es ist Mittag und trotzdem tönt aus jeder noch so kleinen Bar Country-und Blues-Musik. Das heißt: tatsächlich Life-Musik gespielt von vielen verschiedenen Bands!

Schön und gut! Aber wir suchen doch ein ruhiges Plätzchen zum Lunch. Ist gar nicht so leicht! Aber schließlich finden wir vor einer Bar ein paar Tische im Freien und da lassen wir uns nieder. Die Kellnerin kommt, glaubt wir haben uns geirrt und will uns freundlich in die Bar mit der dröhnender Band und mit Klimaanlage, die auf ca. 1 Grad minus abgekühlt ist lotsen. Wir lehnen dankend ab und als wir „Coke and no ice!“ bestellen weiß sie, dass sie es mit verrückten Europäern zu tun hat und geht amüsiert und Achsel zuckend in die eisgekühlte Bar zurück. Das Essen: fried potatoes and chicken-wings mit Sauce ist ganz annehmbar – wir sind ja nicht auf Gourmet-Reise unterwegs.

Und noch von einem Kuriosum muss ich berichten: nachdem uns der Bus ins Hotel zurückgebracht hat verspürt Hilmar Lust auf ein Bierchen – was man halt hierzulande Bier nennt.

Wir machen eine kleine Runde, sehen uns um und kommen bei einer Tankstelle vorbei. Dort gibt es Bier! Als Hilmar das Bier zahlen will bittet ihn die Kassiererin, freundlich aber bestimmt um seinen Ausweis, mit Geburtsdatum etc. Hilmar hat gerade noch seinen alten Dienstausweis vom Siemens bei sich mit Lichtbild und allem Drum und dran. Auf unser Erstaunen hin sagt die Kassiererin entschuldigend, dass sie bei Alkoholkauf immer den Ausweis mit Geburtsdatum und Lichtbild verlangen muss denn sonst kann sie bestraft werden.

Natürlich sind diese strengen Bestimmungen bei Alkoholkauf von Staat zu Staat verschieden. Die allgemeine Hysterie der Amerikaner wegen Alkoholkonsum ist aber in allen Staaten die gleiche. Ob man bei Kauf einer Waffe sich auch ausweisen muss? In Texas habe ich da so meine Zweifel.

Die Mehrheit der Gruppe hat auf Anraten des Guides und sicher nicht zu seinem finanziellen Schaden für den Abend eine Country-Show mit anschließendem barbecue gebucht.
Hilmar und ich beschließen ein paar Runden im Hotel-Swimming-pool zu schwimmen. Anschließend gehen wir noch in die Restaurant-Bar auf einen Drink und siehe da! Auch hier spielt eine Country-Band Country-Music und Blues und die Sängerin ist ausgezeichnet. So haben wir uns die Kosten für den Country-Almauftrieb erspart und sind dennoch in den Genuss eines netten Konzertes gekommen.

Das Frühstück ist bisher in jedem Hotel ausgezeichnet gewesen. Im Hotel in Nashville aber mit nichten!

Die Gruppe muss sich, einer hinter dem anderen anstellen. Die harsche Stimme einer Farbigen, die ein Marines-General sein könnte drückt jedem einzelnen ein in Plastik gepacktes und verknautschtes Brötchen – noch dazu ein süßes Brötchen – in die Hand. Dann kommt noch ein Apfel dazu und ein Plastikbecher mit  irr heißem Kaffee. Der Abschied von diesem Hotel fällt uns also nicht schwer!

Und noch etwas Skurriles ist uns aufgefallen: Wir sind bis jetzt bereits im dreizehnten Hotel gewesen und überall waren die Badezimmer-Armaturen anders und daher anders zu betätigen. Eines ist aber in jedem Badezimmer gleich: Die Dusch-Brause hängt ganz hoch über der Badewanne. Scheinbar rechnet jedes Hotel mit zwei Meter-langen Gästen. Jedes Mal wenn wir in einem Hotel neu ankommen ist Hilmar als Techniker dazu verurteilt, das Wasser an der Brause einzustellen. Er schafft es auch immer aber vorher wird er beim Probieren Pudel-nass.

25.5. Great-Smoky-Mountains-Nationalpark, Ashville und Greenville

Der Great-Smoky-Mountains-Nationalpark liegt in den Appalachen auf dem Gebiet des Bundesstaates North Carolina und Tennessee. Er wurde am 15. Juni 1934 verwirklicht und gehört heute zum Welt-Naturerbe. Der Wald ist einer der ältesten Wälder der Erde und umschließt das größte Urwaldgebiet im Osten der USA. Der Nationalpark ist mit zwischen acht und 10 Millionen Besuchern der meist besuchte Nationalpark der USA und trotzdem ist er keinesfalls überlaufen  wie zum Beispiel der Grand Canyon.

Ein bisschen über die Geschichte dieses Gebietes:
Vor der Ankunft der europäischen Siedler am Ende des 18. Jahrhunderts war das Gebiet Heimat der Cherokee-Indianer. Die Indianer gaben der Landschaft den Namen „Shalonage“, Ort des blauen Nebels wegen der häufig auftretenden Nebel.

Unter dem Präsidenten Andrew Jackson wurden die Indianer vertrieben. Der sogenannte „Indian Removal Act“. Sie wurden in andere Bundesgebiete ausgesiedelt. Die Vertreibung wurde unter dem Begriff „Trail of Tears“ (Pfad der Tränen) bekannt. Einige Cherokees blieben jedoch und ihre Nachfahren leben heute noch im Indianerreservat „Qualla“ im Süden des Parks.

Nach Vertreibung der Indianer begann das gnadenlose Abholzen des Waldes und bescherte der Gegend Reichtum und Wohlstand (Bau von Eisenbahnlinien).

Vernünftige Bürger schlossen sich zusammen um dem Kahlschlag der Wälder Einhalt zu gebieten, sammelten Geld für den Erhalt der Wälder und, nachdem zusätzliche Geldgeber gefunden wurden bewilligte der Kongress 1926 das Vorhaben und die Schließung der landwirtschaftlichen Betriebe konnte beginnen. 1934 fand die Eröffnung des Nationalparkes statt.

Wäre also der herrliche Wald – der spätere Nationalpark – nicht durch die Vernunft einiger und mit viel Geld gekauft worden, hätte die Habgier der Menschen gesiegt und heute wäre die Gegend eine abgeholzte Wüste.

Die Great Smoky Mountains gehören zu den ältesten Gebirgen der Welt (mit viele Gletschern). Sie sind Nahtstelle zwischen südlicher und nördlicher Flora. Die Höhen liegen zwischen 250 bis 2000 m. Hier herrscht die größte Artenvielfalt des Ostens der USA. Mehr als 130 verschiedene Baumarten und 4000 weitere Pflanzenarten gibt es hier.

Das Symbol-Tier der Smoky Mountains ist der Schwarzbär. Auch Weißwedelhirsche, Murmeltiere und viele Arten von Hörnchen sind hier anzutreffen. Der Rotwolf, der vom Aussterben bedroht ist ist auch hier beheimatet. viele Reptilien und vor allem Salamander sind ebenfalls anzutreffen. Der Wald wird als Salamander-Hauptstadt der Welt bezeichnet.

Etliche Zwei-Tausender ragen aus den dichten Wäldern empor.

Irgendwo unterwegs machen wir Station am Eingang zu den Smoky-Mountains.
Der Ort heißt Pigeon-Forge und zeigt uns die USA von ihrer kitschigsten Seite. Geisterbahnen, Ringelspiele und natürlich Spielhöllen gibt es hier aber es gibt kaum ein vernünftiges Restaurant oder auch Schnellimbiss. Wir kaufen uns ein Säckchen Popcorn mit Zucker, setzen uns in einen Schaukelstuhl und lassen das Treiben an uns vorbeiziehen.
Weiter geht es über die Städte Asheville und Greenville in South Carolina.

Asheville wurde mehr oder weniger von Veteranen des Unabhängigkeitskrieges gegründet. Sehr wichtig für die Region! Der Supermarkt Riese Walmart hat hier seine Zentrale und ist der größte Arbeitgeber.

Greenville in South Carolina ist ein nettes grünes Städtchen an einem malerischen Fluss. Die Brücke über den Fluss und die Parkanlage laden zum Relaxen ein. Wir machen einen Stadtrundgang und fühlen uns hier sehr wohl.

Irgendwo an der Autobahn im Raum Greenville ist unser Hotel. Wie immer in der „Pampas“.

Da wir zu Mittag nur Popcorn gegessen haben sind wir natürlich hungrig und auf der Suche nach einer, anderes gibt es ja hier nicht, also nach einer Schnellimbiss-Kette. Auf den ersten Blick werden wir nicht fündig. Irgend welche Firmen, die ihr Areal sehr hell ausgeleuchtet haben gibt es, aber weit und breit keine Imbissstube. Wir wollen schon resignieren und eventuell im Hotel-eigenen aber teuren Steak-house essen, da sehen wir doch noch etwas, das wie ein Imbissort scheint. „Waffle-House“ steht über dem Eingang. Nach süßen Waffeln ist uns zwar nicht aber besser als nichts.

Das Lokal, klimatisch eisgekühlt natürlich entpuppt sich aber als eine ganz normale Imbiss-Kette. Als wir eintreten informiert uns der waiter, dass die Chefin nicht da ist und dass sie  „very lasy“ ist aber dass sie gleich kommt. Wir haben Zeit und warten halt. Bald kommt auch eine Zentner-schwere  schwarze Dame herein. Überall hat sie pralle Fettpölsterchen und vor allem ihre munteren Äuglein sind ganz in Fett gebettet.

Wir bestellen „Caesars-salate“ ein paar french frieds, Limonade und Sodawasser und speisen so besser als wir erwartet haben. Verstehen können wir das amerikanisch der freundlichen Bedienung nicht aber letztlich sind wir zufrieden. Die Tür geht auf und – so scheint es – nun kommt also der weibliche Boss und die einzige Weiße. Wortreich begrüßt sie uns – die einzigen Gäste, entschuldigt sich, keppelt mit ihren Angestellten, die die Sache aber nicht krumm nehmen. Ein Palaver mit viel Gelächter und Sing-Sang kommt in Gang. Wir unterhalten uns bestens und gehen dann müde und satt zu Bett.

26.5. Blue Ridge Parkway und Roanoke

Heute ist wieder wecken 6 Uhr, 7 Uhr Frühstück, 8 Uhr Koffer in den Bus und Abfahrt. Wir haben eine ziemliche Strecke vor uns, denn wir fahren zu den Blue Ridge Mountains und nach Roanoke. Also wieder einer der schönsten, dicht bewaldeten Nationalparks am Fuße der Appalachen.

Unterwegs erfahren wir von Armin unserem Guide wieder Interessantes. Diesmal geht es um Finanzregeln.

Soviel vorab: Die Kreditwürdigkeit eines Bürgers der USA ist äußerst wichtig. Jeder Amerikaner kauft sein Haus, Auto etc... auf Pump. Wenn jemand zum Beispiel ein Auto bar zahlt wird der Verkäufer misstrauisch und nimmt an, dass der Kunde nicht kreditwürdig ist. Dass der Käufer vielleicht keine Schulden machen will, wenn er doch das Geld für den Kauf hat, darauf kommt der Verkäufer nicht.

Es gibt in den USA ein gewisses Punktesystem: Bei 700 oder 800 Punkten ist man ausgezeichnet kreditwürdig. So weit so gut! Als aber 2008 durch faule Spekulationen (Goldmann Sachs etc...)  die Banken in die Bretulle kamen platzte plötzlich die Immobilienblase auf und die Kredite auf alle Häuser, die man auf Pump gekauft hatte wurden fällig. Die Banken, die ja großteils an der Misere schuld hatten kannten keinen Pardon und schmissen die Bewohner der Häuser raus um die Häuser teuer an den Meistbietenden, diesmal aber doch mehr oder minder bar zu verschachern.

Die bankrotten Banken, die wegen ihrer dunklen Geschäfte (Handel mit Derivaten und Hedge-fonds) pleite waren durfte aber der Staat, sprich die Steuerzahler retten. Heute sind diese Banken wieder auf der Höhe und betreiben die gleichen Geschäfte bis sie wieder Pleite sind und der Staat sie retten muss usw. usw....

Im Zuge der Finanzkrise, die sich ja über die ganze Welt ausbreitete und noch immer nicht bewältigt ist verloren viele Amerikaner Ihr Heim und ihren Job und landeten buchstäblich auf der Straße. Und dort sind sie zum Teil noch heute! Das nennt man Raubkapitalismus! Amerika! Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Solche Möglichkeiten gibt es auch! Nämlich auf der Straße zu landen.

Übrigens und ergänzend: Um sein Studium zu finanzieren musste Obama sich auch einen Kredit aufnehmen. Die letzte Rate hat er am Beginn seiner Präsidentschaft bezahlt.

Lori unsere Chauffeuse fährt uns vorbildlich durch die Landschaft. Nun wird die  ausgezeichnete Straße kurvig. Wir bewundern die Disziplin der Autofahrer. Keiner fährt schneller als erlaubt.

Da erzählt uns Armin wie es bei Verkehrskontrollen in den USA zugeht:

Grundsätzlich!

Die Verkehrspolizei darf sich nicht, so wie bei uns, hinterlistig hinter einen Busch oder eine Hauswand verstecken. Die Polizisten müssen für den Autofahrer sichtbar sein. Ist der Autofahrer aber dennoch so dämlich und fährt zu schnell dann ist das Procedere folgendes: Der Fahrer muss im Auto sitzen bleiben und warten bis der Cop ihn auffordert auszusteigen. Sicher eine Vorsichtsmaßnahme wegen allfälligem Waffengebrauchs. Nach dem Aussteigen muss sich der Fahrer mit ausgestreckten Armen auf die Hinterseite des Fahrzeuges stellen.
Erst wenn der Beamte ihn auf Waffenbesitz abgetastet hat will der Polizist Führerschein und Papiere sehen. Wenn der Fahrer nicht alkoholisiert oder unter Drogen steht kommt er mit einer saftigen Geldstrafe davon. Im Falle von Alkoholisierung und Drogenkonsums wird der Fahrer in Handschellen abgeführt und kommt ins örtliche Gefängnis. Der Führerschein wird ihm natürlich abgenommen und er hat ein gerichtliches Verfahren, das ihm sehr viel Geld kostet (Anwälte) am Hals.

Durch ähnliche rigorose Maßnahmen könnte man bei uns vielleicht auch viele tödliche Unfälle Vermeiden. 

…. Und nach einem kleinen Nickerchen im Bus sind wir auch schon im Nationalpark Blue Ridge Parkway.

Der Blue Ridge Parkway ist eine Panoramastraße entlang der Blue Ridge Mountains (ridge heißt Grad, Gebirgskamm). Die Blue Ridge Mountains sind ein Teil des Appalachen Gebirgszuges. Die Höhenstraße verbindet den Shenandoa- Nationalpark in Virginia mit den Great-Smoky-Mountains-Nationalpark und wird durch den Nationalpark-Service verwaltet.

Schon 1933 entstand die Idee die Hochstraße zu bauen. Nach Verabschiedung durch den Kongress erfolgte der Baubeginn und die Widmung des Parkways.
Der Bau der Straße diente vor allem zur Arbeitsbeschaffung für den von der Great Depression schwer getroffenen ländlichen Teil. Die Aussichtsstraße ist ausschließlich für den touristischen Zweck vorgesehen und ist mit vielen Halte- und Aussichtspunkten versehen. Die Straße ist für den gewerblichen Verkehr gesperrt (72 km/Stunde).
Der höchste Berg ist der „Mount-Michel“. Viele Millionen Touristen – vor allem Motorradfahrer frequentieren die Höhenstraße. Der Nationalpark besteht hauptsächlich aus Eichen und Föhren. Das Gebiet ist wenig besiedelt und auch hier gibt es Schwarzbären und Coyoten.

Während der Prohibition verdienten sich illegale Schnapsbrenner sogenannte „Moonshiner“ ein Zubrot.

Und ehe wir es uns versehen sind wir in der Stadt „Roanoke“ angekommen. Die Stadt ist benannt nach dem Roanoke River. Wahrzeichen der Stadt ist der „Roanoke Star“, daher der Spitzname der Stadt: „Star City of the South“.

Der Roanoke River ist einer der längsten Flüsse, der vom Süden bis North Carolina fließt. Geschichtlich ist er sehr bedeutend – entstanden doch an seinen Ufern die ersten Siedlungen der Kolonie Virginia und der Provinz Carolina.

Wie immer übernachten wir in der „Pampas“ das heißt das Hotel liegt natürlich außerhalb der Stadt an einigen Autobahnkreuzungen. Dinner ist, wie immer im Fast-food-Restaurant.

Übrigens: Die Hotels, die natürlich von der Reiseagentur für uns gebucht wurden sind durchwegs sehr gut. In jedem Zimmer zwei große breite Betten. Ein Paar hat die Wahl sich zusammen zu kuscheln oder, wenn die Partner es vorziehen sich diesmal gehörig auszubreiten –  in einem breiten Bett zu schlafen. Je nach Lust und Laune. Dass die Hotels meist in der Peripherie liegen ist eine andere Geschichte.

27.5. Shenandoah Nationalpark und weiter nach Washington

Heute haben wir wieder ein schönes Stück Landschaft vor uns, den Shenandoah Nationalpark.

Der Shenandoah Nationalpark ist einer der berühmtesten Nationalparks. Wir fahren auf dem Skyline-Drive, die Panoramastraße mit herrlichem Ausblick auf das Tal des Shenandoah Rivers. Wälder, Wasserfälle und 800 km an Wanderwegen laden zum Aufenthalt ein. Die höchsten Erhebungen sind der Stony Man und der Hawksbill. Auch gibt es Tropfsteinhöhlen, die Luray Caverns, die sehenswert sind.

Tiere: Weißwedelhirsch, Schwarzbär und Skunk und noch viele andere sowie 200 Arten von Vögeln. Leider ist der Baumbestand durch Parasiten reduziert. 1935 wurde der Shenandoah Nationalpark gegründet.

Es wäre herrlich einen kleinen Ausflug zu den Wasserfällen oder eine kleine Wanderung zu machen. Leider aber ist das, und das muss man auch einsehen im Zeitrahmen dieser Reise nicht möglich. Wir begnügen uns daher mit den zahlreichen Aussichtspunkten und Info-Stellen. Das Wetter ist angenehm, nicht zu heiß und wir bekommen, so glaube ich, doch einen umfassenden Eindruck.

Nach der Mittagspause geht es dann auch schon weiter in Richtung Hauptstadt der USA, Washington DC.

Unser Reiseleiter Armin verkündet uns, dass unser nächstes Hotel in Vienna, einem Vorort von Washington sein wird. Wir freuen uns, dass die Amerikaner auch an unsere Hauptstadt gedacht haben und einen Vorort von Washington nach Wien benannt haben.
Unsere Enttäuschung ist aber groß, denn „Vienna“ ist ein unpersönliches Kaff wie es viele in Amerika gibt und liegt an etlichen High-ways, die den Ort zerschneiden.

Also das übliche Hotel nahe der Autobahn, ruhig gelegen aber kaum Infrastruktur.

Die extra Nachttour  (auch extra zu bezahlen) durch Washington lassen wir aus – wir sind doch etwas geschlaucht und wollen es uns gemütlich machen. Es braucht eine Ewigkeit, bis wir die Autobahnen, die durch den Ort führen überqueren. Die USA ist ein Land der Autofahrer – da haben Fußgänger nichts verloren und müssen sich um etliche Ampeln vorbei winden. Aber wir werden belohnt! Von der anderen Straßenseite aus erblicken wir ein italienisches Lokal, das einen guten Eindruck macht. Also nichts wie hin. Wieder zur nächsten Ampel und dann wieder zur nächsten Ampel und so fort. Aber es hat sich gelohnt. Abgesehen von der eiskalten Klimaanlage ist das Restaurant sehr gut. Wir essen diesmal italienisch, bestellen uns, Preis ist uns wurscht, einen „Valpolicella“ und werden äußerst zuvorkommend von einem Kellner aus Nepal bedient, der anschließend ein schönes Trinkgeld bekommt. Trinkgeld ist Pflicht, davon leben die Leute im Tourismus hauptsächlich. Das Grundgehalt ist ein Bettel – ich glaube, ich habe es schon erwähnt.

Und apropos Beschäftigte im Tourismus: Hotels, Restaurants, Taxis aber auch private Kindermädchen und Putzfrauen etc.:

Ich kann mir nicht vorstellen, was die Wirtschaft der USA anstellen würde, wenn, so wie der Kandidat der Republikaner, Donald Trump im Falle seiner Wahl zum Präsidenten der USA machen würde, nämlich alle Illegalen ausweisen.  Ein Chaos würde ausbrechen.

In den USA dürfen Zuwanderer aus aller Herren Länder arbeiten. Aber nur die, die nach sorgfältiger Prüfung ausgesucht wurden. (Beruf, Englischkenntnisse etc...). Es gibt da so ein Auslosungs-System. Der oder Diejenige, die das große Los ziehen dürfen ins Land. So war es beispielsweise bei unserem waiter aus Nepal. Das System ist in Ordnung und sollte vielleicht auch bei uns in Europa
angewendet werden. Nur, und ich bleibe dabei: ohne den vielen Illegalen Latinos, die aber schon jahrelang in den USA leben und meist die niedrigsten und die am schlechtest bezahlten Jobs machen würde die Wirtschaft der USA zusammenbrechen.

Schwimmen im Hotel eigenen Pool ist nicht möglich – das Wasser ist zu kalt und so gehen wir Hunde müde aber diesmal satt ins Bett. Der nächste Tag wird anstrengend und hoffentlich interessant – Washington!

28.5. Washington D.C.

Dieser Tag wird wahrscheinlich der heißeste Tag unserer Reise. Schon morgens hat es 20 Grad. Aber was solls! Washington wir kommen!

Washington wurde einzig zu dem Zweck geschaffen, Hauptstadt zu sein.1790 ließ die damals in Philadelphia sitzende Regierung die sumpfigen Gebiete am Ufer des Potomac River roden. Sie beauftragte den Franzosen Charles Pierre L`Enfant mit der Stadtplanung, die großzügig und repräsentativ werden sollte. Wie in Paris sollten die Boulevards sternförmig verlaufen.

Das Weiße Haus:

George Washington und der Stadtplaner Pierre L' Enfant suchten den Platz für das Weiße Haus aus. Der Architekt war James Hoben ein Ire. Der Grundstein wurde am 13. Oktober 1792 gelegt und dieses Datum gilt zugleich als Gründungstag der neuen Hauptstadt. Der zweite Präsident der USA John Adams bezog das Haus am 1. November 1800. Da war die Farbe noch nicht ganz trocken.

Brände und zahlreiche Umbauten und Anbauten hat dieses Haus erlebt. Heute verfügt das Weiße Haus über 132 Räume und eben so viele Badezimmer. Die diversen Präsidenten haben je nach Vorlieben eine Kegelbahn (Nixon) und ein Basketballfeld (Obama) einbauen lassen.
Das Weiße Haus ist Eigentum der USA und jeder Präsident muss nach Ende seiner Amtszeit natürlich wieder ausziehen.

Als Hauptstadt der USA wird Washington (600 000 Ew., Großraum 5,7 Mill. Ew.) natürlich von jeder Menge Touristen besucht – auch von Bürgern der USA. Und so ein starker Besuchstag ist heute, denn morgen, 29.5. ist „Memorial-Day“.

Ich habe schon die Kolonen von Bykern erwähnt, die unseren Weg von Kalifornien bis zum heutigen Tag hier in Washington begleitet haben. Heute, Samstag 28.5. sind tausende schon eingetroffen und alle Grünflächen rund um das Kapitol und Arlington-Cemetery sind voll mit geparkten Bykern aus allen Staaten der USA. Morgen, 29.5. gedenken die Amerikaner ihrer im Vietnam-Krieg in Afghanistan und im Irakkrieg gefallenen Soldaten.

Zunächst besuchen wir das Lincoln Memorial und den Arlington-Cemetery.

An der Mall, ein 3,2 km langer Grünstreifen, der das Kapitol mit dem Lincoln-Memorial verbindet liegen auch die berühmten Museen, von denen später noch die Rede sein wird.

Lincoln-Memorial: Das Bauwerk ist im klassisch-griechischem Stil nachempfunden und ist auf bis zu 20 m tiefen Fundamenten gegründet. Die waren notwendig wegen des Sumpfgebietes. Die 36 Säulen symbolisieren die 36 vereinigten Staaten zur Zeit Lincolns. Später wurden die restlichen Staaten (Insgesamt 52) um das Dach des Denkmals herum eingemeißelt. An der Nordseite ist die berühmte Gettysburg-Rede Lincolns eingemeißelt und dort befindet sich auch die 5,80m hohe Statue des sitzenden Lincolns aus weißem Marmor.
Unter der Präsidentschaft Lincolns fand der Sezessionskrieg zwischen Nord- und Südstaaten statt, der mit dem Sieg des Nordens endete und die Wiedereingliederung der Südstaaten und die Sklavenbefreiung erzwang.

Am 28. August 1963 zog ein Protestzug von über 250 000 Menschen zum Lincoln-Memorial (Marsch auf Washington). Dort hielt Martin Luther King seine berühmte Rede „I have a dream!“ (Gedenktafel am Fuße des Linkoln-Memorials).

Es ist schon sehr heiß, die Sonne brennt auf uns herab und es gibt wegen der weiten Grünflächen kaum Schatten. Das stört unseren Local-Guide, eine quirlige Dame aus Berlin, die es wegen der Liebe nach Washington verschlagen hat, überhaupt nicht. Sie bombardiert uns nicht mit Jahreszahlen sondern erzählt uns in launiger Weise Anektoten und „Gschichteln“ . Zum Beispiel: Wenn man das Gesicht Lincolns im Profil betrachtet, so erzählt sie, kann man auf der Rückseite seines Kopfes das missmutige Antlitz des früheren Besitzers dieser Gründe erkennen. Warum? Der Besitzer dieser Gründe am Potomac war ein reicher Südstaatler, der, nach dem Sieg der Nordstaaten und zum Zwecke der Errichtung des Denkmals einfach enteignet wurde.

Die nächste Station ist das Kriegsmahnmal, Veteran Memorial nördlich des Lincoln-Memorials gelegen.

Das Wichtigste und das Beeindruckendste ist die „Wall“, eine schlichte aufsteigende schwarze Wand,  in der alle Namen der im Vietnam-Krieg, in Afghanistan und im Irak-Krieg gefallenen amerikanischen Soldaten eingemeißelt sind. Gerade heute am Vortag des Memorial-Days sind tausende hierher gepilgert um ihre gefallenen Familienmitglieder zu ehren, Blumen abzulegen und Papiere mit Gebeten und Segenssprüchen zu hinterlassen. Auf manchen Zetteln steht „good bye daddy!“ und vieles mehr. Es ist berührend mit welcher Innigkeit die Menschen an der Mauer vorbei schreiten und um ihre Angehörigen trauern. Gerade an diesem Tag!

Unwillkürlich muss ich an die Verursacher dieser Kriege denken, nämlich an die Präsidenten Lindon B. Jonson und an  Bush junior. Ob es den Amerikanern genauso geht? Die Trauernden an der „wall“ werden  wahrscheinlich nur an ihre Toten denken.

Auch die Monumente für dieVietnam-Sodaten und Soldatinen aus Bronze sind beeindruckend. Sehr realistisch sind alle drei Rassen als USA-Soldaten dargestellt: Weiße, Latinos und Schwarze.

Unser nächstes Ziel ist der Arlington Friedhof (Arlington Cemetery) jenseits des Potomac und in der Nähe des Pentagons.

Hier ist das Grab von John F. Kennedy und auch seine Frau Jackie ist ausnahmsweise hier begraben, denn normalerweise dürfen nur Gefallene hier ruhen. Da, wie erwähnt morgen Memorial-Day ist und es sicher in Anwesenheit des Präsidenten der USA einen Festakt geben wird sind alle Gräber mit Blumen und vor allem mit der Flagge der USA geschmückt. Auch hier stehen viele Angehörige vor den Gräbern, Hand am Herzen. Der Patriotismus der Amerikaner und zwar aller Rassen ist beeindruckend.

Nun geht es zum Weißen Haus, das natürlich auch ein Muss ist.
Das Weiße Haus, Sitz der Präsidenten der USA, dz. Barak Obama. Man kennt es von unzähligen Reportagen. Im Vordergrund der berühmte Springbrunnen. Aber sehr nahe können wir dem Areal nicht kommen, denn der Zugang ist durch ein Stahlgitter versperrt. Natürlich wegen der Attentatsgefahr.

Beim Fotografieren geht Hilmar ein paar Schritte zurück und stößt ziemlich unsanft  mit einem Cop zusammen. Ein Riese mit einem Schnüffelhund an der Leine und bis auf die Zähne bewaffnet. Erschrocken sagt Hilmar „sorry“ und auch der Cop entschuldigt sich, lächelt uns an und verschwindet in der Menge.

Wegen der Hitze sind wir nun froh, dass wir den Rest der Washington Tour im Bus machen. Natürlich Kapitol, CIA-Zentrale usw. Ende ist dann an der Mall, an der die berühmten Museen liegen. Space Museum und – für uns besonders interessant – National Gallery. Drei Stunden haben wir freie Zeit und Schnur stracks gehen wir zunächst in die angenehm klimatisierte Cafeteria, trinken einen Kaffee und ein Glas Wasser und essen einen passablen Kuchen. „Where are you from ?“ fragt uns der junge Schwarze mit Service-Käppi, der uns den Kaffee an der SB-Theke überreicht. „from Austria!“ antworten wir und erwarten: „Kängurus oder Bumerang“. Aber nein! Wir hören von „emperor Franz Josef and Johann Strauß“ und sind sehr erstaunt.

Wir sind überwältigt von der Anzahl der Bilder von den Alten Meistern bis zum Impressionismus und der Moderne. So eine Ansammlung phantastischer Kunstwerke haben wir in Europa noch nicht gesehen, nicht einmal im Louvre. Da gibt es natürlich die berühmten amerikanischen Künstler aber auch ganze Säle mit Rembrandt und italienischer Renaissance-Malerei wie Raffael, Tizian etc... Zwischen den Sälen gibt es Atrien mit Springbrunnen und Pflanzen. Durch Glaskuppeln fällt das Licht ein. Weil es hier so angenehm kühl ist und natürlich auch wegen der unzähligen Kunstwerke verbringen wir die meiste Zeit in der Galery. Nur kurz vor der Abfahrt mit unserem Bus machen wir einen Blick ins Space-Center. Auch sehr interessant aber mit sehr vielen Besuchern und viel Lärm.

Pünktlich und ziemlich geschafft steigen wir in den Bus ein, der uns zurück ins Kaff „Vienna“ bringt. Wir sind viel zu müde um noch irgendein Restaurant zu suchen und essen im Hotel einen lieblosen Cesars-Salat und dann nichts wie in die Heia.

Ergänzend muss ich noch im Anschluss zu diesem Tag und weil es auch passend ist etwas berichten: Unsere Reise findet in der Zeit der Vorwahlen zum neuen Präsidenten oder Präsidentin der Vereinigten Staaten statt. Die Kandidaten sind Hillary Clinton, frühere Außenministerin und Kandidatin für die Demokraten. Für die Republikaner kandidiert Donald Trump und hat zur Verwunderung seiner eigenen Partei und der meisten Amerikaner so wie – man kann sagen der ganzen Welt – die Vorwahlen bis jetzt gewonnen.

Dieser Mann beleidigt Schwarze, Latino-Einwanderer besonders Mexikaner, Frauen, natürlich wegen der Situation im nahen Osten auch alle Moslems auf das gröbste und wir fragen uns wieso so einer so erfolgreich ist.

Arnim unser Reiseleiter, der Einblick in die Situation hat klärt uns auf:
a) ist Trump einer der Reichsten Männer und Milliardär der USA und steckt viel Geld in den Wahlkampf.
b) Seine Anhängerschaft rekrutiert sich hauptsächlich aus den ungebildeten Weißen, hauptsächlich Männern des mittleren Agrar-Ostens, die Verluste bei ihren Geschäften erlitten haben, die Schuld dem „Establishment“ in Washington geben und mit allen Mitteln einen Wechsel wollen, wie auch immer der aussehen soll. Auch die Arbeiterschicht, die durch die Depression ihren Arbeitsplatz verloren hat und die Schuld den billigeren, illegalen Mexikanern gibt ist für Donald Trump und das sind nicht wenige Menschen. Der Mann verspricht ihnen das Blaue vom Himmel und in ihrer Naivität glauben sie es.

Hillary Clinton ist auch nicht besonders beliebt. Man sagt ihr Nähe zur Wall-Street nach. Aber im Großen und Ganzen das kleinere Übel.

Es könnte also knapp werden: die Wahlen finden im November statt.

Nur soviel wegen der sehr wichtigen Präsidentschaftswahlen des mächtigsten Landes der Welt! Und ergänzend: besonders Trump ist rund um die Uhr in den Medien, sprich Fernsehen zu sehen. In jedem Restaurant , Schnellimbiss, Supermarkt oder Hotel-Loby. Natürlich berichtet auch CNN, das wir am Abend im Hotel einschalten ausgiebig von ihm und Hillary Klinton.

29.5. Philadelphia und New York City

Es wird heute auch wieder sehr heiß werden, denn die Temperaturen sind morgens schon auf über 20 Grad gestiegen. Heute geht es also nach Philadelphia, frühere Hauptstadt der USA und Ausgangspunkt der Unabhängigkeit der USA (wurde doch hier die Unabhängigkeitserklärung verfasst und unterschrieben).

Zuvor aber noch ein kurzer Exkurs über die Geschichte der USA:

Die Besiedelung und Entdeckung erfolgte durch Spanier, Franzosen Engländer und Niederländer. Hernando de Soto war wohl der erste Europäer, der die Küsten Amerikas erreichte und auch die für die Indianer tödlichen Krankheiten einschleppte (Pocken). St. Augustin war die erste Siedlung. Die Ankunft der „Mayflower“ mit den sogenannten „Pilgervätern“ im Jahre 1620 gilt als wichtigstes symbolisches Datum der Besiedlung.
Ab dieser Zeit begannen auch die Kolonien-Kriege jeder gegen jeden. (Franzosen, Spanier, Engländer, Niederländer und Indianer). Erster Name New Yorks war New Amsterdam.

London, das dringend Geld für seine Kolonialkriege brauchte verlangte, dass die Kolonien die Kosten dieser Kriege tragen sollten und England begann hohe Steuern auf Importware (vor allem Zucker und Tee) einzuheben. Dagegen wehre sich die Bevölkerung und die Menschen waren erzürnt. 
Die „Bostoner Tea-Party“:
Als Indianer verkleidete Bostoner Bürger warfen von den vor Anker liegenden Schiffen 320 Kisten Tee ins Hafenbecken.
Von da an eskalierte die Auseinandersetzung zwischen Der Krone und den Kolonisten – der Unabhängigkeitskrieg begann. Ein Kontinentalkongress trat zusammen, der das militärische Oberkommando George Washington übertrug. Am 4. Juli 1776 wurde von 13 Kolonien die Unabhängigkeitserklärung verkündet.
Nicht zuletzt durch die militärische Unterstützung Frankreichs zwangen die Amerikaner 1783 das britische Empire zur Anerkennung der staatlichen Souverenität im Frieden von Paris.

Im Anschluss unterzeichneten 16 Bundesstaaten die Unabhängigkeitserklärung
(heute besteht die USA aus 52 Staaten) und George Washington wurde ihr erster  Präsident.

Ab da erfolgte die Expansion und brutale Indianerkriege. Die Indianerkriege endeten 1890 mit dem Massaker von „Woundet Knee“.

Nicht nur durch die Schlachten gegen die europäischen Einwanderer sondern auch durch Epidemien wurde die indianische Urbevölkerung reduziert. Erst 1924 erhielten die Indianer volle Bürgerrechte.

Ein großes Problem wurde die Sklavenfrage. De facto der Krieg des industrialisierten Nordens gegen den Agrar-lastigen Süden. Die Nordstaaten gingen als Sieger aus dem Bürgerkrieg hervor und die Schwarzen erhielten mit dem „Civil Rights Act“ von1866 und dem 14th Amendment von1868 formal die vollen Bürgerrechte.

Paradox an dieser Stelle: Die Schwarzen Sklaven erhielten ihre vollen Bürgerrechte 56 Jahre früher als die indianische Urbevölkerung!

Im Osten siedelten sich vor allem Puritaner, Quäker und andere, in Europa verfolgte christliche Sekten an. (William Penn – Pennsilvania).

Soweit ein kleiner Exkurs über die Geschichte der USA bis zum 19 Jh., der natürlich nicht vollständig sein kann.

Mittlerweile haben wir auch schon die frühere Hauptstadt Philadelphia erreicht.
Es ist ganz schön heiß aber was solls! Wir wollen ja etwas sehen!

Philadelphia ist die älteste Stadt der USA und wurde von dem Quäker William Penn gegründet. Wir machen einen Rundgang durch das historische Philadelphia. Wir gehen durch den Independence National Historic Park. Hier ist alles was mit der Unabhängigkeitsbewegung zusammenhängt zu sehen wie die Liberty Bell, die Independence Hall, Benjamin Franklins Haus, die Congress Hall und andere Bauten. Ein Paar in Quäkerkleidung singt den Touristen ein frommes Quäkerlied vor und wir spenden natürlich für die Erhaltung dieses historischen Gebäudes.
Hier in Philadelphia wurde die Unabhängigkeitserklärung verfasst und unterzeichnet und hier läutete die Freiheitsglocke. Daher besuchen wir auch eine alte Druckerei wo wir druckfeucht die Unabhängigkeitserklärung kaufen können. Von soviel Geschichte sind wir hungrig und durstig geworden und in einem chinesischen Sb-Restaurant essen und trinken wir ganz passabel. Noch ein bisschen Freizeit und anschließend geht es nach New York, das heißt zuerst zu unserem Hotel, wie immer in der „Pampas“.

Diesmal heißt die „Pampas“ Nähe Flughafen New Jersey. (Übermorgen ist Rückflug nach Europa vom Kennedy-Airport, also da müssen wir ganz wo anders hin). Wie alle anderen Hotels ein Hotel Typ Hilton mit dem entsprechenden Komfort und mit einer mörderisch kalten Klimaanlage. Dieses Hotel ist unser letztes in den USA und wir bleiben hier die letzten zwei Nächte. Es ist später Nachmittag, wir machen uns etwas frisch und wir fahren mit dem Bus von New Jersey nach New York um New York bei Nacht zu sehen.

Eine gute halbe Stunde sind wir von New Jersey nach Manhattan unterwegs. Weit vor unserer Ankunft sehen wir die Sky-Line von Manhattan. Der  berühmte  „Big  Apple“ !

New York, New York! Wem fällt nicht der Hit von Frank Sinatra ein.
Es ist eine Stadt der Superlative und jede andere Metropole in den USA – ja die ganzen Welt misst sich mit New York. In Manhattan (die Indianer nannten diesen Teil Manahattan) kommt alles zusammen: Macht, Geld , Kultur und auch Elend. In den Achtziger-Jahren war Manhattan relativ dreckig und vor allem des Nachts, unsicher. Unter dem Bürgermeister Rodolfo Giuliani ist New York grüner, sauberer und sicherer geworden.

Lisa unser Local Guide ist eine Dame aus Paris, die aber schon 25 Jahre hier wohnt. Sie spricht ausgezeichnet deutsch und man hat vom ersten Augenblick das Gefühl, dass sie diese Stadt mag. Es ist noch hell und wir fahren zum Central Park. Dort ist was los, denn es ist Sonntag und ganze Scharen von Familien aller Hautfarben machen Picknick und erholen sich. Kinder laufen hin und her und auch Liebespaare suchen ein verstecktes Plätzchen. Das alles erfahren wir von Lisa, denn in der kurzen Zeit können wir natürlich nicht so universale Eindrücke gewinnen. Ich habe ein positives Gefühl hier.

Anschließend fahren wir entlang der Upper East Side des Parkes wo die teuersten Apartments stehen. Jacky Kennedy Onassis hat hier gewohnt und viele andere Celebrities. Natürlich viele meist jüdische Börsianer und Banker haben sich hier eingekauft. Frage nicht was so ein Apartment kostet. So etwas können sich nur Milliardäre leisten.

Und übrigens – New York ist – was Mieten anbetrifft und auch sonst – eine der teuersten, wenn nicht die teuerste Stadt der Welt. Man zahlt heute für ein Einzelzimmer, nicht in Manhattan natürlich sondern in der Bronx oder Queens (ca 10 m²) 900 Dollar Miete. Das ist völlig überzogen. Trotzdem, so informiert uns Lisa unser Guide reißen sich die Leute hier in New York zu wohnen. Verrückt!

Es beginnt jetzt schon dunkel zu werden, wir haben Hunger und Durst und Lisa lässt uns beim Grand Central Terminal aussteigen.

Der Grand Central Terminal, Ecke 42nd Street und Park Avenue ist einer der größten Bahnhöfe der Welt und wurde 1913 im Jugendstil erbaut. In den Achtziger-Jahren sollte der Bahnhof abgerissen werden und durch einen neuen Protzbau ersetzt werden. Es ist das Verdienst von Jacky Kennedy, die sich für den Erhalt des Jugendstil-Juwels einsetzte, dass das nicht passiert ist. Eine Gedenktafel erinnert im Foier des Bahnhofes daran. Zwei oder drei Rolltreppen führen in die Untergeschoße.

Wir kaufen uns ein paar Sandwiches und und etwas zum Trinken. Hilmar hat Lust auf ein Bierchen und bekommt die Bierdose in einem braunen Papiersackerl eingewickelt überreicht. Es ist verboten Bier öffentlich zu trinken und daher diese Tarnung. Wieder können wir die Hysterie bezüglich Alkohol nicht verstehen wenn auf der anderen Seite Waffen problemlos gekauft werden können.

Nun ist es schon völlig dunkel und – das ist der Höhepunkt für uns – Lisa führt uns zur neuesten Grünoase New Yorks. Der Park liegt auf einer alten Fracht-Bahnlinie. Die aufgelassene Bahnlinie auf der Westside der Stadt wurde hochgelegt und herrlich begrünt. Künstler, die Skulpturen gestalten, Spaziergänger aber auch Menschen, die auf einer der Bänke sitzen und relaxen bevölkern die Highline. Und – und das ist wirklich ungewöhlich für New York – es gibt auch eine Nudistenzone. Wir wandern die ganze Line entlang aber da die Beleuchtung sperlich ist sehen wir keine Nackerten.

Recht müde aber sehr beeindruckt fahren wir zum Hotel zurück. Bei der Rückfahrt haben wir die nächtliche Sky-Line von Manhattan vor uns.  Herrlich! Im Hotel angekommen fallen wir gleich ins Bett, denn morgen haben wir noch einen ganzen Tag New York vor uns.

30.5. New York bei Tag

Wir sind ausgeschlafen, das Frühstück war sehr gut und wir fahren pünktlich um 9 Uhr wieder von New Jersey nach Manhattan.

Zunächst machen wir mit Lisa eine Stadtrundfahrt und bleiben bei den markantesten Punkten stehen. Wahnsinn wie viele Wolkenkratzer es da gibt !

Außer dem Empire-State Building sind noch viele andere Wolkenkratzer sehenswert, alle mindestens 200 m hoch. Eigenartig ist das „Flat iron-Building" (Bügeleisen Haus) an der Kreuzung Brodway, Fifth Avenue aus dem Jahre 1902. Damit es überhaupt hinpasst wurde es dreieckig gebaut und an seiner Schmalseite ist es nur 2 m breit. An der Ecke Fifth Avenue machen wir Halt beim Trump-Tower. 202 m hoch Wir müssen sowieso pipi und Lisa verspricht uns die schönste Toilette New Yorks. Sie hat nicht zu viel versprochen. Im Inneren glänzt das Gebäude nur so von Gold und Spiegelglas. Die Hähne und Türgriffe der Toilette sind vergoldet. Überall stehen „Gorillas“ herum und es stinkt förmlich nach Geld. In seinem Trump-Tower gibt der Präsidentschaftskandidat seine Pressekonferenzen und hält gelegentlich auch die eine oder andere Brandrede gegen alle und gegen jedes.

Rockefeller-Center, Time-square. Natürlich steigen wir auch an der Wall-Street aus und fotografieren den „Bullen“ der Wall-Street. Hier werden pro Tag eine Milliarde an Aktien und Wertpapieren umgesetzt. Das Jahr 2008 wird in die Geschichte als Horrorjahr eingehen. Noch nie wurde an der Wall-Street soviel Vermögen verspekuliert. Dennoch, der nächste Crash ist absehbar, denn es wird, genauso wie vorher ungeregelt spekuliert!

Und nun zum Höhepunkt des Vormittags: Zum Ground Zero.

Seit dem 11. September 2001 ist nichts mehr wie es war. Die Twin-Towers des World Trade Centers wurden durch Terroranschläge zerstört. Am Standort der beiden Twin-Towers erhebt sich nun der einzelne Turm des neuen World Trade Centers. Mit 541m ist der neue Turm der höchste Wolkenkratzer New Yorks. Gestaltet wurde der Bau von David Childs.

Reflecting Absence (Nachdenken über Fehlendes) heißen die beiden Wasserbecken , die exakt in die Fundamente der eingestürzten Zwillingstürme eingelassen wurden. So werden die Grundrisse der beiden Türme in ihrer ursprünglichen Form erhalten. Unaufhörlich stürzen dort die Wassermassen 9 m in die Tiefe und übertönen den umgebenden Verkehrslärm. Jeder Tropfen eine Träne. In der Kupfer-Einfassung sind die Namen der fast 3000 Opfer eingraviert. Ringsherum ist ein Visitor-Center mit einem Eichenhain. Ein einziger Birnbaum befindet sich in diesem Hain. Der „Survivor“- Tree. Das ist der einzige Baum, der den Terroranschlag überlebt hat. Er wurde im Stadtgartenamt aufgepäppelt und wieder auf dem Ground Zero eingesetzt. Dort blüht er jedes Jahr mit herrlich weißen Blüten.

Wir sind beeindruckt und voll der Freude, dass das Leben allen Grausamkeiten zum Trotz überlebt hat.

Großartig ist auch der Ground Zero Bahnhof „Oculus“. Gebaut vom Stararchitekten Calatrava. Der Bau sieht aus wie eine riesige Friedenstaube und gibt den Blick auf das neue World Trade Center frei.

Wir sind fasziniert und positiv gestimmt von diesem Ort und würden noch etwas länger bleiben aber wir wollen eine Hudson-River Rundfahrt machen und müssen pünktlich am Kai sein. Natürlich hätten wir auch zumindest eines der berühmten Museen oder Galerien besucht, doch es ist keine Zeit – das müssen wir einsehen.

Wir machen noch eine kleine Rundfahrt durch den Stadtteil Greenwich Village.

Das Village ist ein Szeneviertel mit Cafes, Bars und Restaurants. In den Zwanziger Jahren war es das Montmartre von New York. In den 1970gern war das Village Zentrum der Schwulenszene von New York. Heute ist das Viertel saniert, denn reiche NewYorker haben das Viertel für sich entdeckt. Dustin Hoffmann lebt hier.

Da auch keine Zeit vorhanden ist direkt zur Liberty Statue zu fahren wollen wir sie wenigstens vom Schiff aus sehen und auch die andere Umgebung rund um Manhattan ist sicher sehenswert.

Pünktlich sind wir am Pier von wo unsere Hudson-River-Rundfahrt startet. Das Wetter ist nach wie vor angenehm. Wir möchten den Blick über die Hudson-Bay genießen und natürlich, wenn auch von Ferne, die Freiheitsstatue sehen. Wenn angenehme Musik aus dem Lautsprecher uns begleiten würde, wäre es fein. Unangenehm ist aber der Guide, der im ärgsten Texas - Slang und für uns unverständlich die Fahrgäste ununterbrochen mit Informationen zudröhnt. Wahrscheinlich hat der Mann ursprünglich in Texas Rinder-Auktionen geleitet.

Wir sind froh – und das sollte ja nicht so sein – als die Rundfahrt zu Ende ist. Beim Einsteigen in den Bus frage ich Armin was das für ein unverständliches Englisch war und er sagt, er hat auch nichts verstanden. Da bin ich beruhigt, denn ich glaubte es läge an meinen mangelhaften Englischkenntnissen.

Nun zum letzten Punkt unserer New York Tour:

Das berühmte Empire- State-Building.

Es wurde 1929 begonnen und 1931 vollendet. Das Gebäude ist noch immer der Inbegriff des Wolkenkratzers und der Besuch ist natürlich Pflicht. Es ist mit Antenne 443,18 m hoch. Mit 73 Aufzügen gelangt man zum 83igsten Stock. Man kann noch zum 102ten Stock weiterfahren aber da muss man extra Eintritt zahlen. Dazu haben wir keine Lust, denn auch vom 83igsten Stock ist die Aussicht über das Wolkenkratzer-Meer von New York phenomenal.

Zwei Stunden haben wir noch Zeit bis zur Abfahrt zum Hotel in Jersey. Wir bemerken, dass wir hungrig und durstig sind, denn wir haben seit dem Frühstück nichts gegessen. Ich möchte in eine Imbisskette gehen – schließlich wissen wir da schon was uns erwartet – aber Hilmar schlägt vor in den nahe gelegenen Washington Square park zu gehen. Dort gibt es jede Menge kleine Kioske mit internationaler Küche. Wir landen bei einem Inder, der uns in unverständlichen englisch Fleischspieße aufschwatzt. Das Zeug ist furchtbar teuer und erweist sich als nahezu ungenießbar. Wir geben die gesamte Portion einem vorübergehenden Strotter, der offensichtlich erfreut ist. Vielleicht haben wir ein gutes Werk getan!

Wir bleiben also hungrig und durstig. Im Vorbeigehen kaufen wir uns im Starbuk Cafe irgendwelche Yoghourtgetränke, denn es ist schon knapp vor der Rückfahrt zum Hotel. Im Vorbeigehen beschimpfe ich noch den Base-Ball-Kapl-Inder, der aber telefoniert seelenruhig weiter. Nicht einmal als ich ihm versichere, dass er schlechtes Karma sammelt reagiert er.

Irgendwie ist der letzte Teil unserer New York Tour nicht so angenehm. Vielleicht sind wir auch schon müde – es war ja heute eine Gewalttour. Ein paar junge Leute aus unserer Gruppe bleiben noch und werden später mit den Öffis ins Hotel nach New Jersey kommen. Wir sind jedenfalls froh zurückzufahren. Am nächsten Tag, 30.5. fliegen wir zurück nach old Europe!

31.5. Abschied von New York

Nun kommt der langweilige Teil der Reise: Warten auf den Transfer-Bus zum Flughafen J.F. Kennedy. Wir verabschieden uns von Lori, unserer tollen Chauffeuse mit entsprechendem Trinkgeld natürlich und auch Armin unser Guide wird mit Trinkgeld bedacht. Beide haben es sich redlich verdient und wie in Amerika üblich und frei heraus haben beide uns schon am Beginn der Reise mitgeteilt, was sie an Trinkgeld zu bekommen haben. Der Transfer-Bus ist zum Glück rechtzeitig da, denn der Verkehr von New Jersey zum Flughafen  J.F. Kennedy ist mörderisch. Armin begleitet uns zum Einchecken, verabschiedet sich auch schnell, denn er wartet bereits auf seine nächste Gruppe.

In Amsterdam haben wir leider 5 Stunden Wartezeit bis zu unserem Anschlussflug nach Wien. Total geschlaucht und müde kommen wir zu hause an und schlafen uns zunächst einmal gründlich aus.

 8500 km haben wir mit dem Bus von San Francisco bis New York zurückgelegt. Diese Amerikareise war wirklich interessant, ja phantastisch und die Eindrücke und Erkenntnisse werden wir nie vergessen. Dennoch sind wir froh wieder daheim in Wien zu sein. Am nächsten Tag, beim Heurigen wird uns bewusst wie gut wir es haben. Wenn wir auch -  und meist zu Recht raunzen und meckern – am schönsten ist es doch zu hause! 

Epilog:

Amerika und die ganze Welt ist geschockt! Nun ist das Trauma passiert!
Am 9.11. 2016 wurde Donald Trump zum 45-igsten Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt. Jener Widerling, der alle beleidigt und herunter gemacht hat: Frauen, Schwarze, Latinos. Dieser Mann negiert den Klimawandel und will aus allen Klimavereinbarungen aussteigen. Ein Rückschritt für die USA, ja für die ganze Welt.
Heute, es ist eine Woche danach, der 16.11. versucht man weltweit zu analysieren, wie es dazu kommen konnte. Es gibt Ausschreitungen in allen großen Städten der USA. Wir alle sind ratlos und müssen abwarten.
Vielleicht ist Trump ein Schaf im Wolfspelz? Die Hoffnung stirbt zuletzt!

Und noch etwas: Meine historischen Weisheiten und Daten habe ich natürlich aus der Wikipedia bezogen und bedanke mich bei dieser Gelegenheit für diese Möglichkeit der Information.

Zuletzt wünsche ich allen Interessierten, die meine Home-Page besuchen hoffentlich viel Freude mit diesem Reisetagebuch.

Antonia Schüller