Deutschland, ein Herbstmärchen?



Wichtige Notiz: Für diesen Bericht wurden einzelne Passagen mit Hilfe vom Reiseführer „Baedeker ® “ und auch der „Wikipedia ® “ verwendet.


Es ist der 7. Oktober 2018. Ein goldener Herbsttag. Nach dem extrem warmen und trockenen Sommer, den wir in Hilmars Landhaus im Weinviertel verbracht haben brechen wir heute zu unserer Deutschlandreise auf. Eine Woche werden wir unterwegs sein, möchten die kleinen Städtchen entlang der romantischen Straße kennenlernen, über Baden Württemberg nach Trier fahren und von dort unser Hauptziel, Aachen die Krönungsstadt der deutschen Könige erreichen.

Es ist ein milder, allzu warmer Herbsttag und wir brechen zeitig auf. Wir das ist Hilmar, Ute und ich. Ach ja! Ach ja! dass es zu keinem Irrtum kommt! Ute ist keine Freundin oder Verwandte – Ute ist unser Navi. Ich habe das Navi – natürlich die Computerstimme des Navis Ute benannt wegen der bundesdeutsch klingenden Stimme. Unser früheres Navi hieß Susi. Susi war technisch nicht so perfekt wie ihre Nachfolgerin Ute aber auch Susi hat uns überallhin sicher geführt. Wegen der sanften Stimme haben wir das alte und leider entschlafene Navi Susi genannt.

Hilmar ist ein Fan von Ute. Blind folgt er ihren Anweisungen ganz gleich wie und wohin Ute uns führt. Ich bin da skeptischer und wir werden während der Reise einige Diskussionen wegen Ute führen.

Soviel Einleitung zu unserer Reise. Wir starten um 8 Uhr früh bei herrlichem Wetter und bester Laune. Das Autoradio spielt  annehmbare Musik und ich trällere mit. Unser erstes Ziel ist Augsburg wo wir übernachten werden und es ist ein schönes Stück an Kilometern vor uns. Ein paar Mal machen wir Pause aber ehe wir es uns versehen sind wir an der Grenze. Nicht an der deutschen Grenze Passau sondern Salzburg und da führt kein Weg an München vorbei. Und da kommt der erste Wickel wegen Ute. Augsburg liegt schon näher bei München und über Passau, das nördlich liegt wäre es wohl ein Umweg. Aber wir würden uns die Durchfahrt von München ersparen, die ich noch im Gedächtnis von anderen Deutschlandreisen habe.

Jetzt ist es schon zu spät! „Die Ute weiß schon was sie tut!“ ist Hilmar überzeugt. „Wahrscheinlich ist bei Passau ein Stau! "
meint er. Also den Stau haben wir auch an der Salzburger Grenze: Baustellen und Grenzkontrollen.

Und so geht es mit Stau weiter! Die unselige Ute führt uns, jetzt gibt es kein Entrinnen mehr-durch München, das noch immer keine Umfahrung besitzt. Scheinbar gibt es, so wie bei uns auch nur Ankündigungen und es geschieht nichts. Ute hat das auch nicht gewusst und so zockeln wir zwei Stunden unfreiwillig durch die Vororte von München. Natürlich ist der obligate Stau auch unser Begleiter.

Später als wir vorhatten erreichen wir Augsburg, Checken im Hotel, das sehr zentral liegt ein und erkunden das Zentrum.

Ein paar Worte über Augsburg: (Bei dieser Gelegenheit möchte ich vorausschicken, dass ich meine Weisheiten aller von uns bereisten Städte vom „Baedeker“ und „Wikipedia“ habe.

Augsburg


Augsburg war eine wohlhabende Reichs- und Handelsstadt und wurde durch Textilherstellung und andere Handwerke wohlhabend. Reiche Kaufleute wie die Fugger und die Welser hatten ihren Sitz in Augsburg. Historisch berühmt ist die Hochzeit von Erzherzog Ferdinand von Tirol mit der reichen aber nicht standesgemäßen Kaufmannstochter Philippine Welser. Reichstage der Kurfürsten fanden in Augsburg statt. Die freie Reichsstadt (seit 1276) war im 15. u. 16. Jahrhundert der bedeutendste Umschlagplatz in Süddeutschland. Aus einem römischen Militärlager  (15 v. Chr.) entwickelte sich unter Augustus die Siedlung Augusta Vindelicum, später Augsburg. Vielleicht eine der wichtigsten Ereignisse: Auf dem Reichstag 1530 proklamierten die protestantischen Fürsten die grundlegenden Bekenntnisse der lutherischen Kirche, das „Augsburger Bekenntnis“. Der dreißigjährige Krieg beendete die wirtschaftliche und kulturelle Blüte Augsburgs. 1806 kam die Stadt an das Königreich Bayern. Augsburg ist nach München und Nürnberg die drittgrößte Stadt Bayerns.







Wir schlendern durch die Altstadt mit ihren Patrizierhäusern, Kirchen und Klöstern, die uns von der Pracht und Größe Augsburgs erzählen. Der Dom besitzt ein prächtiges Südportal und eine Bronzetür aus dem 11. Jahrhundert.
Im Inneren beeindruckt uns die reine Gotik – keine Barockisierung um jeden Preis wie sie sonst in Bayern aber auch in Österreich geschehen ist. Bemerkenswert ist das Altargemälde von von Hans Holbein d.Ä. Und die fünf Fenster an der Südseite, die als die ältesten figürlichen Glasmalereien Deutschlands gelten. (Propheten-Darstellungen Mitte 12. Jh.)






Nach so viel Kultur knurrt uns der Magen und auf Empfehlung einer netten Augsburgerin kehren wir in ein typisches bayrisches Lokal ein. Hilmar lechzt schon nach dem guten Bier, das hierzulande gebraut wird . Das Essen ist gut, die Bedienung ist freundlich und die Preise sind mäßig. Was will man mehr!


Wir machen noch einen Spaziergang zum Hauptplatz, der nunmehr beleuchtet ist. Er wird von Mc Donalds dominiert. Mc Donalds wird uns auf unserer weiteren Reise immer wieder verfolgen. Da kann man nichts machen! Nun spüren wir und vor allem Hilmar, der ja eine Maraton- Autostrecke bewältigt hat wie müde wir sind und gehen ins Hotel zurück. Morgen geht es weiter entlang der romantischen Straße.

8.10.

Frisch ausgeschlafen machen wir uns auf den Weg. Unser Ziel ist heute der berühmteste Teil der romantischen Straße.

Die romantische Straße:

Sie erstreckt sich vom Main über Franken, ein Stück oberbayrisches Gebiet bis zum Alpenrand im Ostallgäu. Insgesamt 413 km von Würzburg bis Füssen.

Wir fahren nur einen Teil der romantischen Straße ab, nämlich die Städte Nördlingen, Dinkelsbühl, Feuchtwangen und die berühmteste der romantischen Städte: Rothenburg. Würzburg das Zentrum haben wir schon zweimal besucht – eine sehr schöne barocke Stadt, Zentrum des Weinanbaues. Also in diesem Fall lassen wir Würzburg links liegen und konzentrieren uns auf die kleinen Städte mit den schönen Hauptplätzen und schmucken Fachwerkshäuser.
Unser erstes Ziel ist

Nördlingen

War im Mittelalter eine wichtige Handelsstadt für Getreide, Vieh, Textilien und Metallwaren. 1238 zerstörte ein Brand große Teile der Stadt. 1327 wurde der noch heute bestehende Mauerring gebaut. Die Stadt gehört zur protestantischen Minderheit.

Man möchte annehmen, dass die Reformation auch eine Reformation des mittelalterlichen, katholischen Aberglaubens gebracht hätte. Aber dem war nicht so. Zwischen 1589 und 1598 wurden 34 Frauen und ein Mann wegen Hexerei auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Die St. Georgskirche natürlich gotisch ist sehenswert.Die Stadtmauer ist vollständig erhalten und man kann sie rundherum begehen. Auch der Marktplatz ist von malerischen Fachwerkhäusern umgeben. Aber Mc Donalds und Co haben sich auch dort etabliert.





Interessant: unter anderem stieg Maximilian der I, 1548 Karl der V, und 1788 Goethe im Gasthaus zur Sonne ab. Die amerikanischen Astronauten des Apollo-Mondfahrprogramms nahmen 1970 dort Quartier.







Und wir fahren zum nächsten romantischen Städtchen nach

Dinkelsbühl

Ähnlich wie alle kleinen Städtchen an der romantischen Straße präsentiert sich uns Dinkelsbühl mit dem gleichen Aussehen wie Nördlingen und später Rothenburg. Vor allem ist uns Dinkelsbühl besonders grün und mit Blumen an den Fenstern in Erinnerung. Auch Dinkelsbühl ist komplett von einer Stadtmauer umgeben.

Im 12. Jh. wird eine Schenkungsurkunde erwähnt und zwar von Kaiser Barbarossa an seinen Sohn Konrad von Rothenburg. Ab da gelangt Dikelsbühl zu Wohlstand (Wolltuchgewerbe). Dinkelsbühl ist ab 1534 mehrheitlich evangelisch. Ab 1546, nach dem Sieg von Kaiser Karl V über den Schmalkaldischen Bund wird Dinkelsbühl katholisch. Im Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) wechselt Dinkelsbühl achtmal den Besitzer. Letztlich erobern die Schweden Dinkelsbühl und ab da bleibt Dinkelsbühl von Plünderungen verschont.

1802 wird Dinkelsbühl bayrisch und König Ludwig dem I ist es zu verdanken, dass die Stadt ihr mittelalterliches Aussehen behält. Ab Ende des 19. Jahrhunderts wird Dinkelsbühl bei den romantischen Malern sehr populär. Während des 2. Weltkrieges wird Dinkelsbühl nicht bombardiert.





Wir schlendern durch die Stadt, die uns durch die Fachwerkhäuser am Marktplatz niedlich anmutet.






Das täuscht aber, denn auch hier wurden fleißig Hexen verbrannt. Beim alten Rathaus kann man eine Folterkammer besichtigen. Ohne mich! Das halte ich nicht aus! Aber Hilmar lässt es sich nicht nehmen in den Keller zu steigen.

Erkenntnis meinerseits: Waren die Zeiten schlecht – vor allem vor dem Dreißigjährigen Krieg dann hatten die Frauen schuld an Missernten, Hungersnot und Kälte. Hoffentlich kommt das nicht wieder, denn wir sind ja Klimaveränderungen ausgesetzt! Tja!

Unser nächstes Ziel an der romantischen Straße ist


Feuchtwangen


Geologisch liegt Feuchtwangen auf der „Frankenhöhe“. Charakteristisch für diese Landschaft ist der durch die sogenannte „Keuperschichte“ entstandene Wechsel von tiefen Talsenken und meist bewaldeten Höhenzügen.

Auch Feuchtwangen litt sehr im Dreißigjährigen Krieg. Der Feldherr Tilli und seine Soldateska sowie 1634 die Schweden nahmen alles mit was an Besitz noch vorhanden war.

Seit dem 13. Jh. besaß Feuchtwangen eine große jüdische Gemeinde, die über die Jahrhunderte immer durch Verfolgungen reduziert wurde. Das schlimmste Pogrom war das November-Pogrom 1938. Die Synagoge wurde niedergebrannt. In der Folge verließen alle jüdischen Einwohner die Stadt und bis Mitte des Zwanzigsten Jh. verarmte die Stadt. Erst mit dem Zuzug von Heimatvertriebenen nach dem Krieg begann ein erneuter Aufschwung.

Schön und sehenswert ist der romanische Kreuzgang, die Feuchtwanger Handwerksstuben sowie die Stiftskirche.






Wir wollen ja noch den berühmtesten Ort auf der romantischen Straße, Rothenburg ob der Tauber erreichen. Daher fahren wir weiter.

Rothenburg o.d. T.

Liegt an der Grenze zu Baden-Württemberg. Durch die bis heute erhaltene mittelalterliche Altstadt ist Rothenburg eine weltbekannte Sehenswürdigkeit, die bereits vor dem Zweiten Weltkrieg Zielort des Tourismus war. Natürlich ist Rothenburg Unesco-Weltkulturerbe. Vor allem – und das können wir bestätigen – zieht es Scharen von japanischen Touristen nach Rothenburg.

Auch hier wütete der Dreißigjährige Krieg 1631 und in der Folge verlor die Stadt an Bedeutung. Der Vorteil war aber, dass das mittelalterliche Stadtbild erhalten blieb.

Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges wurde am 31. Mai 1945 etwa 45% der Bausubstanz Rothenburgs durch die US-Luftwaffe beschädigt bzw. zerstört. Nach dem Krieg wurden die Gebäude originalgetreu wieder aufgebaut.


Roth01




Natürlich sollte man mehr Zeit aufwenden um alle Denkmäler und Bauten zu besichtigen. Wir gehen an den Häusern des Marktplatzes vorbei (Rathaus, Fleisch- und Tanzhaus) um nur einige der Fachwerkhäuser zu nennen.

Obwohl es schon spät ist haben wir Glück und können noch kurz in die St. Jakobskirche schlüpfen um eines der wichtigsten Kunstwerke Frankens-Bayerns, den Heiligenblut-Retabel 1500 bis 1505 von Tilman Riemenschneider  bewundern.







Mittlerweile dämmert es schon und da wir vom vielen Besichtigen müde geworden sind fahren wir nunmehr ins Baden-Württembergische nach Weinsberg und in unser nächstes Hotel. Es ist eine bescheidene Unterkunft, auch sehr preiswert. Uns hat der Name „Hotel Weibertreu“ irgendwie dazu animiert, da Quartier zu nehmen. Was es mit diesem Namen auf sich hat werden wir am nächsten Morgen erfahren.

Die Wirtin ist gebürtige Bulgarin. Nicht unfreundlich aber bestimmt teilt sie uns mit, dass Frühstück von 8 bis 8 Uhr 30 serviert wird. Sei es drum! Wir wollen ja sowieso früh weiter.

Wir sind hungrig und auf Anfrage bei der Hauswirtin bezüglich Restaurants empfiehl sie uns ein chinesisches Restaurant ganz in der Nähe. Das Lokal erweist sich als Glücksfall – das chinesische Essen ist leicht, schmackhaft und preiswert. Ansonsten hätten wir nur die Wahl gehabt zwischen einem Kebab-Lokal oder einem Steakhaus mit gehobenen Preisen. Nach dem Nachtmahl spazieren wir noch zum Hauptplatz von Weinsberg.

Vor dem Rathaus fällt uns eine Bronze-Skulptur auf, die Frauen zeigt, die ihre Männer Huckepack bergab schleppen. Am folgenden Tag werden wir erfahren was es damit auf sich hat.

9..10.

Weinsberg und Burgruine „Weibertreu"

Es ist ein herrlicher Herbsttag und die Sonne begleitet uns,  so wie jeden Tag unserer Reise schon vom Morgen an.

Die Stadt Weinsberg wurde 1200 gegründet  und hat ca 12 000,- Einwohner. Bekannt ist Weinsberg für den Weinbau. Der Wein wird teilweise, so wie bei uns in der Wachau in Terrassen angebaut.






Und jetzt werden wir über den Namen „Weibertreu“ aufgeklärt, denn während wir den Weinhügel hinauf spazieren informieren uns Schautafeln über die Geschichte der Burg und des ganzen Gebietes:

Die Geschichte erzählt uns, dass es wieder einmal Streitereien um die Herrschaft der Welfen und Staufer im Reich gab. Der Staufer König Konrad III  und seine Mannen belagerten die Burg mehrere Wochen lang und schlugen in offener Feldschlacht die Welfen.

Der König versprach den Frauen auf der Burg freien Abzug und gab die Erlaubnis, dass jede forttragen durfte was sie auf ihren Schultern vermöchte. Auf die Männer wartete die Hinrichtung – hatten sie doch auf Seiten der Feinde gekämpft.

Die Frauen nahmen den König beim Wort und trugen ihre Männer huckepack den Hügel herab. Der König musste sein Wort halten und ab da gingen die „Treuen Weiber von Weinsberg“ in die Geschichte ein. Also nun wissen wir es!





Ich sinniere ein wenig über diese Geschichte: Wenn die Geschichte heute passiert wäre – abgesehen davon, dass das unmöglich wäre – weiß ich nicht ob jede der Frauen so selbstlos und treu gehandelt hätte. Etliche wären froh ihren Haustyrannen los zu sein. Man muss die Geschichte aber mit dem Blick auf die damalige Zeit, das Mittelalter sehen. Die Frauen und Kinder waren total von ihren Ehemännern abhängig. Wenn der Mann starb oder in diesem Fall hingerichtet werden sollte war das Los der Frauen und Kinder betteln zu gehen oder Hungers zu sterben. Da lobe ich mir doch die Gegenwart wo Frauen ihr eigenes Einkommen haben.

Von der Burgruine aus blicken wir auf die liebliche Landschaft auf die  Weinberge und auf die Stadt. Man kann sich vorstellen, dass diese Landschaft die Dichter der Romantik zum Beispiel Hölderlin beeinflusst hat.

Wein hätten wir hier kaufen können aber wir wollen ja noch zum Rhein und da wird es sicher genügend Kellereien geben um Rhein-Riesling zu kosten und zu kaufen. Dachten wir, aber wir lagen leider falsch!

Gerne wären wir zwischen den Weingärten gewandert aber heute haben wir ein ganz schönes Stück Weg vor uns nämlich die Stadt an der Mosel – Trier.

 An dieser Stelle vielleicht etwas über die deutschen Autobahnen und ihre Benützer:


Es existiert in Deutschland ein Riesen Netz von Autobahnen und man hat zeitweise das Gefühl, dass sich der ganze Verkehr – vor allem der Schwerverkehr auf der Autobahn abspielt. Dabei kommt  ein großer Anteil der Lastautos von den östlichen EU-Ländern. Natürlich Schwerverkehr aus den  Niederlanden, Belgien und Frankreich sind vor allem in den Grenzregionen unterwegs und natürlich auch die deutschen schweren Brummer. Das strapaziert die Autobahnen erheblich und größere und kleinere Strecken müssen laufend repariert werden. Und das verursacht wieder oft Kilometer langen Stau. Im Laufe unserer Reise sind wir ein paar Mal in den Stau gerutscht. Da muss man halt Geduld haben! Hilmar behauptet, dass die Deutschen schlechte Autofahrer sind. Das kann man, glaube ich so nicht behaupten. Es sind halt sehr viele unterwegs und zwar zu jeder Tages- und Nachtzeit.

Was aber wirklich nicht angenehm ist, dass es wenig Autobahn-Raststätten gibt. Und die wenigen sind ziemlich überfüllt. Während unserer heutigen Strecke nach Trier -  und das ist von Baden-Württemberg  aus eine ganz schöne Strecke – wird es für mich bezüglich Toilette-Aufsuchen ziemlich knapp. Die erst beste Raststätte nach Weinsberg aufzusuchen ist noch nicht notwendig. Aber anschließend kommt keine weitere. Letzten Endes und knapp bevor wir die Autobahn verlassen entdecken wir doch noch eine kleine Raststätte für LKWs und da gibt es zum Glück ein sauberes, komfortables WC.





Ach ja – und jetzt kommt wieder Hilmars Liebling, die Ute ins Spiel: Ute, also unser Navi führt uns etwas zu früh von der Autobahn weg. Ich hege meine Zweifel, ob Ute richtig liegt und sage es auch. Aber Hilmar ist so felsenfest überzeugt von Utes Anweisungen und als ich weiter insistiere sagt Hilmar: „Das wird seinen Grund haben!“ Punkt um! Und so fahren wir durch Feld und Flur in der Gegend vor Trier herum und kommen natürlich später in Trier an als wir gerechnet haben. Aber! Ich sage nichts mehr!

Bei herrlichem Wetter, das uns die ganzen acht Tage begleiten wird kommen wir bei unserem Hotel an. Da hat uns Ute sehr zuverlässig hingeführt und ich versöhne mich einstweilen mit ihr. Das Hotel ist ein langgestreckter Bau an der Hauptstraße, die direkt zur Porta Nigra und zur Fußgängerzone führt.

Nun einige Worte über Trier – wie immer mit Hilfe der weisen Wikipedia:

Trier:

Trier ist eine kreisfreie Stadt im Westen des Landes Rheinland Pfalz mit etwa 110 000 Einwohner. Nach Mainz, Ludwigshafen und Koblenz ist Trier die viertgrößte Stadt von Rheinland Pfalz.

Die Stadt wurde vor mehr als 2000 Jahren unter dem Namen Augusta Treverorum (ab der zweiten Hälfte des 3. Jh. Treveris) gegründet. Trier ist die älteste Stadt Deutschlands. Sie wurde bereits von den Römern als Stadt anerkannt – als Gegensatz zu den römischen Heerlagern.

Die römischen Baudenkmäler zählen seit  1986 zum UNESCO-Weltkulturerbe. Zum Beispiel Amphitheater, Konstantinsbasilika, Porta Nigra, Römerbrücke etc. Der Dom und die frühgotische Liebfrauen-Kirche sind Monumente aus dem Mittelalter.





Trier ist Sitz einer Universität und der Hochschule Trier und diverser Verwaltungsbehörden. Und – nicht zu vergessen – Trier ist Geburtsstadt von Karl Marx 1818 bis 1883 Philosoph, revolutionärer Denker und Pragmatiker, der die Proletarier aller Länder, vor allem des Ostens von Russland bis China vereinigt hat und – das kann man mit Fug und Recht sagen – die Welt veränderte. Leider konnten sich seine kommunistischen Theorien der Gleichheit aller nicht durchsetzen. Alle sind gleich aber es gibt noch „gleichere“! So ist es eben und mehr ist dazu nicht zu sagen!

Konstantin der Große, römischer Kaiser residierte auch in Trier. Die Porta Nigra ist wohl das bekannteste Bauwerk aus der Römerzeit, wurde ca 170 nach Christus errichtet und war ein römisches Stadttor.








Die Römerbrücke datiert bereits von 18 v. Christus und war eine Pfahljochbrücke.  Die erste Steinbrücke wurde 45 nach Christus errichtet. Im Mittelalter und bis zur Neuzeit war der Erzbischof von Trier einer der kirchlichen Kurfürsten und der mächtigste.





Also: wir befinden uns in der ältesten Stadt Deutschlands und auf historischem, römischen Boden und – das muss man den  Römern lassen – sie wussten wo es sich gut leben lässt. Unter dem milden Klima gediehen die aus Rom importierten edlen Reben prächtig und sie gedeihen entlang der Mosel auch heute noch prächtig.

Wir schlendern die Hauptstraße entlang und gelangen zur Porta Nigra. Schon eindrucksvoll! Jahrtausende blicken auf uns herab. Umso gemeiner ist es aber, dass auf der Innenseite dieses Jahrtausende alten Bauwerkes etwas gesprüht wurde, das nur mühsam und nicht zur Gänze entfernt werden konnte.  Menschen ohne Hirn und ohne Empfinden, die nur da sind um zu zerstören gibt es leider haufenweise!

Natürlich besichtigen wir die wirklich sehenswerte hochgotische Lieb-Frauenkiche.






Noch andere Denkmäler aus der Römerzeit und das Denkmal des berühmten Sohnes Triers, Karl Marx, das von der Volksrepublik China gestiftet wurde schauen wir uns an. Da es aber schon etwas spät geworden ist möchte ich vor allem zur Mosel. Vielleicht gibt es noch, obwohl es schon nach 16 Uhr ist eine Mosel-Rundfahrt. Wir hasten zum Fluss und tatsächlich! Ein Rundfahrts-Schiff ist Ablege-bereit. Ach wie schön! All die Mosel - und Rheinromantik und all die Lieder, die es darüber gibt steigen in mir auf.

Wir genießen die Fahrt. Die Sonne, die schon sehr tief steht spiegelt sich im Wasser und tausend kleine Lichter tanzen auf den Wellen. Per Tonband bekommen wir Erklärungen und Hinweise. Zum Beispiel die Mariensäule, die wahnsinnig hoch ist wird erwähnt. Außerdem fahren wir unter der antiken Römerbrücke durch. Wir kosten auch den berühmten Moselwein. Vielleicht ist es nicht der beste Tropfen, den wir serviert bekommen aber der Wein begeistert uns nicht sehr. Da gibt es bei uns im Weinviertel oder in der Wachau etwas besseres. Möglicherweise  sind wir auch unseren gewohnt . Nach einer Stunde legen wir wieder an unserem Ausgangspunkt an. Eine sehr nette, angenehme Fahrt – nur mit Musik, Mosel Liedern usw. war nichts. Das Personal bestand, wie auch bei uns in der Wachau aus Menschen, die aus allen Ländern der EU zugewandert sind. Da kann man nicht verlangen, dass sie die passende Mosel-Musik auflegen. Ich kann mir ja Mosel- und Rheinlieder vom You Tube anhören. Geht auch!





Jetzt sind wir aber recht hungrig geworden. Wir essen beim Italiener in der Fußgängerzone. Es ist mittlerweile auch dunkel geworden. Wir schlendern noch die Straße entlang und haben das Vergnügen die Porta Nigra bei Nacht und beleuchtet zu sehen. Dann aber ab ins Hotel, denn wir sind natürlich auch schon müde.

11.10, 12.10, 12 auf 13. 10.

Man merkt es an der Datums-Angabe: Wir sind unterwegs nach Aachen – unser Hauptziel und dort werden wir zwei Tage verbringen. Die Autobahn ist – wie immer stark befahren. Es ist eine ziemlich lange Strecke von Trier nach Aachen und wir fahren größten Teils auf der belgischen Autobahn. Die Grenze nach Belgien fällt kaum auf – ist ja EU-Land. Das Wetter – ich wiederhole mich, aber in diesem Fall wiederhole ich mich gerne – es ist traumhaft schön! Blauer Himmel ! Am Vormittag sind die Temperaturen sehr angenehm. Gegen Mittag steigen sie auf bis zu 25, 26 Grad. Ungewöhnlich für diese Jahreszeit. Immerhin ist es Mitte Oktober. Der Klimawandel macht  sich tatsächlich schon bemerkbar. Die Erderwärmung schreitet fort und wir wissen nicht wo das endet und welche Auswirkungen sie haben wird. Ein Problem, das wir alle lösen müssen und das immer schwieriger werden wird. Vor allem wenn der Leader des mächtigsten Landes der Welt den Klimaschutz negiert oder herunterspielt.

Während solcher problematischer Gedanken haben wir bereits die Vororte von Aachen erreicht. Im Geschichtsunterricht haben wir sehr viel über Karl den Großen gehört, der ja ein Riesen Reich erobert und befriedet hat. Endlich werden wir seinen Thron und sein Grabmal sehen! Unser Hotel liegt - wie immer bisher sehr günstig! In zehn Minuten sind wir in der Innenstadt.

Nun wieder einige Daten über Aachen im allgemeinen :

Aachen:

Ist eine kreisfreie Großstadt im Nordrhein-westfälischen Regierungsbezirk Köln und grenzt an die Niederlande und Belgien. Das Wahrzeichen der Stadt ist der Aachener Dom, der auf die Pfalzkapelle im karolingischen Stil zurückreicht. Gemeinsam mit dem Domschatz wurde Aachen 1978 in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen. Karl der Große gründete hier die Aachener Königspfalz und machte Aachen zum kulturellen und spirituellen Zentrum seines Reiches. Karl der Große, dessen Reich ganz Mitteleuropa umfasste wurde zurecht „Pater Europae“ (Vater Europas) genannt. Hier wird seit 1950 jährlich der internationale Karlspreis für Verdienste um den europäischen Einigungsprozess verliehen. Ich glaube heuer wurde der Preis an den französischen Präsidenten Emmanuel Makron verliehen.






Aachen verfügt über eine der größten technischen Universitäten Europas und – Aachen ist staatlich anerkanntes Heilbad. Schon die Römer benützten die warmen Heilquellen.

Aber jetzt zum Hauptakteur von Aachen:
Karl der Große war von 768 bis 814 König des fränkischen Reiches. Am 25. Dezember 800 wurde er zum ersten Kaiser des römisch-deutschen Reiches in Rom gekrönt. Durch dauernde Feldzüge konnte Karl der Große seine Macht erweitern. Besonders verlustreich und erbittert waren die Sachsenkriege. Das Ziel Karls der Großen war die Unterwerfung und Zwangschristianisierung der Sachsen, was letztlich auch gelang. In Italien eroberte er das Langobardenreich. Der Feldzug gegen die Mauren in Nordspanien scheiterte hingegen. Das immens große Reich wurde durch die Einrichtung von Marken gesichert. Und Karl der Große sicherte das Reich durch eine effektive Verwaltung. Er wird sowohl in der Reihe der römisch-deutschen Kaiser als auch der französischen Könige als Karl I gezählt.

Seine Hauptresidenz Aachen blieb bis ins 16. Jh. Krönungsort der römisch-deutschen Könige.

Wir sind gut in der Zeit und gehen ins Zentrum zum Dom mit dem Grabmal Karls des Großen und mit seinem Thron.

Der Dom auch Aachener Münster ist das bedeutendste Wahrzeichen von Aachen. Er besteht aus mehreren Teilbauten vom Frühmittelalter bis zur Neuzeit. Der bedeutendste Teil ist das karolingische Oktogon – ehemals die Pfalzkapelle. Der Aachener Dom ist über 1200 Jahr alt.





Wir machen eine Domführung mit. Ehrfürchtig betrachten wir den Karlsschrein aus dem Jahre 1215 mit den Gebeinen Karls des Großen. Die Führerin klärt uns auf, dass nur die Hälfte der Gebeine Karls des Großen im goldenen Karlsschrein ruhen. Die andere Hälfte wurde – sehr geschäftstüchtig - von Reliquienhändlern verschachert.





Der Marienschrein beherbergt die vier großen Aachener Heiligtümer: Jesu Windel, sein Lendentuch, das Kleid Mariens und das Enthauptungstuch von Johannes dem Täufer. Seit dem Pestjahr 1349 werden diese Reliquien alle 7 Jahre (Aachener Heiltumsfahrt) den Gläubigen gezeigt. Der Schrein ist, ebenso wie der Karlsschrein ein Beispiel gotischer Goldschmiedekunst. Der Barbarossa-Leuchter ist ein Radleuchter von 4,16m Durchmesser und hängt etwa 4 Meter über dem Boden des Oktogons herab.






Ein berühmtes Gnadenbild befindet sich im Dom.  Die erste Figur verbrannte und wurde neu aus Lindenholz geschnitzt. Diese Madonna besitzt  40 kostbare Gewänder und zahlreiche Schmuckstücke – Stiftungen von lukrativen Gläubigen und zum Beispiel auch Staaten (böhmisches Krönungsornat und Krone). Die Gewänder werden wir noch morgen im Domschatz sehen.

Höhepunkt ist der Thron Karls des Großen:
Er wurde 790 im Auftrag Karls des Großen errichtet. Er besteht aus vier mit bronzenen Klammern zusammen gehaltenen Marmorplatten. Die Marmorplatten wurden um 800 der Grabeskirche in Jerusalem entnommen – sprich entwendet. Auf einer der seitlichen Platten findet sich eingeritzt ein altes Mühlespiel. Viele Mythen und Symbole kreisen um diesen Thron. Vor allem ist der Thron nach Westen errichtet. Der Blick des Herrschers fällt dadurch nach Osten in Erwartung, dass aus dieser Richtung der jüngste Tag anbrechen wird.





Also wir sind sehr beeindruckt und obwohl wir ja schon so viel über den Dom und Aachen gehört haben ist doch das hier und jetzt unerhört.

Obwohl wir schon etwas müde sind vom vielen Schauen aber weil das Wetter so schön ist gehen wir noch zum, ich glaube letzten Überbleibsel der Stadtmauer – zum Marschierturm. Dort steht ein Soldat in Bronze aus dem 17. Jahrhundert und schnitzt Schuhsolen aus Holz. Das war ein Zuverdienst zu dem kärglichen Sold.







Am Rückweg gehen wir noch bei einer Printenbäckerei vorbei und kaufen ein Mitbringsel für Isabel. Die Printen sind – sozusagen das Nationalgebäck von Aachen und daher besonders berühmt. Gut schmecken tun sie auch!

Auch in Aachen werden, so wie bei uns die Straßen aufgerissen und überall sind Baustellen. Auch nichts neues!

Am Rückweg kommen wir beim Stadttheater vorbei. Der „Kaufmann von Venedig“ ist am Spielplan. Da wir ja noch einen Tag und eine Nacht in Aachen bleiben kaufen wir zwei Tickets für den nächsten Tag.






Jetzt sind wir aber tatsächlich müde und auch hungrig. Wir gehen ins Hotel zurück, machen uns frisch und sehen uns nach einem netten Restaurant in der Nähe um. Unsere Wahl fällt auf ein kleines Thai-Lokal ganz in unserer Nähe. Das Essen ist gut, leicht und preiswert. Hilmar trinkt noch ein Bierchen im Hotel und dann aber nichts als in die Heia.

11.10.

Erfrischt wachen wir auf. Das Frühstück ist reichhaltig und gut so wie in allen Hotels bis auf das Letzte. Aber darauf werden wir noch zu sprechen kommen!

Heute Vormittag wollen wir vor allem den Domschatz besichtigen. Wir machen uns auf ins Zentrum – weit ist es ja nicht vom Hotel. Das schöne , gotische Rathaus ist eine Sehenswürdigkeit für sich und Hilmar macht – wie immer – ein paar Fotos. Dann gehen wir weiter zum Domschatz.

Es würde unsere Zeit und Aufmerksamkeit sprengen wenn wir die vielen kostbaren kirchlichen und weltlichen Schätze aufzählen würden. Hier nur die wichtigsten:


Domschatz


Das Lotharkreuz







Ist ein ottonisches Vortragekreuz und wurde laut letzter Forschung im letzten Viertel des 10. Jh. also um 985 im Rheinland gefertigt und möglicherweise von Otto den III gestiftet. Bis heute wird es an hohen Festtagen in der Liturgie verwendet. Seinen Namen trägt das Kreuz nach dem Siegelstein von König Lothar. Auch natürlich ein Reliquiar (Splitter des Kreuzes Christi) und ist ein prachtvolles Stück mittelalterlicher Goldschmiedekunst.

Auch berühmt und bemerkenswert ist die Karlsbüste
Silber vergoldet – ein um 1350 geschaffenes Reliquiar in Form einer Büste Karls des Großen. Seine Schädeldecke ist eingearbeitet.






Ebenfalls beeindruckend ist das Armreliquiar Karls d. Gr.  - eine französische Goldschmiedearbeit. Also: nun ist es klar wie der arme Karl nach seinem Tode zerteilt wurde um Reliquien zu lukrieren.





Der Olifant, das legendäre Horn Karls des Gr. Stammt aus dem Orient. Er war ein Zeichen der Macht.






Der berühmteste Olifant ist wohl das Rolandshorn.
Roland, Markgraf der bretonischen Mark und Paladin Kaiser Karls des Großen soll mittels des Hornes Karl den Großen um Hilfe gebeten haben . Bei der Schlacht von Roncesvalles gegen die Basken verlor Roland sein Leben.

Etliche kostbare Evangelien ca um 1000  entstanden mit prachtvoller Buchmalerei sind ebenfalls Bestandteile des Domschatzes und – wie schon erwähnt sehen wir nunmehr die Prunkgewänder, die der Madonna von Aachen je nach kirchlichem Feiertag angezogen werden.





Die Krönungen der römisch-deutschen Kaiser fanden bis zum 16 Jh. in Aachen statt.

Überwältigt von so viel Pracht und Geschichte sind wir müde geworden. Wir essen eine Kleinigkeit zu Mittag und dann gehen wir ins Hotel zurück und machen ein Schläfchen, denn wir wollen ja ausgeruht ins Theater kommen.

Das Aachener Theater ist ein hübsches Gebäude im Stil des ausgehenden Historismus, ähnlich unserer Volksoper. Viele Theaterbauten in der Monarchie wurden von den beiden Architekten Fellner und Helmer erbaut. Das Aachener Theater hat aber einen anderen Baumeister.

Die Inszenierung dieses problematischen Stückes „Der Kaufmann von Venedig“ finden wir sehr gelungen.

Nach Ende der Vorstellung rufen wir ein Taxi, das uns zum Hotel bringen soll.Es ist zwar nicht weit vom Theater ins Hotel aber es ist schon Stock dunkel und die Gestalten, die wir herumgehen sehen flößen uns - wahrscheinlich unberechtigt – Misstrauen ein.

Nunmehr haben wir in Aachen, dem Hauptziel unserer Reise alles besichtigt was wir uns vorgenommen haben. Außerdem hatten wir Gelegenheit ein bisschen durch die Stadt zu spazieren und Eindrücke zu gewinnen.

Ja Eindrücke! Wir möchten Eindrücke dieser Stadt aber auch Eindrücke von den anderen Städten, durch die wir gekommen sind beschreiben. Soviel sei allgemein gesagt: In den Fußgängerzonen ist das allgemeine globale Angebot von Geschäften (C&A, H&M, Deichmann-Schuhe, Magno, Zara usw.) vertreten. Und das ist in der ganzen EU das Gleiche. Kleine Spezialgeschäfte und Boutiquen, wo man, abseits der Großkonzerne etwas anderes kaufen könnte gibt es in den Fußgängerzonen nicht. Also shoppen ist uninteressant. Die Jülicher Straße in Aachen, in der unser Hotel liegt ist umsäumt von einer Platanenallee und hat schon elegantere Tage gesehen. Links und rechts der Straße befinden sich verschiedene, internationale - meist türkische Restaurants und Schnellimbisse. Auch asiatische Sushi-Lokale  und das eine oder andere indische und mexikanische Lokal gibt es. Ein früher sicher elegantes Restaurant ist jetzt eine Mc Donalds-Filiale mit  Cola-Automaten. Große Warenhäuser gibt es kaum. Wo sich die befanden  werden chinesische billig-Textilien und Schuhe angeboten. Es sind halt andere Zeiten, schnelllebigere Zeiten! Heute aufgesperrt, morgen schon ist der Rollbalken herunter gelassen. Das ist in Wien das gleiche!

Als wir die jülicher Straße entlang spazieren um vielleicht ein Cafe zu finden hören wir hinter uns arabische, laute Stimmen. Wir drehen uns um: drei oder vier junge Männer mit Smart-Phones in Händen und in Designer-Kleidung gehen in kurzem Abstand hinter uns. Von der anderen Straßenseite ruft ein Kebab-Stand-Besitzer seinem Landsmann auf unserer Straßenseite laut etwas zu. Wir blicken uns befremdet an. Andere Kulturen andere Gewohnheiten haben sich etabliert. Ist nichts böses – ist eben eine andere Art zu kommunizieren als unsere aber es ist gewöhnungsbedürftig! In Augsburg ist uns am Hauptplatz aufgefallen, dass viele junge Männer – Flüchtlinge - herumgestanden sind, einen Becher Cola in Händen. Es war Sonntag und ein sehr warmer Tag. Man hatte das Gefühl, dass sie nichts mit sich anzufangen wussten.

Andere Zeiten, andere, zugewanderte Kulturen und Sprachen, andere Religionen und Gewohnheiten. Ist auch bei uns in Wien nicht anders. Daran muss man sich eben gewöhnen. Es ist so! hoffen wir, dass türkische Österreicher und Deutsche, die hier schon in der dritten Generation leben auch als Österreicher und Deutsche angekommen sind. Mit den Flüchtlingen und Asylanten wird es noch eine Weile dauern bis sie sich integrieren und nicht neben uns leben sondern mit uns. Das wird noch eine schwierige Herausforderung sein.

Aber nun genug von persönlichen Eindrücken und Gedanken: heute geht es zum Rhein! Es ist wie jeden Tag unserer Reise strahlend schönes Wetter und wir freuen uns auf die kleinen berühmten Weinorte wie Boppard, St. Goarshausen, Oberwesel, Bingen und Rüdesheim. Wir werden den Rheinwein in den diversen Weinkellern verkosten und uns sicher ein paar Flaschen mitnehmen – so ist unser Plan! Aber denkste!

12.10.

Die Wein-Orte am Rhein, Tagesziel: Mannheim

Wir sind wieder auf der Autobahn, die natürlich – wie immer - stark befahren ist. Nach den letzten beiden schönen Tagen in Aachen sind wir entspannt und freuen uns auf die Strecke entlang des Rheins. Koblenz haben wir schon bei einer früheren Deutschlandreise gesehen und es hat uns sehr gut gefallen. Daher der Ordnung halber auch einige Worte über Koblenz.

Koblenz:

Liegt am Deutschen Eck einer durch Mosel und Rhein gebildeten Mündungsspitze. Charakteristisch ist das an der Moselmündung 1897 zu Ehren von Kaiser Wilhelm den I errichtete Reiterdenkmal.

Koblenz hat eine wechselvolle Geschichte und war, so wie viele andere deutsche Städte auch in den Dreißigjährigen Krieg involviert. Immer wieder war Koblenz französisch, dann kam es nach dem Wiener Kongress zum Königreich Preußen.

Im zweiten Weltkrieg wurde die Stadt zu 87% zerstört und zwar durch Lancaster-Bomber der britischen Royal Air Force.

Berühmte Persönlichkeiten aus Koblenz sind unter anderen: Fürst Metternich, der im Dienste Österreichs den Wiener Kongress leitete und die Neuordnung Europas durchführte. Auch der frühere Präsident Frankreichs, Valery Giscard d`Estaing war Koblenzer sowie viele andere Persönlichkeiten. Die Gegend hier ist lieblich und vom Weinbau geprägt. Also soviel über Koblenz.

Wir erreichen Boppard am Rhein. Der milde Herbst malt die Weinblätter in allen Farben – und dazu der Postkarten blaue Himmel! Hier eine Laube überrankt von Weinblättern – dort eine schmale Stiege, die zu einem malerischen Winzerhaus führt. Hilmar kann nicht genug kriegen vom Fotografieren. Und unterhalb fließt der Rhein. „Warum ist es am Rhein so schön?“, diesen Schlager oder ist es doch ein Volkslied habe ich als Kind fast jeden Tag im Wunschkonzert gehört. Schon damals dachte ich mir dass es schön sein müsste einmal am Rhein zu sein. Und er ist wirklich schön, der Rhein mit seinen Wein-Hügeln, mit den unzähligen Burgen und Ruinen, die an seinen schroffen Stellen aufragen. Da kommt man ins romantische Schwärmen. Und jetzt sind wir im Weinhauerort Boppard:


Boppard






Auch eine Gründung der Römer. Also die Römer haben – so wie in Wien den Wein an den Rhein gebracht, denn das milde Klima ermöglichte optimale Erträge. Auch dieses Städtchen hat wechselvolle Zeiten erlebt. 1312 erfolgte eine verhängnisvolle Entscheidung: Boppard wurde an den Erzbischof von Trier durch König Heinrich VII verpfändet. Natürlich war das als Bestechung gedacht – Heinrich der VII wollte ja vom Kurfürsten von Trier zusammen mit den anderen sechs Kurfürsten zum römisch-deutschen König gewählt werden. Die Bürger von Boppard waren weniger begeistert von der Transaktion und es gab bis zur französischen Besetzung viele Aufstände und Kämpfe gegen die Erzbischöfe. 20 Jahre war Boppard französisch.

Durch den Wiener Kongress 1815 wurde die Stadt dem Königreich Preußen zugesprochen.

Im 19. Jh. erkannte man bald die Möglichkeiten des Fremdenverkehrs und so ist es bis heute geblieben.

Wir gehen durch das Städtchen an der Kirche und am Rathaus vorbei. Ein älterer Herr, der uns als Touristen identifiziert hat klärt uns auf, dass der jetzige Papst Franziskus hier bei einer Gastfamilie gewohnt hat und ein Deutsch Seminar besucht hat. Wer hätte das gedacht!






Wir wandern zum Rheinufer und sehen jede Menge Ausflugsschiffe und eine Kellerei, in die die ankommenden Touristen geschleust werden. Nein danke! Denken wir! Es gibt ja im Ort selbst auch einige Kellereien wo wir hoffentlich Wein verkosten können wir wollen ja einige Flaschen mitnehmen.

Als wir aber zurück gehen ist es zwölf Uhr und alles ist zu – auch die Weinkeller. Wir werden schon noch Gelegenheit haben Wein zu kaufen denken wir. Wir kommen ja noch nach Bingen – auch ein Weinort. Und noch etwas: Boppard ist der Geburtsort von Thonet, der die berühmten Cafe-Haus-Sessel designet hat.






Unser nächstes Ziel ist St. Goarshausen und die Lorelei.





Wir setzen mit der Fähre über den Rhein. Der Anblick vom Schieferfelsen auf die Rheinkurven, St. Goarshausen und die Burg Katz ist überwältigend. Allerdings ist die Sicht auf das Plateau durch irgendeinen Umbau getrübt.(Vielleicht ein neues Touristenzentrum mit Selbstbedienung!) Auch die Freiluftbühne, die vor allem für Rockkonzerte konzipiert ist erscheint uns reichlich daneben gegriffen.Trotzdem kommen uns die romantischen Balladen von Clemens Brentano und vor allem Heinrich Heines Lied von der Loreley, das auch vertont wurde in den Sinn. Die Loreley, sie ist eine wunderschöne Nixe, die die Schiffer, die zu ihr aufblickten in den Untergang stürzte. Es gab und gibt viele Untiefen und vom Wasser bedeckte scharfe Felsen. Auch auf die Rheinkurven, die es zu bewältigen gab achteten sie nicht.





Ein schöner Ort hoch ober dem Rhein – wenn nicht die vielen Touristen wären. Aber auch wir sind Teil von ihnen.













Wieder kreuzen wir den Rhein mit der Fähre zum anderen Ufer, denn dort liegt Bingen am Rhein. Wir finden einen Groß-Parkplatz und hoffen, dass wir nunmehr Wein verkosten können, denn Bingen ist einer der Hauptorte der Weinerzeugung am Rhein. Das Städtchen ist auch Wirkungsort der Heiligen Hildegard von Bingen und wir hoffen, dass wir ein wenig auf ihren Spuren wandeln können. Also hier wieder eine historische Zusammenfassung von


Bingen:


Wieder eine Gründung der Römer. Wieder – wie so viele andere Städte – hat Bingen eine wechselvolle Geschichte:

Durch eine Schenkung Ottos des II ging Bingen an den Erzbischof von Mainz und geriet 1165 bei Streitigkeiten zwischen dem Erzbischof und dem Kaiser zwischen die Fronten. Auch beteiligte sich Bingen am Bauernkrieg 1525. Die französischen Revolutionstruppen  besetzten Bingen  und 1798 bis 1814 war Bingen französisch. Nach dem Wiener Kongress fiel die Stadt an das Großherzogtum Hessen und ein Teil fiel an das Königreich Preußen. 1871 ging Bingen im Deutschen Reich auf.

In der neueren Geschichte spielten die Nazis – wie so oft – eine unrühmliche Rolle. Die Synagoge wurde angezündet und brannte bis auf die Grundfesten nieder. Im Zweiten Weltkrieg wurde Bingen Ziel von Luftangriffen.








Die wohl berühmteste Tochter Bingens ist die Heilige Hildegard von Bingen: Äbtissin und Autorin, Mystikerin, Schriftstellerin und Heilkundige.(1098 bis 1179).






Der Binger Mäuseturm auf einer kleinen Rheininsel ist Schauplatz der Sage, nach der der hartherzige Erzbischof Hatto II im Jahre 970 von einer riesigen Mäuseschar aufgefressen wurde.

Diese Beschreibungen habe ich von meiner lieben Wikipedia, denn wir, Hilmar und ich waren schwer enttäuscht von Bingen. Wir stellten uns eine romantische Weinhauerstadt vor wo man Wein verkosten kann – so wie bei uns in der Wachau. Aber es gibt rein gar nichts zu verkosten: Bingen von heute ist – wie so viele deutsche Kleinstädte eine Stadt mit Fußgängerzone: Eisdielen, C&A, H&M etc! Wir sind echt frustriert und fahren schleunigst weiter. Rüdesheim, das ja tatsächlich das Zentrum des Weinbaues sein soll lassen wir links liegen – wir wollten uns nicht nochmals ärgern – und wir fahren  am schnellsten Weg, sprich auf der Autobahn nach Mannheim zu unserem nächsten Hotel.


12.10. später Nachmittag und Ankunft in

Mannheim

Irgendwie ist uns Mannheim unsympathisch. Ist einfach Bauchgefühl und muss nicht für ganz Mannheim stimmen. Die Einfahrt in die Stadt ist flankiert von hässlichen Nachkriegsbauten, die es ähnlich auch in Wien gibt. Bevor ich also  weiter lästere nehme ich die Wikipedia Hilfe:


Mannheim

Mannheim liegt im Dreiländereck mit Baden-Würthemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen und bildet mit ihrer Schwesternstadt Ludwigshafen am Rhein ein zusammenhängendes Stadtgebiet. Von Ludwigshafen ist Mannheim durch den Rhein getrennt. 1607 erhielt Mannheim von Kurfürst Friedrich IV die Stadtprivilegien. Das gitterförmige Straßennetz mit Häuserblöcken statt Straßenzügen ist in der Innenstadt bis heute erhalten geblieben. Daher wird Mannheim auch „Quadratestadt“ genannt. Seit 1896 Großstadt ist Mannheim heute eine bedeutende Industrie- und Handelsstadt, Universitätsstadt und wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Mannheim ist ein ICE-Knotenpunkt und besitzt einen der größten Binnenhäfen Europas.
Viele wichtige Erfindungen stammen aus Mannheim :

Karl Drais: das erste Zweirad 1880
Werner von Siemens: der erste elektrische Aufzug
Carl Benz: das erste Automobil 1886
Bekannt ist Mannheim auch für seine Wirtschaftsuniversität – eine der besten Deutschlands.
Im Zweien Weltkrieg wurde Mannheim durch Luftangriffe fast völlig zerstört und Ende März 1945 besetzten US-Truppen die Stadt. Der Wiederaufbau gestaltete sich mühsam.

Also soviel über Mannheim von Wikipedia. Unser Eindruck war der richtige: in diese Stadt kommt man nicht des sight-seeing willens sonder man kommt hierher um zu arbeiten, zu studieren oder als Messebesucher. Muss ja auch sein! Ist auch sehr wichtig!

Tatsächlich gibt es das „Quadrateviertel“ in der Innenstadt noch und unser Hotel liegt mitten drinnen. Natürlich kein Parkplatz weit und breit. Aber ich erspähe das Hotel und es hat auch eine Parkgarage. Hilmar fährt den steilen Abgang zur Garage hinunter. Aber siehe da! Das Garagengitter ist heruntergelassen. Das heißt: alle Plätze besetzt. Hilmar muss also mühsam im Retourgang wieder den steilen Abgang zurückfahren. Wir sind ziemlich „angefressen“ auf das Hotel, die hässliche Stadt und wer weiß auf was noch!





In der Reception sagt man uns, dass wir in der Bahnhofsgarage parken müssen. Darauf wären wir nicht gekommen! Jetzt sind wir aber hungrig und durstig. Rund um den Bahnhof gibt es nur die üblichen Fast-food-Ketten und wir wollen doch etwas besseres. Beim Hotel um die Ecke gibt es ein italienisches Lokal und da gehen wir hinein. Das Lokal entpuppt  sich als Weindiele zur Verkostung italienischer Weine. Der Padrone merkt, dass wir hungrig sind und macht für uns eine Platte mit köstlichen Antipasti. Bei einem Gläschen Rotwein genießen wir das Essen und sind halbwegs satt.

Die Rechnung für all das Dargebotene ist allerdings  ganz schön „geschmalzen.“ Hilmar hat noch Durst und so gehe wir anschließend in eine Großpizzeria. Hilmar kommt zu seinem Bier und auch ich trinke ausnahmsweise eine Dose Bier. Wir kommen ins Gespräch mit zwei jungen Männern. Es findet in Mannheim eine Oldtimer-Messe statt und die wollen sie besuchen. Jetzt sind wir aber auch schläfrig von Wein und Bier und gehen ins Hotel zurück. Ruck zuck duschen und Zähneputzen und schon hat uns der Schlaf. 

13.10.

Nachdem wir samt Gepäck zur Bahnhofsgarage getrottet sind und eine sündteure Parkgebühr bezahlt haben fahren wir nun auf der Autobahn unserem letzten Reiseziel, Straubing entgegen. Die Strecke Mannheim – Straubing in  Bayern ist ganz schön lang (370 km), eine der längsten Etappen unserer Reise. Ich wiederhole mich: das Wetter ist – und das ist schon Routine – traumhaft. Wir machen natürlich ein paar Pausen, kommen aber zügig voran. Es ist Wochenende und daher ist weniger Schwerverkehr auf der Autobahn. Wir erreichen Straubing  um ca 14 Uhr. Ganz etwas anderes im Vergleich zu Mannheim. Ein nettes bayrisches Städtchen mit etlichen barocken Kirchen. Unser Hotel heißt „Villa“, liegt direkt beim Bahnhof und wir staunen nicht wenig, denn seitlich befindet sich eine Riesen Baugrube. Nach einem etwas frostigen Empfang und der Versicherung dass uns heute am Wochenende kein Baulärm stören wird sehen wir uns im Zimmer und im Hotel um. Das Hotel ist tatsächlich eine frühere Villa mit sehr viel pseudo-antikem Krimskrams überall. Angeblich ein Geschenk eines Großindustriellen des 19. Jahrhunderts an seine Geliebte oder Ehefrau.

Es gibt etliches zu sehen hier in Straubing  und wir wollen die Zeit nützen. Zunächst und der Genauigkeit wegen ziehe ich unsere Freundin die Wikipedia zu Rate.

Straubing:
 
Straubing ist eine kreisfreie Stadt im Regierungsbezirk Niederbayern. Sie ist die größte Stadt im Gäuboden. Seit dem 1. Oktober 2017 trägt sie auch den Titel „Universitätsstadt“.

Seit 5600 v. Chr. In der Jungsteinzeit lassen sich ohne Unterbrechung menschliche Siedlungen hier nachweisen. Um Chr. Geb. eroberten die Römer diese Region. 400 Jahre dauerte die römische Herrschaft und noch heute kann man den sogenannten Römerschatz im Gäuboden-Museum bewundern.

Straubing war ein bedeutender Militärplatz. Die Kastelle beherbergten später auch eine „Canathener-Kohorte“, eine Spezialeinheit von ca. 1000 Bogenschützen aus der Gegend des heutigen Syriens.

Nach Abzug der Römer kam Straubing an die Bayuwaren und zeitweise  war Straubing unter der Herrschaft des Augsburger Domkapitels. Nach langem Hin und Her (Schenkungen etc) kam Straubing unter Wittelsbacher Herrschaft und entwickelte sich gut.

Sehr bekannt wurde Straubing durch die Liebesgeschichte der Baderstochter Agnes Bernauer mit Herzog Albrecht. Die Ehe war nicht standesgemäß und als Herzog Albrecht in irgendeine Schlacht zog ließ der Vater Albrechts, Herzog Ernst die unliebsame Schwiegertochter in der Donau ertränken. Alle vier Jahre finden Agnes Bernauer Festspiele statt. Carl Orf komponierte die Oper Agnes Bernauerin.







Straubing war ein Zentrum der Reformation, musste sich aber schließlich dem katholischen Herzogtum Bayern beugen. Ein Opfer der Auswanderungspolitik war der berühmte Patriziersohn Ulrich Schmiedl, der von 1535 bis 1554 an der Eroberung Südamerikas durch die Spanier teilnahm. Er ist Mitbegründer der Stadt Buenos Aires und ist einer der ersten Geschichtsschreiber Argentiniens.

Natürlich hat Straubing im Dreißigjährigen Krieg schwer gelitten. Rund 1800 Einwohner fielen der schwedischen Besatzung und der Pest zum Opfer.

Unter NS-Herrschaft wurde beim November-Pogrom 1938 viele Juden ermordet und die Synagoge verwüstet.

Im Zweiten Weltkrieg und bei drei schweren US-Luftangriffen 1944/45 kamen ca 400 Menschen ums Leben.

In der Nachkriegszeit erlebte Straubing einen großen wirtschaftlichen Aufschwung (Schifirma Vökl, Konzertelektronik-Hersteller Dynacord).

Einer der berühmtesten Söhne Straubings ist Emanuel Schikaneder der das Textbuch zu Mozarts Oper „Die Zauberflöte“ schuf, 1791.

Der „Bruder Straubinger“ ist eine literarische Figur und ein Synonym des fleißigen Handwerksgesellen (Operette von Edmund Eysler „Bruder Straubinger“ 1903 in Wien uraufgeführt).






Wir schlendern von unserem Hotel „Villa“ zum Hauptplatz. Der ist wirklich sehenswert und ungewöhnlich lang. Links und rechts des Platzes kann man die verschiedensten Fassaden: Renaissance und vor allem Barock bis zu Rokoko bewundern. In der Mitte des Platzes steht die Dreifaltigkeitssäule. Sie wurde nach einem Gelübte im spanischen Erbfolgekrieg errichtet. Die Bürger gelobten eine Dreifaltigkeitssäule zu errichten wenn die Stadt unversehrt bliebe. Am Hauptplatz findet gerade ein Hundetraining statt. Die „Herrlis“ und „Fraudis“ sind mit Ernst bei der Sache sowie auch ihre vierbeinigen Schützlinge.

Aber auch hier in Straubing – und ich wiederhole mich ungern – auch hier im Zentrum der Stadt in der Fußgängerzone: H&M, Mc. Donalds, C&A und was weiß ich noch! Es lebe die viel versprochene Vielfalt in der EU! Was wirklich lebt und gedeiht sind die Konzerne, die eh kaum Steuer im Lande zahlen!








Wir wandern zur St. Jakobs Basilika mit dem Mosesfenster nach Entwurf von Albrecht Dürer und sehen uns den Rokoko der Ursulinenkirche an – das letzte gemeinsame Werk der Brüder Asam, der Meister des bayrischen Rokoko. Zuletzt gehen wir ans Donauufer und dort befindet sich das Herzogsschloss, das heute diverse Amtsräume beherbergt. Einen herrlichen, großen Rittersaal gibt es auch zu sehen. Es ist für eine große Hochzeit wunderschön und geschmackvoll gedeckt und wir werfen einen Blick auf diese Herrlichkeit.






Nun aber – wahrscheinlich hat uns die schön gedeckte Tafel mit den zu erwartenden Köstlichkeiten beeinflusst: Kurz und gut – wir sind hungrig! Wir erinnern uns, dass wir am Weg zur Innenstadt ein nettes bayrisches Lokal gesehen haben „Zum bayrischen Löwen“. Zum Glück haben wir dieses Wirtshaus entdeckt, denn in der Innenstadt auf dem schönen Marktplatz gibt es nur Pizza- und sonstige schnell Fress – Lokale. Im bayrischen Löwen essen wir bayrische Hausmannskost und sogar einen opulenten Nachtisch gönnen wir uns. Dann aber ab in die Heia zu unserem mit Pseudo-Antiquitäten vollgestopften Hotel.





14.10. Heimfahrt

Das Frühstück am nächsten Morgen wirkt vornehm mit zig verschiedenen Silberlöffel, Messer und Gabeln aber das Frühstück ist einfach mies! Der Kaffee ist lauwarm und eben ein „Kaffe“ und die Frühstückswurst riecht verdorben. Eigentlich sollten wir uns beschweren – immerhin ist diese Unterkunft die teuerste der ganzen Reise. Aber irgendwie sind wir froh abzureisen.

Nun geht es wieder heimwärts zum Glück ohne Zwischenfälle. Das heißt einen kleinen Zwischenfall doch: Nach Passau verlassen wir auf Geheiß unserer Ute die Autobahn und so fahren wir wieder einmal durch Wald und Flur bis Ute uns wieder zur Autobahn führt. Irgend ein Grund? Kein Grund! Ich werde den Verdacht nicht los, dass Hilmar sich – wenn auch virtuell in Ute verliebt hat – natürlich in ihre Stimme weil er ergeben allen ihren Kommandos folgt – auch wenn er es besser wissen müsste. Seis` drum! Um ca 17 Uhr kommen wir zu hause an. Der Himmel ist genauso strahlend blau und die Sonne scheint genauso schön wie zu Anfang der Reise!

Noch eine kurze Nachbetrachtung:
Ich habe diese Reise „Deutschland ein Herbstmärchen? Betitelt. Frei nach Heinrich Heines „Deutschland ein Wintermärchen“ - auch dieser Titel  war etwas ironisch gemeint.

Nun ja: wir haben abgesehen von dem herrlichen Wetter sehr viel Schönes und Interessantes gesehen. Aber die Zentren der Städte gleichen einander wie ein Ei dem anderen. Die alten Plätze und Märkte sind fest in Händen der internationalen Konzerne, die – man kann es nicht genug oft erwähnen – kaum Steuern zahlen aber einen enormen Gewinn machen. Es gibt ja sonst keine anderen Geschäfte und Boutiquen! Die sind alle verdrängt worden. Das Shoppen macht keinen Spass mehr. Man geht unlustig durch die Fußgängerzonen. Die Geschäfte sind vollgestopft mit allerlei unnützem Zeug in den grellsten Farben. Das Verkaufspersonal ist kaum vorhanden, daher keine Beratung. Das einzige was es an allen Ecken und Enden gibt sind Eisdielen, die von den Deutschen auch mit Hingabe frequentiert werden.

Der Anteil der Zuwanderer und Asylwerber ist in Deutschland ziemlich groß und man kann nur hoffen – das gilt auch für Österreich, dass die Integration und das Zurechtfinden in ihrer neuen Heimat rasch klappt.

Es ist nicht leicht für die Kriegsflüchtlinge! Eine andere Kultur, andere Sitten und Gebräuche, ein anderes Klima usw. und manche armen Seelen werden ewig unglücklich und von Heimweh zerfressen bleiben.

Bei einige aber – man hat ihnen ein Paradies auf Erden versprochen – wird das Ankommen in der Realität, die Enttäuschung und Frustration darüber zu Hass und Radikalität führen. Das ist nicht gut! Nicht gut für uns Deutsche und Österreicher und nicht gut für unsere geflüchteten neuen Mitbürger.

Aber – es gibt immer Hoffnung für uns alle!




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