Herbstreise Baltikum vom 26.9. bis 3. 10. 2019
              
          (8 Tage)

          Wichtige Notiz: Einige Details wurden aus der Wikipedia © entnommen. 


26.9. Ankunft in Tallinn:


Nach ca. zwei einhalb Stunden kommen wir am Flughafen Tallinn um ungefähr 14 Uhr an. Eine kleine Anzahl, ca 15 Personen steht in der Ausgangshalle. Es ist die Baltikum-Gruppe zu der wir auch gehören. Diesmal eine kleine Gruppe! Denken wir. Nicht schlecht? Aber wo ist unser Tour- Guide? Wir stehen da wie bestellt und nicht abgeholt. Aber da kommt sie schon angerannt. Eine Frau mittleren Alters entschuldigt sich und begrüßt uns auf deutsch. Es ist ein deutsch mit schwerem russischen Akzent. Aber Daiwa, so stellt sie sich vor ist aus Litauen, das wir auch mit ihr kennen lernen werden.

Sind wir wirklich vollzählig? Nein! Es fehlen noch zwei Gäste, die zur Gruppe gehören. Da sich nichts rührt lässt Daiwa sie ausrufen.  Und endlich kommen zwei junge Männer angetrappelt. Sie sind uns schon im Flugzeug aufgefallen. Sie haben sich nämlich während des kurzen Fluges ordentlich Bier von der hübschen Stewardess servieren lassen. Ist es möglich, dass sie zu unserer Gruppe gehören? Die Gruppe besteht wie meistens in der Herbstsaison aus  Pensionisten. Aber warum  nicht! die beiden werden noch oft während der Reise unorthodox auffallen.
 


Daiwa stellt uns unseren Chauffeur, Vytali vor. Er kommt aus Weißrussland und ist sozusagen Gastarbeiter im Baltikum. Jetzt ist uns klar woher der russische Akzent von Daiwa kommt, denn sie spricht natürlich – in der Sowjetunion mussten alle russisch lernen – perfekt russisch und kann mit Vytali konversieren.

Es ist etwas bedeckt und auch etwas kühler als bei uns aber angenehm. Wir machen eine Stadtrundfahrt und Daiwa erklärt uns die wichtigsten Plätze der Stadt.
Wohlgemerkt: Es ist die sogenannte neue Stadt, wo der Bus fahren kann. In die alte Stadt, wo unser Hotel liegt kann der Bus nicht hinein fahren. Daher wurde vorsorglich unser Gepäck vorher in einen Kleinbus umgeladen. Das neue Tallinn ist von einer Art Ringstraße umgeben, ähnlich wie bei vielen anderen alten Städten, die wir kennen. Neben vielen anderen Plätzen und Museen, an denen wir vorbeifahren erinnere ich mich an das Deportations-Museum. Unter Stalin wurden, nicht weit von dem heutigen Museum viele Menschen zusammengetrieben und nach Sibirien verschickt. Ein trauriger Ort! Schließlich steigen wir am Rande eines Parkes aus und nun gehen wir zu Fuß durch die Innenstadt und zu unserem Hotel.

Der alte Stadtkern ist noch von der mittelalterlichen Stadtmauer und und den Wachtürmen umgeben. Zur Begrüßung schreiten wir entlang des Blumenmarktes. Er ist wunderschön! Tausend Farben und Düfte beeindrucken uns sehr. Tallinn, eine der Hansestädte hat im Kern noch das Aussehen einer Stadt aus dem 16. Jahrhundert bewahrt. Die schönen Renaissancehäuser, die vom Reichtum der Kaufleute kunden erstaunen uns. Unser Hotel ist tatsächlich mitten im Stadtkern. So ein Glück! Das Haus zu den drei Kronen ist ein zu einem Hotel umgebauter Komplex mit einem schönen, ruhigen Innenhof. Die Zimmer sind klein und einfach, die Dusche ist leider ohne Sockel, sodass das Wasser das komplette Badezimmer bedeckt. Aber was solls! Die Lage ist genial! Daiwa empfiehlt uns eine kleine Brauerei und Hilmar ist in seinem  Element. Zum Bier bestellen wir noch Bratwürstel mit Kraut. Die freundlichen Servierinnen im Dirndl und die rustikale Atmosphäre machen, dass wir uns sehr wohl fühlen.


Nun wollen wir noch die Nikolaus-Kirche besuchen mit ihrem berühmten Totentanz. Die Nikolaus-Kirche wurde im Zweiten Weltkrieg sehr zerstört, wieder aufgebaut und ist heute ein Museum. Die berühmteste Sehenswürdigkeit ist der barocke Totentanz. Leider ist er nicht mehr in seiner ganzen Länge vorhanden, denn die letzten Darstellungen wurden eben durch Bomben zerstört.



Nach einem kurzen Rundgang um den Hauptplatz gehen wir zum Hotel zurück. Wir sind doch recht müde und morgen wartet auf uns ein voller Tag.

Nun möchte ich aber die Wikipedia bemühen und einen kleinen historischen Überblick von Estland und Tallinn geben:

Estland (Republik Estland)

ist das nördlichste der drei baltischen Staaten, grenzt im Süden an Lettland, im Osten an Russland, im Norden und Westen an die Ostsee. Über den Finnischen Meerbusen von Estland hinweg bestehen enge Beziehungen zu Finnland und durch die Deutsch-Balten gibt es viele kulturelle Verbindungen nach Deutschland.

Der erstmals von 1918 bis 1940 und erneut seit 1991 unabhängige Staat ist Mitglied der Vereinten Nationen, seit 2004 der EU. Mitglied des Europarates, der NATO sowie der OSZE und seit 2011 der Eurozone.

Einwohner: 1,3 Millionen, Fläche: 45.339 km², also ungefähr halb so groß wie Österreich (84 000 km²).
Estland liegt am Schnittpunkt von Nordeuropa, Osteuropa und Mitteleuropa und wird – je nach dem, den erwähnten Regionen zugeordnet.

Estland ist seenreich, sehr stark bewaldet mit vielen Mooren (Gewinnung von Torf) durchschnittliche Höhe von 50 m. Höchste Erhebung: Suur Munamägi (318m). Größter See – Peipusee.  Größte Inseln: Saaremaa und Hilumaa.

Sprache:

Estnisch gehört zum ostseefinnischen Zweig der finno-ugrischen Sprachen.

Mehr als 50 % der estnischen Fläche ist bewaldet. Der häufigste Laubbaum ist die Birke – viel besungen und ein nationales Symbol des Landes. Auch Kiefernwälder sind vorherrschend.

Tierarten: Elche, Rothirsche, Rehe, Braunbären und die seltener gewordenen Schneehasen.

Klima: im allgemeinen kühl gemäßigt mit kalten, frostigen Wintern. Kühle Sommer – trotz kalten Wintern bleibt die Küste meist eisfrei.

Geschichte:
Der Deutsche Orden hatte großen Einfluss und das Gebiet wurde von Mitgliedern des Deutschen Ritterordens verwaltet. Die Oberschicht der Staatsbürger und Gutsbesitzer war deutschsprachig. Bis 1885 war deutsch Unterrichts- und Behördensprache. Unter dem Zarenreich löste russisch deutsch als  Amtssprache ab.

Erste Unabhängigkeit:
Während des Zerfalls des russischen Reiches  im Zuge der Oktoberrevolution erlangte Estland am 24. Februar 1818 seine Unabhängigkeit.
In den Jahren 1939 bis 1940 wurden viele Deutsch-Balten von Estland und Lettland umgesiedelt „Heim ins Reich!".
Grund war das Geheimabkommen (Hitler-Stalin-Pakt) die Vereinbarung das Baltikum der Sowjetunion zuzuschlagen.

Sowjetrepublik:
Unter massivem Druck wurde Estland, Lettland und Litauen 1940 durch die Sowjetunion annektiert. Die Estnische Sozialistische Sowjetrepublik wurde proklamiert. 1940/41 erfolgten Massendeportationen von Esten aus Besitz- und Bildungsbürgertum. Viele kamen in den Straflagern des Gulag um.

Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion 1941 war das Land bis 1944 von deutschen Truppen besetzt. Auch hier – Genozid-Politik der NS Machthaber an den Juden. 1000 einheimische und ca 10 000 Juden aus Ost- und Mitteleuropa wurden im Holocaust getötet. Viele Esten kämpften auf deutscher Seite, ebenfalls viele kämpften auf sowjetischer Seite. 1944 flüchteten Zehntausende Esten Richtung Westen – Deutschland und von dort weiter nach Nord - und Südamerika sowie Australien.

1944 wurde das Land wieder der Sowjetunion eingegliedert. Es erfolgten wieder Massen-Deportationen. In der Zeit von 1945 bis 1990 wurden gezielt Russen angesiedelt, was nun ein Problem der estnischen Einbürgerung darstellt.

Erneute Unabhängigkeit:
Am 30. März 1990 erklärte sich Estland wieder zur Republik. (Volksabstimmung). In der Folge Beitritt zur EU usw. Am 1. Januar 2010 führte Estland als erster der Baltischen Staaten den Euro ein.
Estland ist eine parlamentarische Republik.

Hauptstadt Tallinn:
liegt an der Ostsee – früherer Name Reval. Hansestadt. Ist das kulturelle Zentrum des Landes. Die Altstadt ist malerisch von einer Stadtmauer umschlossen. Zahlreiche Cafes und Geschäfte – zahlreiche Sehenswürdigkeiten, die wir kennenlernen werden: Alexander Newski – Kathedrale, Rathausplatz, Schloss Katharinental (Kadriorg), Oberstadt Domberg.

Nebenbei bemerkt Tallinn ist fest in der Hand des boomenden Tourismus. Vor allem wenn für kurze Zeit ein Monstercruiser anlegt ist der Hauptplatz total dicht von Menschen – vor allem Chinesen und Spanier – vollgestopft. Das bringt der Massentourismus so mit sich! Nicht nur hier!

27.9.:

Wir blicken aus dem Fenster und was sehen wir? Strahlender Sonnenschein – wenn auch – zumindest am Morgen etwas kühl.
Vormittags besuchen wir das Barockschloss Kadriorg (Schloss Katharinental) mit dem herrlichen, barocken Garten. Ein Geschenk Peters des Großen an seine Frau Katharina die Erste. Heute ist der Palast Sitz des Präsidenten von Estland.


Auch die tallinner Sängerwiese gefällt uns sehr. Enorm groß ist das Denkmal für Gustav Emesaks, Komponist und Chorleiter. Ich – so wie viele andere Touristen setze mich in seinen Schoß. Vielleicht inspiriert er mich ein bisschen zum Gitarre-Üben.




Auf der futuristischen Tribüne und auf der Sängerwiese wird alle fünf Jahre das estnische Sängerfest durchgeführt (Weltkulturerbe).

Während der sowjetischen Besatzung war dieses Sängerfest zu dem Tausende kamen ein geheimes Ventil gegen die Sowjets und – auch geheim ein Manifest für die estnische Freiheit.

Vom Park Kadriorg aus sehen wir zum ersten Mal die Ostsee. Auch das „Rusalka Mahnmal " sehen wir von ferne. Am Morgen des 10. September 1993 verschwand das Panzerschiff Rusalka auf dem Weg nach Helsinki und ging mit Mann und Maus unter ( 177 Seeleute fanden den Tod). Nach Sammlungen in ganz Russland wurde das Denkmal an die toten   Seeleute 1902 errichtet.
Wir machen einen kurzen Abstecher zum Strand und haben einen schönen Ausblick auf die Stadt.

Anschließend fahren wir zur Oberstadt, dem Domberg. Hier befinden sich die meisten Botschaften. Auch das Parlament Estlands, der Tallinner Dom und die Alexander Newski Kathedrale besichtigen wir. Die Kathedrale wurde während des zaristischen Russlands im 19. Jh. für die hier lebenden Russen erbaut.
Hier am Domberg wohnte die Oberschicht – Adelige und Bürger des Deutschen Ritterordens. Im Dom gibt es viele Inschriften in deutscher  Sprache.

Schön langsam wegen des Kopfsteinpflasters und nach einem herrlichen Ausblick über die ganze Stadt bewegen wir uns wieder in die Unterstadt. Hier angekommen zeigt uns Daiwa die „große Gilde“, ein spätgotischer Bau. Mitglieder waren einflussreiche Kaufleute und Ratsherren, die verheiratet sein mussten. Die Gilde der „Schwarzhäupter“ hingegen – benannt nach dem Hl. Maurizius, der als Mohr dargestellt wird – war der Sitz der ledigen Kaufleute und hatte großen, auch militärischen Einfluss.

Wir gehen vorbei an der alten Apotheke und auch an einer traditionellen Konditorei. Dort kaufen wir etwas süßes als Mitbringsel für Isabel. Die Verkäuferin kann nur ein Wort deutsch, kurioserweise „Radiergummi“ und ich kenne nur ein estnisches Wort „Komnikusöok“ = Frühstück. Wir lachen beide und gehen zurück auf den Hauptplatz
Dort essen wir beim Inder eine Kleinigkeit, denn nachmittags fahren wir zum National Park „Rocca al Mare“
Der Name stammt vom deutsch-baltischen Bürgermeister von Tallinn Baron Arthur Girard de Soucanton. Der Italienfreund nannte sein Anwesen nach einem vor der Ostsee-Küste liegenden Felsen. Heute ist das Gebiet  ein Freilicht-Museum. Es zeigt alte estnische Gutshöfe, Bauernhäuser und Fischer-Unterkünfte. Auch eine Schule aus dem 19. Jh. ist interessant.



Wir fahren zurück zu unserem Hotel, essen eine Kleinigkeit in einem Bistro und gehen bald schlafen, denn morgen geht es mit Volldampf weiter.

28.9.:

Ausflug in den Nationalpark „Lahemaa“ mit Burg Wesenberg.
Ein kleiner Teil der Gruppe ist schon zeitig früh nach Helsinki übergesetzt. Wir kennen schon Helsinki – soweit man eine Stadt halt in kurzer Zeit kennen lernen kann – und fahren in den Nationalpark „Lahemaa“.

Ungefähr 20 km fahren wir auf der schnurgeraden Straße. Links und rechts Birken- und Kiefernwälder. Die Gegend ist kaum besiedelt. Wir halten an einem kleinen Wasserfall – kaum zu glauben, dass es so etwas in diesem flachen Landstrich gibt. Die Ursache ist ein kleiner Katarakt des normaler Weise sehr viel Wasser führenden Flusses. Heute aber sehen wir nur eine Hälfte des Kataraktes mit fallendem Wasser bedeckt. Natürlich ist die Klimaveränderung, das heißt wenig Regen im Sommer auch in dieser Gegend präsent.



Die Wälder – meist Laubwälder mit Kiefern gemischt zeigen sich uns in den herrlichsten Herbstfarben. Nach weiteren 50 Kilometern erreichen wir den Naturpark Lahemaa.

Lahemaa  befindet sich etwa 70 km östlich  der Hauptstadt Tallinn  er erstreckt sich auf einer Fläche von 72 000 Hektar samt 25 090 Hektar Seegebiet.

Es gibt Gebiete innerhalb des Parkes – Totalreservate - , die vom Menschen nicht betreten werden dürfen. Im Park leben bedrohte Tierarten wie Fischadler, Steinadler, Moorschneehühner, Schwarzstörche , Elche, Luchse und Biber und eine der letzten Populationen der Flussperlmuscheln.

Wir steigen aus und Daiwa macht uns mit Recht auf die herrliche, aromatische Waldluft aufmerksam, die wir in vollen Zügen genießen. Nach 1,5 km öffnet sich vor unseren Augen eine herrliche Moorlandschaft mit kleinen Tümpeln, Moorpflanzen, z. B. Erika die in ihrem herbstlichen rot einen Kontrast zu dem blauen Wasser der Tümpel bilden. Auch der heute besonders blaue Himmel spiegelt sich in den kleinen Teichen. Es ist einfach herrlich anzusehen und wir saugen die Eindrücke auf.

Wir gehen entlang des Steges der Moorlandschaft und nach einem Kilometer kommen wir zu einer kleinen Aussichtswarte. Von oben ist die Landschaft noch eindrucksvoller.




Als wir zurück zum Bus gehen fallen uns viele Leute mit Taschen und Beutel auf. Heute ist Samstag und die Menschen nützen die Zeit um Pilze zu sammeln, die es in Mengen in den Wäldern gibt. Uns „frisst“ der Neid, denn bei uns sind ja die essbaren Schwammerln äußerst rar. Wir fahren zu einem idylischen, rustikalen Selbstbedienungs-Restaurant, essen eine Kleinigkeit und fahren dann weiter zur Burg Wesenberg.

Die Burg Wesenberg thront oberhalb der Stadt Rakvere und hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. 1250 erstmalig urkundlich erwähnt war sie im Besitz des Deutschen Ritterordens, der Dänen  von Polen und Russen. Wir steigen zur Burg empor und natürlich haben wir von dem Hügel aus eine weite Sicht über das umliegende flache Land. Unterhalb der Burg befindet sich die Skulptur eines Auerochsen, die sehr groß und eindrucksvoll ist.
Es wird gesagt: wenn man die Hoden des Auerochsen berührt bedeutet das Glück. Das bronzene „Viech“ steht auf einem Podest und so können wir armen Würmer nicht ran. Das ist nur etwas für Riesen!




Wir fahren ein paar Kilometer weiter im Lahemaa Nationalpark, besichtigen ein Herrenhaus. Über eine Schwebebrücke, die einen Fluss überquert kommen wir zur Küste. Hier liegen große Steine herum, die während der Eiszeit angeschwemmt wurden.

An dieser Stelle möchte ich anmerken, dass diese Reise sehr ausgewogen ist. Wir besichtigen die Hauptstädte des Baltikums aber wir sehen auch die wunderschöne, baltische Landschaft.

Nun ist es aber schon später Nachmittag geworden. Wir sind von der  Reise in die Natur hungrig geworden, lassen uns auf keine Experimente ein und essen wieder in „unserer“ kleinen Brauerei. Wieder geht ein Tag voller Eindrücke zu Ende.

29.9.

Heute verlassen wir Estland und fahren weiter nach Lettland. Vorher aber machen wir noch eine kleine Spritztour zum Seekurort Pärnu . Die Stadt hat – so wie viele estnische Städte eine wechselvolle Geschichte  hinter sich. 1251 wurde sie – wie könnte es anders sein vom Deutschen Ritterorden gegründet. Nach dem Livländischen Krieg 1561 wurde Pärnu schwedisch 1721 wurde Pärnu russisch. Die Universität Tartu hatte hier zeitweise ihren Sitz. 1838 öffnete in Pärnu die erste Badeanstalt und Pärnu ist – trotz der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg  Seebad bis heute geblieben. (Auch während der Zeit der Sowjetunion).

Ein berühmter Kurgast war der Geiger David Oistrach. Im Sommer ist der Badeort Pärnu die Hauptstadt Estlands. Im neuen Konzerthaus findet jeden Sommer das „David-Oistrach-Festival statt.Tatsächlich macht der Badeort auf uns einen mondänen Eindruck.

Unser nächstes Ziel ist Sigula, das bereits in Lettland liegt.

Sigula hat – so wie viele andere Orte im Baltikum eine wechselvolle Geschichte. Aber die ältesten Funde gehen auf 200 v. Chr. Zurück. Für uns interessant – und den Teil Sigulas besuchen wir – ist der Gauja-Nationalpark. Die wichtigste Sehenswürdigkeit ist die Burg Turaida. Das neue Schloss befindet sich am Ufer der Gauja und ebenso die Ruine der Ordensburg. Wir gehen zum Besucherzentrum des nahe gelegenen Gauja-Nationalparks. Das Ufer der Gauja wird von kleinen Höhlen und Grotten gesäumt (Sandsteinhöhlen). Die bekannteste Höhle ist die Gutmannshöhle. Eine Ahornallee führt auf eine Anhöhe. Dort befindet sich die um 1750 erneuerte Holzkirche von Turaida und der Friedhof. Berühmt ist der Ort wegen des Grabes der „Rose von Turaida“, das sich unter einem Lindenbaum befindet und an eine tragische Liebesgeschichte aus dem 17. Jh. erinnert.
Sigulda ist auch als Wintersport-Ort bekannt (Rodel – und Bob-Bahnen).

Das Wetter ist relativ gut. Zwar ist der Himmel bedeckt aber dadurch kommen die herrlichen Herbstfarben der Eichen- und Ahornbäume bestens zur Geltung.

Nun geht es aber zügig nach Riga – Hauptstadt Lettlands.

Riga begrüßt uns leider mit Regenwetter. Der nächste Tag, es ist der 30. 9. ist die Besichtigung von Riga und dem Badeort Jürmala vorgesehen.Unterwegs zum Hotel überqueren wir den Fluss Düna und sehen hinter Regenschwaden die Neue Bibliothek, ein modernes Bauwerk. Das Gebäude liegt da wie ein aufgeschlagenes Buch, gefällt uns sehr gut und wir sind schon auf morgen gespannt.

Zunächst – wie immer – nehme ich die Wikipedia zu Rate  und versuche einen Exkurs über die Stadt und Lettland. Die Beschreibung und die Geschichte der Stadt ist so vielfältig und ausführlich und das ist natürlich ein Hinweis, dass Riga die größte und bedeutendste Stadt des Baltikums ist.
Es ist nicht leicht das aller Wichtigste zusammenzufassen:

Lettland:

Als mittlerer der baltischen Staaten grenzt es im Süden an Litauen, im Südosten an Weissrußland, im Osten an Russland, im Norden an Estland und im Westen an die Ostsee. Hauptstadt und größte Stadt ist Riga.
Fläche: 64.589 km²
Einwohnerzahl:1.934.379 Ew.
Regierungssystem: parlamentarische Demokratie.
Weit der EU-Erweiterung am 1. Mai 2004 ist Lettland Mitglied der EU, seit 1. Jänner 2014 auch Teil der Euro-Zone.

Die Landschaft Lettlands – ähnlich wie auch in Estland und Litauen – Wälder und Seen. Der höchste Berg ist 120 km östlich von Riga gelegene  Gaizinkahs mit 311 m Höhe.

Das Klima: auch wie in den anderen baltischen Ländern – kalte Winter (0 Grad) und mäßig warme Sommer (zwischen 16 und 17 Grad).
Nach dem Abzug der sowjetischen Armee und ihren Angehörigen und wegen niedriger Geburtenraten und Auswanderung ist die Zahl der Bevölkerung massiv gesunken. Knapp 38 % der Bevölkerung sind ethnische Minderheiten. Die bedeutendste Minderheit sind die Russen. Nur die Letten, die seit 1940 (vor der russischen Besatzung) lettische Staatsbürger waren erhielten nach der Unabhängigkeit 1990 die lettische Staatsbürgerschaft. Alle in der Zwichenzeit Zugewanderten wurden „Nichtbürger“. Sie haben die gleichen Rechte wie die Staatsbürger (Pass, Arbeitsrecht etc.) können aber kein öffentliches Amt bekleiden. Ein Vorteil: zum Ungerschied  von Staatsbürgern können Nichtbürger visumfrei in Russland einreisen. Für das seit 1995 gültige Einbürgerungsverfahren gelten strenge Kriterien (Sprachtest, Kenntnis der lettischen Geschichte). Das Interesse an diesen Prüfungen ist mäßig!

Die wichtigste religiöse Konfession ist die englisch-lutherische.

Im 2. Jh. v. Chr. Besiedelten die ersten indoeuropäischen Stämme das Gebiet Lettlands. Wie auch in den übrigen baltischen Staaten wurden die Kleinfürstentümer vom Deutschen Ritterorden erobert. Die deutsche Oberschicht stellte die Elite des Landes.

Im Zuge der Reformation wurde Lettland lutherisch. Im 16. Jh. aber durch die Abhängigkeit von Polen-Litauen wurden Teile (Livland) rekatholisiert .

Riga – Hauptstadt Lettlands, Hansestadt, ca. 700 000 Einwohner. Sie ist die größte Stadt des Baltikums. Mit dem Ballungsraum um Riga – ca. Eine Million – ist Riga die Einwohner -reichste Stadt des Baltikums. Die Stadt ist politisches, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum des Landes. Im 19. Jh. war Riga eine reiche Handelsstadt. Davon künden die einmaligen Jugendstilbauten des reichen, meist jüdischen Bürgertums. Die Innenstadt ist sehr gut erhalten und
2016 wurde Riga der Ehrentitel „Reformationsstadt Europas“ verliehen.

Klima: feucht-kontinental, warme feuchte Sommer und schneereiche Winter. Temperaturen bis minus 20 Grad sind keine Seltenheit.

 Geschichte:
Im 12. Jh. gelangen deutsche Kaufleute nach Riga. Im Jahr 1201 gründeten Bischöfe aus Bremen die Stadt und machten sie zum Zentrum und Sitz der Erzbischöfe von Riga. Im Rahmen der Ost-Kolonisation siedelten die Bischöfe vor allem Deutsche im heidnischen Gebiet an. Militärisch wurden sie vorerst vom Schwertbrüder-Orden, nach Zerfall des Schwertordens, vom Deutschen Orden unterstützt. Es gab zahlreiche Auseinandersetzungen zwischen den Erzbischöfen und dem Deutschen Ritterorden. Im Frieden von Wolmar 1491 schlossen die Feinde Frieden.
Im Jahre 1522 schloss sich Riga der Reformation an, womit die Macht der Erzbischöfe zu Ende war. Nach dem Livländischen Krieg 1558 wollte die Stadt sich nicht der polnisch-litauischen Herrschaft unterwerfen. 1581 musste Riga sich dennoch geschlagen geben. Die 40-jährige polnisch-litauische Herrschaft unter der die Bürger sich der Gegenreformation erwehren mussten endete mit der Eroberung durch Gustav II Adolf 1621. Unter den Schweden wurde Riga zweitgrößte Stadt im schwedischen Reich neben Stockholm und Schweden ließ Riga aufwendig befestigen. Nach der Schlacht an der Düna wehrte König Karl XII. Von Schweden den Angriff auf die Stadt ab. Dennoch wurde Riga nach langer Belagerung ins Zarenreich eingegliedert. Die Amtssprache war russisch und deutsch.

1812 rückte die „Grand Armee Napoleons“ in Kurland ein. Riga wurde von den eigenen Einwohnern niedergebrannt. Bis zum Ende des 19. Jh. wurde Riga einer der wichtigsten Häfen Russlands.

Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges wurde die Republik Lettland ausgerufen. In der Zwischenkriegszeit erfolgte eine erneute Blütezeit Rigas.

Im Zweiten Weltkrieg erfolgte eine Besetzung Lettlands durch Hitler-Deutschland. Aber letztendlich durch den Hitler-Stalin-Pakt kam Lettland – sowie Estland zur Sowjetunion.

Während der deutschen Besatzung wurde die jüdische Bevölkerung  in diverse KZ-Lager verschleppt und ermordet. 1944 erfolgte die Rückeroberung Rigas durch die Rote Armee. Lettland und die Hauptstadt Riga wurden Teil der Sowjetunion.

Am 21. August 1991 wurde Lettland ein souveräner lettischer Staat. Die größte Bevölkerungsgruppe sind Letten und Russen.

30. 9.

Heute ist die Besichtigung Rigas am Programm. Das Wetter hat sich ein wenig gebessert vor allem: es regnet nicht. Wir fahren mit dem Bus und überqueren die Duna (Daugava). Kleine Bemerkung von mir: Nichts an dieser Stadt erinnert mehr an die Zeit der Sowjetunion.

Bibliothek
 
Zunächst, da wir ja ein paar mal über die Daugava fahren und die Neue Bibliothek bewundern – sie liegt da wie ein aufgeschlagenes Buch – ein paar Worte über das Bauwerk:

Der Bau wurde 2008 begonnen und am 29. August 2014 (25. Gründungstag der Nationalbibliothek) eröffnet. Symbolisch wurde im Rahmen Riga – Kulturhauptstadt auserwählte Bestände aus dem alten Hauptgebäude durch eine Menschenkette in den Neubau gebracht.

Der Bau erfolgte nach einem Entwurf des Architekten Gunar Birkerts.



Jugendstilhäuser in Riga

Wir staunen über die vielen Jugendstilhäuser, deren Fassaden wir betrachten. Die meisten befinden sich in der Elizabetesiela (Elisabeth-Straße) heute ein Botschaftsviertel. Der Architekt der meisten Jugendstil-Häuser war Michail Ossopowitsch Eisenstein (Vater des berühmten Regisseurs, Sergej Eisenstein).




Das Wetter ist trüb aber es regnet nicht.

Als nächstes fahren wir zu den Markthallen in Riga:
Ursprünglich dienten diese großen Hallen zum Bau von Zeppelinen. Heute werden sie als Markthallen benützt. Hier ist der Großmarkt zu Hause und es gibt alles was das Herz begehrt. Vor allem staunen wir über die Mengen von Pilzen in allen ein  „ El Dorado“ für Pilzsammler.




Nun geht es in die Altstadt:
Die Altstadt liegt am rechten Duna (Daugava) -Ufer und hat trotz der Schleifung der Befestigungsanlagen ihren Spät-Mittelalterlichen  Charakter bewahrt. Die nach der Schleifung der Stadtmauer entstandene Freifläche wurde zu einem Stadtpark mit Stadt-Kanal umgestaltet.

Wir steigen aus dem Bus, gehen ein paar Schritte und da liegt der Marktplatz, das Roland-Denkmal, Symbol für eine Hansestadt und das Rathaus vor uns. Besonders beeindruckend ist das Schwarzhäupter-Haus. Der Name kommt auch vom Heiligen Mauritius, Schutzpatron der Kaufleute und führt den Mohrenkopf im Wappen. Das Haus diente der Kaufmannschaft – vorwiegend den deutschen Kaufleuten Rigas als Zusammenkunft. Das Gebäude ist im gotischem Stil errichtet mit reichem Fassadenschmuck und wurde 1941 durch den Beschuss von Deutschen Truppen zerstört
und 1993 bis 1999 originalgetreu wieder aufgebaut.

In weiterer Folge  spazieren wir zur Petrikirche. 1209 erstmals erwähnt diente sie den Handwerkszünften als Gotteshaus. Der Turm – nach etlichen Einstürzen und Bränden - wurde auf 64,5m erhöht. Seitlich der Kirche erkennen wir die „Bremer Stadtmusikanten“, eine Kopie der Stadtmusikanten aus Bremen und ein Geschenk an die Stadt Riga.

Auch der Dom – die Kathedrale ist von enormer Größe. Sie ist die größte Kirche im Baltikum. Alle Kirchen und so auch der Dom wurden nach dem „Livländischen Krieg“ 1561 evangelisch. Im Dom befindet sich eine der schönsten und größten Orgeln. Wunderschön sind die polychromen Kirchenfenster und der Kreuzgang.

Wir wandern entlang der Befestigungsmauern und bemerken, dass sich hier jede Menge Bars und kleine Restaurants befinden. Auch Riga hat sich schnell für den Tourismus umgestellt. Wir kommen zum Stadtkanal und zum Stadtpark – eine liebliche Oase in Mitten der Stadt. Auf dem Kanal fahren kleine Boote, die niedlich aussehen. Ein Gegensatz dazu ist das pompöse Freiheitsdenkmal, das zur Zeit der ersten lettischen Unabhängigkeit errichtet wurde. Wir machen auch einen Blick in die hübsche russisch orthodoxe Kirche, die im byzantinischen Stil errichtet wurde.

Auch beim sogenannten Katzen-Haus schauen wir vorbei. Die Katzen – so erzählt man sich – zeigten dem Betrachter zunächst das Hinterteil. Der Hausbesitzer war ein reicher ausländischer Kaufmann, der in die Schwarzhäupter- Gilde aufgenommen werden wollte, was man ihm zunächst versagte. Nach – wahrscheinlich etlichen Bestechungsgeldern – wurde er doch in die Gilde aufgenommen. Da ließ er die Katzen auf dem Dach mit dem Vorderteil zur Fassade umdrehen.

Wir essen eine Kleinigkeit in einem Pub. Nun sind wir sehr müde geworden von so vielen Eindrücken. Aber – weiter geht es! Zum Badeort Jürmala.

Es ist bereits Nachmittag und der Wettergott meint es nicht gut mit uns, denn es hat zu regnen begonnen und ein Badeort und der Badestrand im Regen ist etwas Ödes. Aber im Programm steht es und so fahren wir eben hin.

Jürmala ist der Bade- und Kurort der Bevölkerung von Riga. Der lange weiße Strand erstreckt sich nach Osten 10 km lang, westwärts 20 km.
Vom 1. April bis 30. September kann die Straße nach Jurmala nur nach Zahlung einer Kurtaxe befahren werden. Die schönen Villen in Holzbauweise stammen aus der Zeit der Jahrhundertwende und sind im Jugendstil errichtet. In Jürmala wohnten und wohnen die wohlhabenden Letten in ihren Sommer-Villen, die möglichst unter sich bleiben wollten. Im Ortsteil Kemeri gibt es schwefelhaltige Quellen. Im Sommer wird wahrscheinlich sehr viel los sein. Der Massentourismus hat auch hier  Einzug gehalten. Da ist es vorbei mit der Exklusivität der Reichen.




Irgendwie erinnert uns dieser Ort an Jesolo oder Caorle. Eine Strandpromenade und ein langer Sandstrand.

Trotz des Regens gehen wir eine Weile den Strand entlang. Macht uns aber nicht wirklich Spass.




Hundemüde  kehren wir zum Hotel zurück, gönnen uns im Hotelrestaurant, das im obersten Stock liegt und eine schöne Aussicht über die nächtliche Stadt bietet ein vorzügliches Abendessen. Anschließend gehen wir zu Bett und schlafen gleich ein. Am nächsten Tag ist unser Ziel Litauen und die Hauptstadt Vilnius.

1.10.

Heute verlassen wir Riga und Lettland und fahren Richtung Litauen. Der Tag begrüßt uns grau in grau. Aber es regnet nicht.

Unterwegs sind aber noch ein paar Abstecher geplant. Nach ungefähr 20 km fahren wir ab zum Barockschloss Rundale. Vor unseren Augen breitet sich ein großes barockes Gebäude, würdig als Residenz eines mächtigen Fürsten. Hier ein paar Worte zu diesem Schloss: 

Schloss Rundale
Das Schloss gehört zu den bedeutendsten Baudenkmälern des Barock und Rokoko in Lettland und überhaupt im Baltikum. Es wurde nach dem Vorbild von Versailles gestaltet. Mit Recht wird Rundale als Versailles des Baltikums bezeichnet. Das drei-flüglige und zweistöckige Schloss beherbergt auf fast 7000 m2 136 Zimmer und Säle. Zum Schloss gehört der Schlosspark ebenfalls im französischen Barockstil errichtet. Das Schloss ist seit 1920 im Staatsbesitz.

Der Bau des Schlosses wurde von der Zarin Anna Iwanowna veranlasst. Die Zarin Anna ließ das Schloss für ihren  Liebhaber, den kurländischen Herzog Ernst Johann Biron errichten. Mit dem Entwurf wurde der Baumeister am Zarenhof, Bartolomeo Francesco  Rastrelli beauftragt, der auch die Pläne für die Eremitage in St. Petersburg erstellt hatte. Auch der Schlosspark wurde nach Rastrellis Plänen gestaltet. Biron nützte das Schloss nur drei Jahre lang, da er nach dem Tod der Zarin Anna nach Sibirien verbannt wurde.

Erst mit der Machtübernahme durch Zarin Katharina der Großen konnte Biron nach Kurland zurückkehren. Er ließ vor allem die Inneneinrichtung fertigstellen. Nach seinem Tode nützte sein Sohn, Herzog Peter von Biron das Schloss bis 1795. Nachdem das Herzogtum Kurland und Semgallen 1795 vom russischen Reich annektiert wurde und das Herzogtum Biron finanziell abgefunden wurde übergab Katharina die Große das Schloss ihrem Günstling, Graf Platon A. Subarow.

Nach dem ersten Weltkrieg ging Rundale in den Besitz des lettischen Staates über und fiel nach dem zweiten Weltkrieg an die Sowjetunion.



1972 wurde das Schlossmuseum gegründet und mit umfangreichen  Restaurierungsarbeiten begonnen. Heute ist das Schloss Stolz Lettlands und mit Recht touristisch ein Muss.

Wir genießen eine sehr ausführliche Führung in deutscher Sprache. Die Schlossführerin spricht ausgezeichnetes deutsch und wir merken den Unterschied zum Kauderwelsch unserer Daiwa.

Die Säle und Räume sind reich an kostbarem Porzellan aller berühmten Manufakturen Europas. Auch Gemälde Alter Meister, meist holländische Schule können wir sehen. Ob alles original ist ist fraglich.

Nächstes Ziel ist eine kleine Brauerei, wo wir eine Führung bekommen. Endlich bekommen unsere ewig nach Bier lechzenden zwei Mitreisenden aus Vorarlberg das andauernd verlangte Bier.

Nach kurzer Zeit sind wir auch schon im südlichsten der drei baltischen Staaten – Litauen. Wir machen halt in Siauliai und besuchen den Berg der Kreuze.

Siauliai – Berg der Kreuze
Der Berg – eigentlich ein Doppelhügel von 10 Metern – kommt der Bezeichnung näher. Eine schmale Treppe aus Holzbohlen führt über den Doppelhügel. Es ist ein Walfahrtsort. Pilger stellen auf diesem Hügel Kreuze als Wünsche oder Danksagungen auf.

Die Entstehung des Berges der Kreuze geht auf etliche Legenden zurück. Tatsache ist, dass dieser Ort immer ein Zeichen des Widerstandes sowohl im 19. Jh. als auch in der Zeit der Sowjet-Besatzung war. Am 5. April 1961 wurden die Kreuze mit Bulldozern niedergewalzt. Doch bereits am nächsten Tag wurden neue Kreuze errichtet.

1973, 1974 und 1975 wurden die Zerstörungsaktionen des Regimes wiederholt. Jedoch blieb der Kreuzzug der Kommunisten gegen den Berg der Kreuze erfolglos, wodurch der Berg zunehmend zum Symbol des nationalen Widerstandes wurde. W Heute nach der  wiederstehung  der Republik Litauen befinden sich ca. 5000 Kreuze auf dem Hügel.




Am 7. September 1993 besuchte Papst Johannes Paul II. Diesen Ort und zelebrierte eine Messe vor etwa 100 000 Gläubigen. Während des Festaktes betraute Johannes Paul II. Den Franziskaner-Orden mit der Betreuung des Wallfahrtsortes und ein Kloster wurde gebaut.

Der Ort ist beeindruckend und hat sicher Symbol-Charakter für die Freiheit Litauens.

Inzwischen hat sich das Wetter leider endgültig für Regen entschieden und so wird es bis zum Ende der Reise bleiben. Nach ungefähr einer Stunde erreichen wir Kaunas, die zweitgrößte Stadt  Litauens.

Nun trage ich die Wichtigsten Daten von Litauen mit Hilfe der Wikipedia nach:

Republik Litauen:

Als südlichstes der drei baltischen Staaten grenzt es im Westen an die Ostsee und hat gemeinsame Grenzen mit Lettland, Weißrussland, Polen und der russischen Enklave Kaliningrad.
Ab etwa 1253 bis 1795 war Litauen ein Großfürstentum, ab 1569 als Polen-Litauen Teil einer Union. Mit der dritten Teilung Polens 1795 kam Litauen bis 1918 unter russische Oberhoheit und erklärte 1918 als Republik seine Unabhängigkeit. Nach der sowjetischen Okkupation 1940 – unterbrochen von der deutschen Besetzung 1941 – 1944 erlangte es 1990 wieder staatliche Souverenität. 2004 wurde Litauen Mitglied der Europäischen Union und Mitglied der NATO. Seit dem 1. Januar 2015 ist Litauen das 19. Mitglied der Eurozone.

Einwohner: etwa 2.8 Millionen
Fläche: 65 300 km²
Parlamentarische Republik

Es gibt große Naturschutzgebiete (Hochmoore)

Demografie: Die Bevölkerung nimmt kontinuierlich ab. Schuld ist die Auswanderung nach Nordeuropa.
Zum Unterschied von Estland und Lettland wo die Protestanten überwiegen ist Litauen katholisch. Zeitwiese gab es die Einheit Polen-Litauen und daher beeinflusste das katholische Polen Litauen.
Die Hauptstadt ist Vilnius, weitere größere Städte sind Kaunas, Klaipeda und Siauliai.

Der Regen hat uns fest im Griff und das wird leider auch in den nächsten zwei Tagen bleiben – bis zum Abflug. Zunächst fahren wir durch Kaunas. Es regnet in Strömen und nur eine kleine Gruppe wagt es unter der Führung unserer unermüdlichen Daiwa einen kurzen Stadtspaziergang.

Hier wieder ein paar Informationen über Kaunas:
Kaunas mit ca 304.000 Einwohner ist die zweitgrößte Stadt Litauens. Die Stadt liegt  westlich der Hauptstadt Vilnius. Durch die günstige Verkehrslage existieren in Kaunas mehrere Universitäten sowie viele Galerien. Die Textilkunst, deren Wurzeln in der Textilindustrie liegen ist in der Stadt stark vertreten.(Textilindustrie – Biennale Kaunas). Die Stadt wird im Jahre 2022 gemeinsam mit dem luxemburgischen Esch an der Alzette Kulturhauptstadt Europas sein.

Geschichte:
Erstmals wurde 1361 eine litauische Burg an der Mündung der Neris  in die Memel erwähnt. Der Deutsche Orden wollte seine Territorien in Osteuropa und in Livland mit einander verbinden um so einen einheitlichen Herrschaftsbereich von Estland bis nach Ostpreußen zu erhalten. Die Burg von Kaunas war ein Hindernis für diese Ambitionen.

Die Absicht des Deutschen Ritterordens wurde in der Schlacht von Tannenberg gegen die vereinigten Litauer und Polen 1410 zu nichte gemacht. Im polnisch-litauischen Staat wurde Kaunas eine reiche und große Stadt.

Das 17. und 18. Jahrhundert  bedeutete für Kaunas eine schwere Zeit. Abwechselnd besetzten Russen und Schweden die Stadt. 1670 bis 1732 zerstörten etliche Brände die Stadt und die Pest wütete hier. Seit dem 16. Jahrhundert entwickelte sich Kaunas zu einem bedeutendem jüdischen Zentrum. Nach dem Pogrom 1761 siedelten die Juden in die Vorstadt Slobodka. Slobodka wurde zu einer bedeutenden Talmud-Lehrstätte von europäischen Rang.

Im Jahre 1900 betrug der Anteil der Juden an der Bevölkerung Kaunas 37%. Aus der damaligen Zeit ist die Choral-Synagoge erhalten.

Immer wieder kam es zu Besetzungen durch Russen und Polen.
Im Zweien Weltkrieg besetzte zunächst die Rote Armee Kaunas. Im Zuge dessen erfolgte Deportationen von reichen Litauern. 1941 marschierte die deutsche Wehrmacht ein. Es erfolgten sogleich Massenmorde und Deportationen an Juden. Von 1940 – unterbrochen durch die deutsche Besatzungszeit  bis zur erneuten Wiedererlangung der Unabhängigkeit gehörte Kaunas – so wie ganz Litauen – zur Litauischen Sowjetrepublik. Heute ist Kaunas der wichtigste Verkehrsknotenpunkt Litauens.

Gebäude der Altstadt: Burg von Kaunas, Peter- und Pauls Kathedrale, Jesuitenkirche  und Gymnasium am Rathausplatz von Kaunas.

Soviel über das leider verregnete Kaunas, das sicher bei Schönwetter einladender gewesen wäre.

Nach kurzer Fahrt erreichen wir Vilnius und das Hotel, das etwas außerhalb der Innenstadt liegt. Jeder von uns ist müde und keiner, außer den beiden Vorarlberger Event-Süchtigen traut sich in den Regen hinaus. Wir essen im Hotel und begeben uns dann zur Ruhe.

2.10 Vilnius

Wir wachen auf, blicken aus dem Fenster: grau in grau und Regen. Obwohl ich eigentlich gegen banale Sprüche bin sage ich dennoch zu Hilmar: „Hab Sonne im Herzen, obs stürmt oder schneit!“ Hilmar lächelt nur Gott ergeben. Was solls! Da müssen wir hindurch, denn unsere unermüdliche Daiva, die ja aus Litauen stammt wird uns mit „Schirm, Charm aber ohne Melone“ Vilnius näher bringen.

Jetzt wieder ein paar Informationen über die Hauptstadt von Litauen.

Vilnius, Hauptstadt Litauen. Einwohner: 574.221, 401 km² Fläche. Vilnius ist Sitz des katholischen Erzbistums Vilnius. Vilnius ist eine der ältesten Universitätsstädte Europas (Gründung 1579). Vilnius war von Anfang an eine Baltische Gründung und wurde im Gegensatz zu den Hauptstädten der Nachbarländer Riga und Tallinn  nie vom Deutschen Orden kontrolliert. Vilnius wurde Zentrum des Großreiches, das auf dem Höhepunkt der Macht um 1618 als Polen-Litauen zeitweise von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer reichte.

Vilnius galt als eine der liberalsten Städte Europas, die im Laufe der Geschichte verfolgte Juden aus Mitteleuropa und Russland Schutz bot. Als „Jerusalem des Nordens“ wurde Vilnius Zentrum der jüdischen Kultur und Aufklärung. 40% der Einwohner waren Juden. Infolge des Zweiten Weltkrieges verlor die Stadt die Mehrheit ihrer Bewohner. (Polen wurden vertrieben, Juden flüchteten oder wurden im Holocaust ermordet).

Ab dem 16. Jahrhundert schufen italienische Baumeister zahlreiche barocke Kirchen. Die Altstadt wurde 1994 zum UNESCO-Welterbe erklärt. Aufgrund der über 50 Kirchen der Stadt trägt Vilnius auch den Beinamen „Rom des Ostens“.

Geschichte:
Erste Erwähnung findet Vilnius 1323 als Hauptstadt Litauens. Großfürst Gediminas warb durch Briefe an Kaiser und Papst für
Zuzug von Kaufleuten und Wissenschaftlern. In Folge der Bedrohung durch den Deutschen Ritterorden entschloss sich Großfürst  Jogaila ( polnisch Jagelo) zu einer Allianz mit Polen. (Heirat mit der polnischen Königin Hedwig). Es erfolgte Reformierung und Christianisierung des Landes. Blütezeit im 15. Jahrhundert und allmähliche „Polonisierung“, Förderung der Kunst und Wissenschaft, Zentrum der Orgelmusik. Gleichzeitig wurde Vilnius Zentrum jüdischer Kultur. Nach der Teilung Polen-Litauen gehörte Vilnius seit 1795 zum russischen Kaiserreich.

Zweiter Weltkrieg:

1. September 1939 – Überfall der deutschen Wehrmacht auf Polen. Zunächst Übergabe der Stadt und Litauen an die deutsche Wehrmacht. 15. Juni 1940 – Überfall der Sowjetunion und Anschluss an die Sowjetunion. 35 000 Polen wurden nach Sibirien deportiert.

Unter der deutschen Besatzung erfolgte Erschießungen von Juden. Verbleibende Juden wurden in KZ s ermordet. Nach dem Zweiten Weltkrieg wird Vilnius Hauptstadt der Sozialistischen Sowjetrepublik Litauen. Die Ansiedlung von Nicht-Litauen konnte begrenzt werden.  (Anteil der russischen Bevölkerung 20%. Die beiden anderen baltischen Hauptstädte Tallinn und Riga hatten zeitweise 50% russischen Zuzugs). Seit der 1990 wiedererlangten Unabhängigkeit ist Vilnius Sitz des litauischen Parlaments und Sitz des Präsidenten/In.

Altstadt: Zahlreiche Kirchen, St. Stanislaus (klassizistisch römischer Stil), St. Anna, Kirche im Flambojanstil – Spätgotik, Choral-Synagoge, Peter u. Paul-Kirche (Meisterwerk des Barock)

Wir machen einen Spaziergang durch die Altstadt, besichtigen jede Menge Kirchen und essen eine Kleinigkeit in einem Cafe. Der Regen hat leider nicht aufgehört. Das ist schade, denn nachmittags fahren wir nach Trakai, die mittelalteriche  Hauptstadt Litauens mit seiner wieder aufgebauten Wasserburg.

Trakai und das Ethnographische Museum der Karäer:

Es regnet leider ohne Unterlass. Zunächst gehen wir durch das kleine Städtchen und machen einen kurzen Besuch im Museum der „Karäer“.

Die Karäer verstehen sich einerseits als jüdische Religionsgemeinschaft, andererseits als eigene Volksgruppe innerhalb der Turkvölker. Ihre Religion und religiösen Praktiken unterscheiden sich zum Teil deutlich vom rabbinischen Judentum. In Litauen und hier vor allem in Trakai leben einige Familien. Trakai ist das kulturelle und religiöse Zentrum der Karäer in Litaen.

Diese Volksgruppe ist total unbekannt für uns und daher von besonderem Interesse.

Nun geht es aber zu der Burg Trakai auch Inselburg genannt, denn sie ist mitten auf einer Insel erbaut. Trotz des Regens und der schlechten Sicht bezaubert und verblüfft uns diese Wasserburg. Sie ist ein Muster einer Ritterburg aus dem Mittelalter und dementsprechend wird sie oft als Schauplatz mittelalterlicher Filme frequentiert. Auch vor unserer Ankunft wurde ein Film gedreht.



Die Besichtigung dauert mindestens 1,5 Stunden. Es geht treppauf, treppab und sogar ins Verlies, das sehr schlecht beleuchtet ist wagen wir uns. Ist eben auch original, denn die armen Gefangenen hatten sicher kaum Licht und mussten da unten – wer weiß wessen Vergehen sie beschuldigt  wurden – verfaulen.

Die Burg besteht aus folgenden Teilen:
Der fürstliche Palast in Form eines U
die Vorburg
Der Hof
der große Saal

In all diesen Räumlichkeiten wird auf wunderbare Weise das Mittelalter und die Bewohner und Herrscher der Burg lebendig.

Im 19. Jahrhundert verfiel die Burg allmählich und erst 1955 bis 1987 wurde die Burg aufwendig restauriert.

Am Rückweg schauen wir noch bei den Bernstein-Ständen vorbei. Eine Fülle von Bernstein-Ketten, Ohrringen etc glitzert uns entgegen und wird angeboten, spott billig! Ob alles echt ist? Egal! Ich kaufe zwei hübsche Armbänder – da kann ich nicht widerstehen!

Nun geht es zurück zum Hotel. Wir essen recht gut, plaudern noch ein bisschen und gehen dann aufs Zimmer zum Kofferpacken, denn  morgen geht es wieder heimwärts.

3.10. Heimflug

Heute fliegen wir zunächst mit einer kleinen Propeller-Maschine , die Hilmar entzückt – zurück nach Riga zum internationalen Flughafen und von dort mit Air-Baltik zurück nach Wien.

Wir haben viel gesehen. Haben Städte und das Land des Baltikums kennen gelernt. Sehr viel Interessantes erlebt und ich kann sagen, dass trotz des teilweise schlechten Wetters die Reise schön und angenehm war.

Ich habe dieses Reise-Tagebuch geschrieben, damit wir – Hilmar und ich – uns später einmal an den Verlauf der Reise erinnern. Vielleicht findet der eine oder andere,  Gefallen an der Reise und wird animiert auch das Baltikum kennen zu lernen – auf seine persönliche Art.

Aber nicht, dass ein falscher Eindruck entsteht: ich mache keinerlei Werbung für ein Reisebüro etc. Also nochmals, viel Spass beim Lesen der Reise!